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Ein Stuhl blieb leer

Die Vergabe des Friedensnobelpreises fand ohne Preisträger Liu Xiaobo statt

Thorbjorn Jagland neben dem leer gebliebenen Stuhl von Preisträger Liu Xiaobo (AP)
Thorbjorn Jagland neben dem leer gebliebenen Stuhl von Preisträger Liu Xiaobo (AP)

In Oslo ist der Friedensnobelpreis an den chinesischen Schriftsteller Liu Xiaobo verliehen worden. Er selbst konnte nicht an der Zeremonie teilnehmen. Xiaobo sitzt in China in Haft wegen Staatsgefähdrung. Als symbolische Geste wurde ein Stuhl für ihn frei gelassen.

Am Nachmittag wurden in Stockholm in einer Zeremonie im Konzerthaus alle weiteren Nobelpreise für die Kategorien Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur sowie Wirtschaftswissenschaften verliehen.

Im Oktober hatte das Nobelpreiskomitee die einzelnen Preisträger bekannt gegeben. Zur Nobelpreis-Übersichtsseite

Die diesjährigen Preisträger:

Der Brite Robert Edwards, Träger des Medizin-Nobelpreises 2010. (AP)Der Brite Robert Edwards, Träger des Medizin-Nobelpreises 2010. (AP)Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geht an den Briten Robert Edwards. Der Biologieprofessor wird für die Entwicklung der sogenannten In-vitro-Fertilisation ausgezeichnet und gilt damit als der Vater der künstlichen Befruchtung. Etwa vier Millionen Menschen weltweit verdanken dieser Entwicklung ihre Existenz. Porträt Roberts Edwards' bei "Forschung aktuell"


Richard F. Heck, Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki (v.l.n.r.) (AP)Richard F. Heck, Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki (v.l.n.r.) (AP)Den Chemie-Nobelpreis teilen sich der US-Amerikaner Richard F. Heck und die beiden Japaner Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki. Die drei Wissenschaftler erhalten die Auszeichnung für die Entwicklung neuer effizienter Wege, um Kohlenstoffatome zu verbinden. Damit hätten die Forscher die Entwicklung neuer Medikamente und die Herstellung revolutionärer Materialien wie Plastik ermöglicht. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften im Oktober mit. Dossier zu den Preisträgern

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den britisch-russischen Wissenschaftler Konstantin Novoselov und an den Niederländer Andre Geim (links) (AP)Konstantin Novoselov und Andre Geim (links) (AP)Der Nobelpreis für Physik geht an den Niederländer Andre Geim sowie den britisch-russischen Physiker Konstantin Novoselov. Die begehrte Auszeichnung wird ihnen für die Forschung mit dem Material Graphen verliehen - modifizierter Kohlenstoff. Bezogen auf seine Struktur ist Graphen mit dem Material Graphit verwandt. Die beiden Physiker, erklärte das Nobel-Komitee sinngemäß im Oktober, hätten auf die besonderen Eigenschaften der extrem flachen Variante des Kohlenstoffs, dem Graphen, aufmerksam gemacht. Das besondere Material könne vor allem in der Elektronik zur Anwendung kommen. Graphen ist nahezu transparent und kann somit zur Herstellung durchsichtiger Touchscreens verwendet werden. Porträt der Preisträger in Forschung aktuell

Peter A. Diamond, diesjähriger Wirtschaftsnobelpreisträger (AP)Peter A. Diamond (AP)Den "Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel", der auch als Wirtschaftsnobelpreis bezeichnet wird, bekommen die drei Forscher Peter Diamond, Dale Mortensen und Christopher Pissarides. Sie werden für ihre Arbeit über Märkte und die Kosten für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage geehrt."Die Modelle der Preisträger helfen uns zu verstehen, wie Arbeitslosigkeit, freie Stellen und Löhne von Regulierung und Wirtschaftspolitik beeinflusst werden", hieß es in einer Mitteilung der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Dossier zu den Preisträgern

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa. Der 74-Jährige erhalte die Auszeichnung für seine "Kartographie der Machtstrukturen und seine scharfen Bilder des Widerstands, der Revolte und der Niederlage des Einzelnen", teilte die Schwedische Akademie in Stockholm mit. Interview mit der Lektorin und Südamerika-Kennerin Michi Strausfeld über Llosa

Der chinesische Menschenrechtler und Schriftsteller Liu Xiaobo wurde in Abwesenheit mit dem Friedensnobelpreis bedacht. Er sitzt in China eine elfjährige Haftstrafe ab - wegen Staatsgefährdung. Auch seine Frau kann den Preis nicht stellvertretend entgegennehmen: Sie ist unter Hausarrest gestellt. Deutschlandfunk-Beitrag aus der Sendung "Eine Welt" zum Thema

Die chinesische Regierung hat die Verleihung des Preises an Liu Xiaobo massiv kritisiert und zu behindern versucht. Mindestens 15 Staaten nahmen aufgrund des Boykottaufrufs Chinas nicht an der Zeremonie in Oslo teil - darunter Russland, Pakistan, Irak, Iran, Pakistan, Ägypten und Kuba.

China beklagt "Mangel an Respekt" für sein Rechtssystem

Dass Liao Xiaobo als Preisträger ausgewählt wurde, ist für China ein "Mangel an Respekt für das chinesische Rechssystem". Die Kommunistische Partei interpretiert die Menschenrechte auf ganz eigene Weise: Nämlich zunächst nicht als Rechte des Einzelnen. Deutschlandfunk-Beitrag aus der Sendung Hintergrund

Barbara Lochbihler, Menschrechtskoordinatorin der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, forderte die EU-Staaten im Vorfeld der Verleihung im Deutschlandradio-Kultur-Interview auf, ein Zeichen zu setzen und geschlossen an den Feierlichkeiten für dem Friedensnobelpreisträger Xiaobo teilzunehmen. China müsse lernen, dass es mit Boykotten nicht durchkomme.

Monika Lüke, Generalsekretärin der deutsche Sektion von Amnesty International, forderte am Vormittag im Deutschlandfunk-Interview, den moralischen und politischen Druck zur Einhaltung der Menschenrechte in China aufrecht zu erhalten. Dass der Dissident Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis erhalte, weise in die richtige Richtung.


Programmhinweis:

Der Friedensnobelpreis und seine Folgen sind zudem Tagesthema bei DRadioWissen.



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Der leere Stuhl von Oslo

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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