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Eingestürzte Textilfabrik: Suche geht weiter

Knapp 300 Tote aus Trümmern in Bangladesch geborgen

Nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch: Eine Frau trauert um ihre getötete Tochter (picture alliance / dpa / Abir Abdullah)
Nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch: Eine Frau trauert um ihre getötete Tochter (picture alliance / dpa / Abir Abdullah)

Zwei Tage nach dem Einsturz eines maroden Fabrik- und Einkaufsgebäudes in Bangladesch suchen Rettungskräfte immer noch nach Hunderten Vermissten. Der Widerstand gegen schlechte Arbeitsbedingungen treibt Tausende Näherinnen auf die Straße.

200 Überlebende seien in den Trümmern geortet worden, bislang sei es aber noch nicht gelungen, sie zu befreien, sagte ein Regierungsvertreter am Vormittag einem örtlichen Fernsehsender. Bisher hätten Hilfkräfte 62 Menschen lebend aus den Schuttmassen geborgen.

Die Zahl der Toten stieg unterdessen auf 291. Das achtstöckige Gebäude in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka war am Mittwoch kurz nach Arbeitsbeginn eingestürzt – rund 1000 Menschen sollen sich zu diesem Zeitpunkt darin aufgehalten haben.

Zuvor waren in den Wänden Risse entdeckt worden. Dennoch setzten die in dem Haus untergebrachten Textilfabriken ihren Betrieb fort. Dort wurde unter anderem Kleidung für den internationalen Markt gefertigt – auch im Auftrag europäischer Bekleidungsfirmen.

Proteste: Fabriken stellen Produktion ein

Das Unglück löste in Bangladesch einen Sturm der Empörung aus. Gestern drangen Tausende Näherinnen in der Hauptstadt Dhaka in Textilfabriken ein, besetzten Straßen und demolierten Autos.

Heute stellten mehrere Fabriken im Dhakaer Großraum ihre Produktion wegen der Proteste ein, nachdem erneut Textilarbeiter eingedrungen waren, sagte Atiqul Islam, der Präsident des Verbandes der Textilproduzenten und -exporteure in Bangladesch. Die Polizei schoss Tränengas und scharfe Munition auf die Demonstranten, als diese zur Unglücksstelle vordringen wollten.

Aufstand der "Sklaven der Armut"

Die Proteste richten sich gegen die Arbeitsbedingungen: zu lange Schichten, fehlender Brandschutz, fehlende Sicherheitskleidung, unsichere Produktionsgebäude. Im November waren bei einem Brand in einer Textilfabrik im Süden Dhakas 110 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben gekommen.

Eine Sprecherin der Frauen-Gewerkschaft Karmojibi Nari bezeichnete die Näherinnen als "Sklaven der Armut". Millionen Frauen in den Textilfabriken würden nicht ihr Leben aufs Spiel setzen, wenn sie andere Jobs annehmen könnten.

Programmtipp: Textilfabrikation in Bangladesch
Hören Sie zu diesem Thema auch die Kommentare in der Wirtschaftspresseschau gegen 13:50 Uhr im Deutschlandfunk.

Hauptexportgut: Textilien, Monatslohn: 30 Euro

Fast 80 Prozent der Ausfuhren aus dem südasiatischen Land sind Textilien, damit ist Bangladesch hinter China die Nummer zwei in der Welt. Zu den Exporteuren gehörte auch die Textilfabrik Ether-Tex, die in dem Gebäude produzierte, das jetzt zusammenstürzte. Vor ein paar Jahren hatte Ether-Tex auch für C&A und Kik herstellen lassen, die heute woanders produzieren.

Dass so viele Modeunternehmen nach Bangladesch gehen, liegt vor allem an den extrem niedrigen Löhnen - derzeit liegt der Mindestlohn bei etwa 30 Euro pro Monat. "Bangladesch ist Einkäufers Liebling", schloss die Unternehmensberatung McKinsey im vergangenen Jahr in einer Studie. Viele der befragten Unternehmen würden die Produktion vor allem aus Kostengründen von China nach Bangladesch verlegen.

Auch Deutsche tragen oft "Made in Bangladesch". Im vergangenen Jahr wurden laut Statistischem Bundesamt mehr als 300 Millionen T-Shirts aus dem Land eingeführt, außerdem Millionen von Jacken, Hemden, Blusen und Unterwäscheteilen.

Weitere Informationen auf dradio.de:
"Clean Clothes" fordert konkrete Abkommen der Textilindustrie

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr

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