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Ein sensibler Ort

Spielfilm über Auschwitz ab morgen im Kino

Der 19-jährige Sven aus Berlin bewirbt sich für seinen Zivildienst eigentlich in Amsterdam. Doch dann ist nur noch ein Platz im polnischen Oswiecim frei, das unter seinem deutschen Namen Auschwitz und dem dort errichteten Konzentrationslager weltweit zu einer Chiffre für den Holocaust geworden ist.

An dem geschichtsträchtigen Ort kommt Sven in vielfacher Weise mit der deutschen Vergangenheit in Berührung. So soll er sich um den KZ-Überlebenden Krzeminski kümmern, der in der alten Kommandantur von Auschwitz wohnt und die Koffer der Deportierten restauriert. Mit der polnischen Übersetzerin Ania erkundet Sven die Gegend, macht mit ihr Rast, wo einst eine Außenstelle des Lagers war, und beginnt, sich in sie zu verlieben. Und er erlebt, dass seine polnischen Altersgenossen in dem Kleinstädtchen abends zur Disko gehen und wenig anders leben, als seine Freunde in Deutschland.

"Am Ende kommen Touristen" ist ein Film, der auf konventionelle Auschwitzbilder und Schwarz-Weiß-Rückblenden zum Zweiten Weltkrieg verzichtet. Vielmehr thematisiert er die Fremdheit zwischen den Generationen und die Frage, inwiefern es möglich ist, Erinnerung wachzuhalten und nicht zu eingeübten Gesten verkommen zu lassen.

Das Konzentrationslager Auschwitz (1945) (AP Archiv)Das Konzentrationslager Auschwitz (1945) (AP Archiv)

Thalheim: "Es schnürt einem erstmal den Hals zu"


Robert Thalheim, Jahrgang 1974, wurde mit seinem Film "Netto" (2004) bekannt. Er hat selbst seinen Zivildienst in einer internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz abgeleistet. Thalheim sagt: "Wenn man dann mit 200 anderen Touristen unter dem Tor 'Arbeit macht frei' steht, sieht man erstmal die ganzen Familienväter mit ihren Videokameras. (...) Wenn man dort ist, dann schnürt einem das erstmal den Hals zu."

Hartwig Tegeler im Kulturtipp der Ortszeit auf Deutschlandradio Kultur: Die Frage ist, wie sich hinter den Betroffenheitsgesten und Erinnerungsritualen, die Robert Thalheim sehr präzise in seinem Film enthüllt, wie sich ein Zeitzeuge wie Krzeminski einem jungen Deutschen überhaupt vermitteln kann. Auf wunderbar komplexe Weise lässt Thalheim die Generationen an einem sensiblen Ort wie Auschwitz in seinem Film aufeinanderprallen. Er zeigt ihre unüberbrückbare Fremdheit und in den Begegnungen und Auseinandersetzungen gleichzeitig eine Menschlichkeit, die auf einer anderen Ebene jenseits der belasteten Vergangenheit funktioniert. (MP3-Audio)

Es gehe in dem Film darum, zu zeigen, dass es hier ein "heutiges Leben gebe, wo Jugendliche auch in die Disco gehen wollen und Träume haben und ihr Leben leben wollen", sagte Regisseur Robert Thalheim im Deutschlandradio Kultur. Hauptdarsteller Ryszard Ronczewski erklärte, die Leute aus Oswiecim wollten nicht mit dem Namen Auschwitz in Verbindung gebracht werden.
(Text, MP3-Audio)

Bereits vor seinem offiziellen Kinostart erhielt "Am Ende kommen Touristen" viele Vorschusslorbeeren. So wurde der Film auf dem diesjährigen Filmfestival in Cannes in einer Nebenreihe gezeigt. Seine dortige Teilnahme bezeichnete Robert Thalheim bei einem Live-Gespräch aus Cannes mit Deutschlandradio Kultur als einen "Traum von jedem Filmemacher".
(Text, MP3-Audio)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:24 Uhr

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