Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ein tief gespaltenes Land

Oppositionelle kritisieren Ablauf des Verfassungsreferendums

Ein Ägypter bei der Stimmabgabe zum Verfassungsreferendum (picture alliance / dpa /Khaled Elfiqi)
Ein Ägypter bei der Stimmabgabe zum Verfassungsreferendum (picture alliance / dpa /Khaled Elfiqi)

In Ägypten entscheidet sich heute, ob der umstrittene Verfassungsentwurf Gesetz wird. Die Opposition übt starke Kritik. Viele Wähler seien von Islamisten beeinflusst worden. Vor der Abstimmung kam es zu einer Massenschlägerei.

In Ägypten naht die Entscheidung, ob der umstrittene Verfassungsentwurf Gesetz wird. Rund 25 Millionen Wahlberechtigte waren zuletzt aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Das ägyptische Fernsehen zeigte - wie schon beim Wahlauftakt vor einer Woche - Warteschlangen vor den Wahllokalen. Im Vorfeld der Wahl war es bei Protesten in Alexandria zu einer Massenschlägerei gekommen.

Opposition: Wähler durch Islamisten beeinflusst

Aus Oppositionskreisen wurde, wie schon bei der Abstimmung vor einer Woche, Kritik am Ablauf der Wahl laut. Mehrere Wahllokale hätten zu spät geöffnet und Wähler seien von Islamisten beeinflusst worden, erklärte die revolutionäre Jugendbewegung 6. April in einem ersten Resümee. Die Bewegung, die bereits 2008 als Facebook-Gruppe entstand und sich zur treibenden Kraft der Revolution in Ägypten 2011 entwickelte, hat mehrere Mitglieder zur Wahlbeobachtung in verschiedene Städte entsandt.

Ausschreitungen in Alexandria (picture alliance / dpa /Str)Ausschreitungen in Alexandria (picture alliance / dpa /Str)Aus der nördlichen Stadt Damietta berichteten sie, dass Islamisten den Wählern Geld angeboten hätten, damit sie mit Ja stimmten. Wie die ägyptische Zeitung "Al-Ahram" berichtete, gab es auch im Nildelta Probleme. So entließ in der Provinz Menufija ein Richter seine Wahlhelfer, weil sie versuchten, Wähler zum Ja zu überreden. Rund 30 Prozent der Ägypter sind Analphabeten, die bei der Abstimmung auf Hilfe angewiesen sind. Auch bei der ersten Abstimmung gab es Manipulationsvorwürfe.

In den ländlichen Gebieten haben die Muslimbrüder großen Rückhalt

Beim ersten Teil der Abstimmung, vor einer Woche, waren die Bürger aus zehn der insgesamt 27 Provinzen zur Wahl aufgerufen. Dabei votierte nach ägyptischen Medienberichten eine Mehrheit von 56 Prozent für den neuen Verfassungsentwurf. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 30 Prozent. Beim zweiten Teil der Wahl sollten die Bewohner in 17 eher ländlich geprägten Provinzen über den Entwurf abstimmen. Dort haben die Islamisten starken Rückhalt, wie DLF-Korrespondent Peter Steffe berichtet. Bei der zweiten Abstimmungsrunde sei deshalb von einem Ja für den Verfassungsentwurf auszugehen.

Obwohl Wahlpropaganda in Gotteshäusern in Ägypten verboten ist, mischten sich erneut Prediger in die Politik ein. Das Nachrichtenportal "youm7" berichtete, in Suez sei es deshalb in mehreren Moscheen zu Streit zwischen dem Prediger und den Betenden gekommen. Einige Prediger hätten den Gläubigen sogar gesagt, wer mit "Ja" stimme, komme ins Paradies, berichtet Carsten Kühntopp im Deutschlandradio Kultur.

Offizielle Ergebnisse des Verfassungsreferendums sollen heute bekanntgegeben werden. Wird der Verfassungsentwurf angenommen, muss innerhalb von zwei Monaten ein neues Parlament gewählt werden.

Mehr zum Thema auf dradio.de

Ägypten vor der entscheidenden Verfassungsabstimmung - Verletzte bei Massenschlägerei in Alexandria
"Wir wollen diese Verfassung nicht" - Regierungsgegner demonstrieren in Ägypten
Angst vor Rückfall in Mubaraks Zeiten - Niebel warnt vor Diktatur in Ägypten
Ägypten bleibt gespalten - Offenbar Mehrheit für Verfassungsentwurf - Opposition beklagt Manipulationsvorwürfe

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr In Concert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

ArgentinienMysteriöser Tod des Sonderermittlers

Demonstranten in Buenos Aires fordern die Aufklärung des Todes von Staatsanwalt Alberto Nisman. (AFP / Alejandro Pagni)

Alberto Nisman war Sonderermittler zur Aufklärung des Terroranschlags auf den jüdischen Wohlfahrtsverband AMIA 1994. In der Woche vor seinem Tod verkündete er, Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner und ihr Außenminister hätten in diesem Zusammenhang den Iran ungeschoren davonkommen lassen wollen. Viele Argentinier glauben, dass er ermordet wurde.

Sebastian EdathyDer Vorverurteilte

Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy äußerte sich auf einer Pressekonferenz. (imago/CommonLens)

Der Prozess gegen Sebastian Edathy wurde eingestellt, juristisch darf er als unschuldig gelten. Am Ende bleibt eine vernichtende Vorverurteilung - gesprochen von Journalisten, Staatsanwaltschaft und der eigenen Partei. Ein Kommentar.

KonzertkartenKein fairer Preis

Der Konzertkartenanbieter Eventim ist eine Marktmacht bei wenig Konkurrenz. Das Bundeskartellamt nimmt das Unternehmen jetzt unter die Lupe. Denn dank seiner Marktmacht kann Eventim unverschämt hohe Ticketpreise verlangen. Unsere Reporterin Lisa Hofmann hat sich auf dem Ticketmarkt umgesehen und nach dem fairen Ticketpreis gefahndet.

Schüler-Forschergarten Unerkanntes Essen

Eine gelbe Zucchini-Blüte mit grünen Blättern. (Deutschlandradio / Constanze Lehmann)

Schüler wissen heute oft wenig über die Herkunft unserer Lebensmittel. Im Forschergarten der Mainzer Grünen Schule, mitten im Botanischen Garten der Universität, können Schüler jetzt praktische Erfahrungen sammeln und gemeinsam gärtnern, experimentieren und das Gemüse beim Wachsen beobachten.

Gefahren bei Webplattform YouNowZu viel Privates im Netz

Eine 13-jährige Jugendliche spieltauf ihrem Smartphone das Spiel "Candy Crush". (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

Der Medienpädagoge Markus Merkle warnt vor der Plattform YouNow, mit der man überall live auf Sendung gehen kann. Vor allem manche Jugendliche würden zu viel Privates preisgeben - und so auch Menschen mit bösen Absichten eine Art Bewegungsprofil von sich liefern.

Kampf gegen den ISImmer den Tod vor Augen

Azad ist 20, Kurde und lebt im Ruhrpott. Die Nachrichten über die Brutalität des IS gegen Kurden hält er nicht mehr aus. Er zieht in den Krieg. Zurück in Deutschland erzählt er DRadio-Wissen-Reporter Johannes Döbbelt, was er erlebt hat.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kerry und Lawrow erwarten Fortschritte  im Ukraine-Konflikt | mehr

Kulturnachrichten

Türkischer Schriftsteller Yasar Kemal beerdigt  | mehr

Wissensnachrichten

Travel-Guide  Wo auf der Welt darf man wen wie berühren? | mehr