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Eine Stimme den Sprachlosen

Weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Die weißrussiche Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2013. (© Margarita Kabakova / Friedenspreis des Deutschen Buchhandels)
Die weißrussiche Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2013. (© Margarita Kabakova / Friedenspreis des Deutschen Buchhandels)

Besondere Beachtung fand hierzulande ihr Buch "Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft". Die heute 65-jährige Swetlana Alexijewitsch mahnte lange vor Fukushima vor weiteren Atomkatastrophen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ehrt sie nun mit dem Friedenspreis.

Nach den Ereignissen in Fukushima erschien ihr Buch "Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft" (1997) in einer aktualisierten Neuausgabe. Die Menschheit hat nichts gelernt und kann die Atomtechnologie nicht beherrschen, sagte sie vor zwei Jahren gegenüber Deutschlandradio Kultur. Sie habe keinen Zweifel, dass sich so etwas wiederholen würde.

Neues Werk "Secondhand-Zeit"

Im September erscheint ihr neues, 550 Seiten starkes Buch "Secondhand-Zeit – Leben auf den Trümmern des Sozialismus". Das Werk, das Jury-Mitglied und Deutschlandradio-Redakteur Stephan Detjen als ein "großes Buch" lobt, fasse die Enttäuschungen und Sehnsüchte der Menschen, die einst in dem Imperium Sowjetunion lebten, chorisch zusammen.

Alexijewitsch habe damit in vielen ihrer Bücher eine eigene Technik des literarischen Erzählens geschaffen, indem sie Interviews in den Text collagiert und so ein gesellschaftliches Panorama entwirft.

"Penible Chronistin menschlichen Leids"

Swetlana Alexijewitsch wurde 1948 in der Ukraine geboren und ist in Weißrussland aufgewachsen. Sie stammt aus einem Lehrerhaushalt, studierte in Minsk Journalistik und arbeitete zunächst als Journalistin und Dokumentarfilmerin, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. Die "Süddeutsche Zeitung" lobte sie als "penible Chronistin menschlichen Leids". Zu ihren Veröffentlichungen zählen die Kindheitserinnerungen "Die letzten Zeugen - Kinder im Zweiten Weltkrieg" (1989), ihre Dokumentation "Zinkjungen – Afghanistan und die Folgen" (1992) und im "Banne des Todes - Geschichten russischer Selbstmörder" (1994).

In ihrem Buch "Der Krieg hat kein weibliches Gesicht", das später als Stück am Düsseldorfer Schauspielhaus aufgeführt wurde, porträtierte sie russische Frauen, die im Zweiten Weltkrieg in der russischen "Roten Arbeit" gedient haben. Sie fuhren Panzer, kämpften gegen die deutschen Besatzer und wurden nach dem Krieg als "Flintenweib" beschimpft.

Ihre Preis gekrönten Bücher wurden bislang in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Sie arbeitet auch für Radio, Film und Fernsehen. Nach längeren Aufenthalten in Stockholm, Paris und Berlin lebt sie wieder in Minsk, obwohl sie in Weißrussland als Dissidentin gilt.

Verwirklichung des Friedensgedankens

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben und alljährlich während der Frankfurter Buchmesse im Oktober in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Er ehrt Persönlichkeiten, die sich "in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat", heißt es im Statut. Zu den Preisträgern zählen unter anderen der deutsche Schriftsteller Martin Walser, die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag oder der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk.

Programmtipp: Deutschlandradio Kultur
16:07 Uhr , Radiofeuilleton
19:07 Uhr , Fazit am Abend
23:05 Uhr, Fazit – Kultur vom Tage


Programmtipp Deutschlandfunk:
16:10 Uhr, Büchermarkt
Gespräch mit Elisabeth Ruge, Verlegerin Hanser Verlag, über das neue Buch von Swetlana Alexijewitsch "Seconhand-Zeit"



Mehr bei deutschlandradio.de

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"Tschernobyl fängt erst an für uns"

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

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