Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ein Pussy-Riot-Mitglied kommt frei

Haftstrafe gegen zwei weitere Sängerinnen bestätigt

Ekaterina Samutsevich kommt auf freien Fuß (picture alliance / dpa / Novoderezhkin Anton)
Ekaterina Samutsevich kommt auf freien Fuß (picture alliance / dpa / Novoderezhkin Anton)

Einmal Bewährung, zweimal Straflager: Im Fall der verurteilten Sängerinnen der russischen Punkband Pussy Riot ist das Urteil gefallen. Das Berufungsgericht hat eine der drei Frauen auf freien Fuß gesetzt. Die zwei anderen Aktivistinnen müssen für zwei Jahre ins Straflager.

Die zweijährige Haftstrafe für Marina Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa ist vom Berufungsgericht in Moskau bestätigt worden. Die Strafe der dritten verurteilten Sängerin, Jekaterina Samuzewitsch, wurde allerdings in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Die drei Frauen waren wegen einer regierungskritischen Aktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale verurteilt worden.

Die neue Anwältin von Samuzewitsch hatte kurz zuvor gesagt, die Aktion habe ohne ihre Mandantin stattgefunden. Samuzewitsch sei bereits wenige Sekunden, nachdem sie die Kirche betreten hatte, festgenommen worden. Als mehrere Pussy-Riot-Künstlerinnen ihr "Punkgebet" gegen den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Staatschef Wladimir Putin in der Kirche aufgeführt hätten, habe sich Samuzewitsch bereits außerhalb der Kirche befunden.

Die Aktivistinnen der Band Pussy Riot müssen für zwei Jahre ins Gefängnis (picture alliance / dpa / Karpov Sergei)Die drei Aktivistinnen der Band Pussy Riot (picture alliance / dpa / Karpov Sergei)"Wir wollten niemanden beleidigen", betonte Alechina. Sie hätten gegen den russischen Präsidenten Putin und auch gegen die Orthodoxe Kirche protestiert, die seine Herrschaft unterstütze. "Wir sind in die Kathedrale gegangen, um dagegen zu protestieren, dass sich die politischen und sprituellen Eliten vereinen", erklärte Alechina.

In einem international kritisierten Verfahren waren die drei Sängerinnen im August zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Künstler und Politiker weltweit hatten ihre Freilassung gefordert.

In Deutschland wird unterdessen kontrovers über die Nominierung der Musikerinnen von Pussy Riot für den Lutherpreis der Stadt Wittenberg debattiert. Der Theologe Friedrich Schorlemmer lehnt diese ab. Die Protest-Aktion der Band nannte er im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur "geschmacklos, verletzend und kontraproduktiv". Schorlemmer betonte, er hätte die Preis-Nominierung anders bewertet, wenn die Musikerinnen ihre Aktion auf dem Roten Platz hätten stattfinden lassen statt auf dem Altar einer Kirche.

Der Bürgermeister von Wittenberg, Eckhard Naumann, hatte die Nominierung der Band für den Preis zuvor verteidigt. "Wir bleiben bei unserem Vorschlag", sagte er im Deutschlandradio Kultur. Es sei der Stadt Wittenberg nicht darum gegangen, Provokationen gegen die Kirche oder den Staat auszuzeichnen, sagte Naumann. Vielmehr habe "der Mut der jungen Frauen" im Vordergrund gestanden, "bei ihrem Protest zu bleiben, auch unter Repressionen dabeizubleiben". Auch das Risiko einer Verurteilung zu Lagerhaft habe sie nicht dazu gebracht einzuknicken.


Mehr zum Thema auf dradio.de:

Russische Kirche fordert Reue von Pussy Riot - Gericht prüft Berufungsanträge der Sängerinnen
Pussy Riot erteilen Richtern eine Kunst-Lektion - Schlussworte der drei Künstlerinnen in Moskauer Prozess
"Die Anklage ist absurd" - Punkband "Pussy Riot" weist vor Gericht den Vorwurf der Blasphemie zurück
Trübe Aussichten in Russland - Pussy Riot-Urteil ist ein Skandal
Dieser Prozess hat letztlich einen politischen Hintergrund - Unterstützung für Pussy-Riot-Sängerinnen ist Sehnsucht nach politischem Wandel
"Die machen das mit einem enormen Mut" - Punk-Sänger Schorsch Kamerun sympathisiert mit der russischen Frauen-Punkband Pussy Riot

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:35 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Soziale AngststörungenTherapien besser als Medikamente

Eine Frau sitzt vor einem Laptop und schlägt angesichts von Hassbotschaften per Facebook die Hände vors Gesicht. (imago / Reporters)

Für Menschen mit einer sogenannten sozialen Phobie sind Situationen wie das Vortragen von Referaten extrem belastend. Sie kann erhebliche Folgen, wie etwa einen Schul- oder Studienabbruch, nach sich ziehen. Der Psychotherapieforscher Falk Leichsenring rät von einer medikamentösen Behandlung ab.

Neues vom E-ELTStartschuss für das Riesenauge

Eine Animation des European Extremely Large Telescope (E-ELT) (ESO/L. Calçada)

Das geplante Großteleskop der Europäischen Südsternwarte ESO nimmt zunehmend Gestalt an. So wurde vor einigen Wochen in Mainz der Rohling für den Sekundärspiegel mit einem Durchmesser von 4,20 Metern gegossen.

Neuer Trend: Der Öko-ThrillerDie Ökofrage ist im Mainstream angekommen

Angestellte der staatlichen Ölfirma Petroecuador versuchen ein ölverseuchtes Gebiet des Amazonas zu reinigen. (AFP / RODRIGO BUENDIA)

In aktuellen Thrillern zeichnet sich ein Trend ab: Öko-Themen spielen eine immer größere Rolle - immer häufiger geht es um Öko-Verbrecher oder um Mord an Öko-Helden. Eine kleine Genre-Analyse des Krimi-Experten Ulrich Noller - Empfehlungsliste inklusive.

Gamescom"Computerspiele auf allen Ebenen fördern"

Ein Bild aus dem Computerspiel "The Secret of Monkey Island". (picture alliance/ dpa / Lucas Arts)

Wer es ernst meint mit dem "Kulturgut" Computerspiel, dürfe nicht nur die Interessen der Spieleindustrie im Auge haben, meint der Kulturwissenschaftler Christoph Bareither. Sondern Forschung und seriöser Computerspieljournalismus müssten gefördert werden.

Kinder psychisch kranker Eltern Zu viel Verantwortung und große Einsamkeit

Mädchen sitzt in der Schule auf dem Boden (picture alliance / ZB/Britta Pedersen)

Rund 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen mit sucht- oder psychisch kranken Eltern auf. Oft müssen sie zu früh Verantwortung übernehmen und werden an ihrer freien Entwicklung gehindert. Beratungsstellen bieten Hilfe an - nützen aber vor allem unter einer Voraussetzung.

Zweite Chance für EuropaMehr Demokratie, mehr Rechtsstaat, mehr Gewaltenteilung

Zuschauer mit Europa-Flaggen stehen am 15. Mai 2017 in Berlin vor dem Bundeskanzleramt beim Antrittsbesuch des französischen Präsidenten Macron (picture alliance / Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB)

Die ausgestreckte Hand des europafreundlichen, französischen Präsidenten ergreifen: Das fordert der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Nach der Bundestagswahl im September gehe es darum, mit dem Nachbarn im Westen, das Projekt Europa aus der Krise zu führen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Afghanistan-Strategie  Gabriel fordert enge Abstimmung mit Europa | mehr

Kulturnachrichten

PEN ruft zu Spenden für Akhanli auf  | mehr

 

| mehr