Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ein Teufelskreis aus Schulden, Sparen und schwachem Wachstum

OECD prophezeit Rezession in der Eurozone

Wie geht's dem Euro? Das geht die ganze Weltwirtschaft an.  (picture alliance / dpa)
Wie geht's dem Euro? Das geht die ganze Weltwirtschaft an. (picture alliance / dpa)

Erst die EU-Kommission, dann der Internationale Währungsfonds, jetzt die OECD – sie alle sagen: Die Eurozone steckt in einer Rezession. Mehr noch: Die Schuldenkrise ist laut aktueller OECD-Prognose der größte Risikofaktor für die Weltwirtschaft. Ohne Deutschlands gut laufende Wirtschaft sähe das Bild noch düsterer aus.

Die Wirtschaft in der Eurozone wird in diesem Jahr schrumpfen. So sieht es die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem aktuellen Ausblick. Statt wie bisher mit einem Wachstum von 0,2 Prozent rechnet sie nun mit einem Minus von 0,1 Prozent. Keine große Überraschung dabei: Es soll große Unterschiede zwischen den einzelnen Euroländern geben.

Die Rolle der Goldmarie kommt Deutschland zu: Die deutsche Wirtschaft soll 1,2 Prozent zulegen. Griechenland wird Pechmarie – mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 5,3 Prozent. Und selbst diese Zahlen gelten laut OECD nur, falls die Sparvorgaben von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) eingehalten werden. Die gute Nachricht: Im kommenden Jahr soll es besser werden – vor allem ein starkes Deutschland soll dann den Schnitt der Eurozone auf ein Wachstum von 0,9 Prozent heben. Seine Vorteile: Eine sinkende Arbeitslosigkeit und eine erfolgreiche Haushaltssanierung.

Eurokrise könnte Weltwirtschaft schaden

Die Prognose kommt kaum überraschend. Schon im April hatte der IWF für das Jahr 2012 eine leichte Rezession in der Eurozone vorhergesagt – die EU-Kommission sieht sogar die gesamte EU davon erfasst. Die OECD geht allerdings noch einen Schritt weiter. Ihren Analysen zufolge gefährdet der Abwärtsstrudel der Eurozone die gesamte Weltwirtschaft. Die Eurokrise sei weiterhin der größte globale Risikofaktor. Der Reformprozess habe begonnen, werde aber durch die Rezession gebremst. Laut dem Bericht besteht die Gefahr eines Teufelskreises durch die hohe Verschuldung, ein schwaches Bankensystem, zu starkes Sparen bei gleichzeitig niedrigem Wachstum.

Bofinger: Sparstrategie gescheitert

Das Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Peter Bofinger (AP)Der Wirtschafsweise Peter Bofinger (AP)Übereilte Sparmaßnahmen seien der Grund für die Rezession in einigen Euroländern – dieser Ansicht ist der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Im Deutschlandfunk erklärte er die Konsolidierungs-Strategie der vergangenen zwei Jahre für gescheitert. "Es ist nicht dazu gekommen, dass jetzt die Zinsen für diese Länder gesunken sind, dass also die Finanzmärkte diese Sparanstrengungen belohnt haben." Deshalb müsse man dringend überprüfen, ob vorgesehene Sparmaßnahmen verschoben werden könnten, bis sich die Konjunkturen mancher Länder erholt hätten. Bofinger kritisierte auch die ablehnende Haltung der Bundesregierung zu Eurobonds: "Wenn man die letzten zwei Jahre genutzt hätte, um darüber aktiv nachzudenken, würde man heute schon sehr viel besser dastehen".

Eurobonds kommen wieder auf den Tisch – EU-Gipfel in Brüssel

Die europäischen Staatsanleihen, so genannte Eurobonds, werden auch Thema beim bevorstehenden informellen EU-Gipfel in Brüssel sein. Die OECD nennt sie als mögliche Maßnahme gegen die Rezession – solche Wachstumsmaßnahmen kämen allerdings erst in Frage, sobald die Haushalte saniert seien. Italien und Frankreich haben angekündigt, sich in Brüssel für die Anleihen einzusetzen. Kompromisse sind auf manchen Gebieten möglich – Beschlüsse werden aber vorerst nicht erwartet.

Einigen könnte man sich womöglich darauf, die Mittel der Europäischen Investitionsbank aufzustocken und bisher unverwendete Gelder aus dem Strukturfonds zu verteilen. Auch bei der Finanztransaktionssteuer gibt es Gemeinsamkeiten. Weniger wahrscheinlich ist es, dass es entscheidende Fortschritte in der Frage der Eurobonds geben wird. Merkel lehnt gemeinsame europäische Staatsanleihen strikt ab. Bürgten die Euro-Staaten mit ihrer Bonität für Kredite, kämen Sorgenkinder wie Spanien und Italien deutlich günstiger an frisches Geld und könnten mit Investitionen die Konjunktur ankurbeln. Berlin würde Milliarden draufzahlen, dafür erhielten Madrid und Rom wieder akzeptable Konditionen. Deutschland kann seine Anleihen derzeit fast zum Nulltarif auf den Kapitalmärkten ausreichen. Durch die gemeinsamen Anleihen würden die Zinsen für neue Kredite deutlich steigen. Heikel wird es auch bei der Frage werden, ob die Europäische Zentralbank Problemländer direkt stützen darf.

Problemkind Griechenland

Auch die Lage in Griechenland wird zur Sprache kommen. Die Neuwahlen finden am 17. Juni statt und sollen über das weitere Schicksal des Landes entscheiden. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, rechnet unterdessen mit dem Aufkommen einer Parallelwährung im schuldengeplagten Griechenland. Da sich die große Mehrheit der Griechen gegen das Sparprogramm ausspreche, sei mit einer baldigen Einstellung der internationalen Finanzhilfen zu rechnen, sagte er am Dienstag im ARD-Fernsehen. Um seine Rechnungen zu bezahlen, werde der Staat Schuldscheine ausgeben, was der Anfang eines Parallelkreislaufs des Griechen-Euros sein könnte. Zunächst rechnet der Volkswirt damit, dass die Schuldenkrise professionelle Geldwechsler auf den Plan rufen werde, die Schuldscheine gegen Echtgeld tauschen. Als Name für die Schattenwährung schwebe ihm "Geuro" vor, sagte Mayer.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:05 Uhr Studio LCB

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:05 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Cityleaks Urban Art FestivalMeine, Deine - unsere Stadt

Beim Cityleaks Urban Art Festival bespielen internationale Streetart-Künstler den Kölner Stadtraum. Zum Festival gibt es einen Kongress, der sich damit beschäftigt, wie im Zuge von Urban Gardening, spontanen Interventionen oder Bürgerinitiativen die Stadt "von unten" mitgestaltet wird.

HeidenauDie hässliche Fratze des Mobs bekämpfen

Polizeikräfte kesseln am 28.08.2015 in Heidenau (Sachsen) etwa 100 Rechte ein. Diese hatten sich am Abend, nach einem friedlichen Willkommensfest für Flüchtlinge, gegenüber dem Notquartier für Asylsuchende an einem Supermarkt versammelt. (dpa / picture-alliance / Sebastian Willnow)

So beschämend die ausländerfeindliche Hetze in einigen sächsischen Orten auch ist - die Empörung dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Asylpolitik der letzten Jahre erhebliche Versäumnisse gegeben habe, kommentiert der Chefredakteur der Dresdner Neuen Nachrichten, Dirk Birgel.

Aus den FeuilletonsJonathan Franzen verschlägt es in die DDR

Jonathan Franzen (Imago)

Alle werden irgendwie überwacht: In seinem neuen Roman "Purity" bringt Jonathan Franzen die DDR und das Internet zusammen. Und Dresden leidet wegen Pegida an einem Besucherrückgang. Das und mehr in unserer Kulturpresseschau.

Eine Recherche in acht FolgenMehr als ein Mord – Das Ende einer Flucht aus Eritrea

Flüchtlinge, Migranten und Deutsche demonstrieren am 17.01.2015 in der Innenstadt in Dresden (Sachsen), um auf den gewaltsamen Tod von Khaled Idris Bahray aus Eritrea aufmerksam zu machen. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Der 20-jährige Asylbewerber Khaled Idris Bahray überlebt die Flucht aus Eritrea. Vier Monate nach seiner Ankunft wird er im Januar 2015 in Dresden ermordet. Der Fall hat die Journalistin Jenni Roth nicht losgelassen.

Ungesundes JoggenDicke Luft in deutschen Städten

Wer glaubt, etwas für seine Gesundheit zu tun, indem er mitten durch unsere Städte joggt, erweist sich damit einen Bärendienst. Durch das tiefe Einatmen passiert so allerhand im Körper, nur nicht das, was sich vermeintlich gesundheitsbewusste Jogger davon versprechen. 

KurdenkonfliktKollateralschaden: Die Kultur der Aramäer

Das Kloster Mor Gabriel im Südosten Anatoliens ist das geistige Zentrum der aramäisch sprechenden christlichen Minderheit. Auch in dem Dorf Kafro sollen sakrale Bauten in neuem Glanz erstrahlen. (dpa / picture alliance / AKTION MOR GABRIEL)

Das christliche Volk der Aramäer, das seine Heimat in Südostanatolien hat, lebt heute überwiegend in Deutschland. Im letzen Jahrzehnt hatte eine Rückkehr der Aramäer in ihre historische Heimat begonnen. Doch die Hoffnung auf Frieden ist durch die erneute Eskalation des Kurdenkonflikts in der Türkei zerstört.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Heidenau  Bundesverfassungsgericht kippt Versammlungsverbot | mehr

Kulturnachrichten

Filmfest in Venedig ohne Scorsese  | mehr

Wissensnachrichten

Lernen  Vier-Tage-Woche bringt bessere Noten | mehr