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Ein weißer Ring um die Innenstadt

Proteste der Opposition in Moskau

Von Gesine Dornblüth

In Moskau fordern Bürger mit einer Menschenkette rund um die Innenstadt faire Wahlen im März (picture alliance / dpa / Sergei Ilnitsky)
In Moskau fordern Bürger mit einer Menschenkette rund um die Innenstadt faire Wahlen im März (picture alliance / dpa / Sergei Ilnitsky)

In Moskau fand die seit Langem größte Protestaktion der russischen Opposition statt. Die Teilnehmer bildeten eine kilometerlange Menschenkette um die Innenstadt. Da keine offizielle Kundgebung genehmigt worden war, kamen sie ohne Plakate oder Fahnen.

Zu Tausenden standen sie mit weißen Mützen, weißen Schals oder weißen Schleifen auf dem Bürgersteig am Moskauer Gartenring und hielten sich an den Händen: Alte und junge, Männer und Frauen, geeint in der Forderung nach fairen Wahlen und einem "Russland ohne Putin". Eine von ihnen Jelena Schwarz, 36 Jahre, Lehrerin.

"Ich bin nicht nur gegen Putin, sondern gegen die gesamte Art, wie er und sein Regime regieren. Rüpelhaft und menschenfeindlich."

Der Rentner Alexander Kartischwili hatte sogar seinem Hund ein weißes Band umgebunden.

"Wir wollen ein anderes Leben. Ohne die allgegenwärtige Korruption. Wie kann man in einem Land leben, in dem alles käuflich ist? Das Gewissen, die Ehre, die Gerichte, die Beamten. Das ist schrecklich."

Das Putin-Lager hält dagegen. Das "Netzwerk zur Unterstützung Putins" verteilte – gleichfalls am Gartenring – Bänder in den russischen Nationalfarben. Ihre Aktion hieß "Putin liebt alle".
Und die Allrussische Volksfront veranstaltete heute einen Kongress zur Unterstützung der Armee. Sie knüpfte damit an Putins Ankündigung an, massiv aufzurüsten. Das staatlich kontrollierte Fernsehen übertrug den Kongress live, so auch den Auftritt des stellvertretenden Premierministers Dmitrij Rogozin. Der sagte in Bezug auf die Proteste in Moskau:

"Wir wissen, was die Farbe weiß auf dem Schlachtfeld bedeutet. Es ist die Fahne der Kapitulation."

Russland werde aber nicht kapitulieren, sondern siegen. Schon Putin hatte am Donnerstag bei seinem Auftritt vor 130.000 Anhängern im Moskauer Luschniki-Stadion die Russen als "Sieger-Nation" bezeichnet.
Die Propaganda zeigt Wirkung. Putins Umfragewerte steigen. Ein Sieg im ersten Wahlgang scheint wahrscheinlich. Auch vielen Oppositionellen in der Menschenkette war klar, dass Putin wohl gewählt werden wird. Umso wichtiger, anschließend weiterzumachen, meint die Bibliothekarin Olga.

"Wir müssen uns auch künftig Gehör verschaffen, egal, wer regiert."

Und die Lehrerin Jelena Schwarz ergänzt:

"Ich persönlich hoffe, dass sich das Regime trotz Putins Wahlsieg nicht mehr lange hält. Denn die Gesellschaft verändert sich. Die Leute lernen, zu kooperieren und anders miteinander umzugehen. Ich denke, das führt zu einem Sturz des Regimes. In der Form wie heute wird es keine sechs Jahre mehr bestehen."

Nach der Aktion versammelten sich einige Teilnehmer der Menschenkette auf dem Platz der Revolution im Zentrum Moskaus. Dort nahm die Polizei nach offiziellen Angaben etwa zehn Anhänger linker Gruppen fest. Sie hatten angeblich zu Demonstrationen am Tag nach der Wahl aufgerufen. Die Behörden haben Proteste am 5. März untersagt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

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