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Einigung auf Gauck

Entscheidung bei der Suche nach dem Bundespräsidenten

Die schwarz-gelbe Koalition hat sich mit SPD und Grünen auf Gauck als Kandidat für das Bundespräsidentenamt geeinigt. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Die schwarz-gelbe Koalition hat sich mit SPD und Grünen auf Gauck als Kandidat für das Bundespräsidentenamt geeinigt. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Der Theologe und Ex-Chef der Stasi-Unterlagenbehörde Joachim Gauck soll neuer Bundespräsident werden. Dies kündigte CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagabend in einer Pressekonferenz mit den Parteichefs von CSU, FDP, SPD und Grünen im Beisein Gaucks an.

Bundeskanzlerin Merkel sagte, sie verbinde mit Gauck vor allem die gemeinsame Vergangenheit in der DDR. Für Gauck habe sich der Weg von der Kirche in die Politik von fast alleine ergeben. Ihn zeichne aus, ein "wahrer Demokratielehrer" geworden zu sein.

Joachim Gauck (picture alliance / dpa / Robert Schlesinger)Joachim Gauck (picture alliance / dpa / Robert Schlesinger)Gauck selbst sprach von einem besonderen Tag in seinem Leben. Weiter erklärte er, er fühle sich geehrt und sei von der Zustimmung überwältigt. Zugleich dankte er allen Beteiligten für das ihm entgegengebrachte Vertrauen.

Gauck hatte schon 2010 gegen Christian Wulff kandidiert. Damals gewann Wulff - expliziter Wunschkandidat der Kanzlerin - im dritten Wahlgang.

Der Kandidat für das Schloss Bellevue ist also gefunden. Doch die Kür des Theologen hat das schwarz-gelbe Regierungsbündnis vor eine Belastungsprobe gestellt. Viele in der Union fühlen sich von den Liberalen erpresst - und teilen nun verbal gegen den kleinen Koalitionspartner aus. So hat der CDU-Politiker Bernhard Vogel in einem Interview auf DRadio Kultur die FDP wegen ihres schnellen und eindeutigen Votums für Joachim Gauck als Bundespräsidenten scharf kritisiert. Das Verhalten der Freidemokraten in dieser Sache sei nur "sehr schwer zu verstehen".

Mit der Entscheidung für Gauck ist sich Angela Merkel treu geblieben. Wieder einmal folge sie der Maxime, die einst Kurt Tucholsky der Kirche zugeschrieben hat: Was man nicht verhindern kann, muss man segnen, kommentiert Peter Lange, Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur.

"Stilsicher, viel beschäftigt und vergnügt"

Claudia Roth auf dem Sonderparteitag der Grünen in Berlin. (picture alliance / dpa)Die Grünen-Chefin Claudia Roth (picture alliance / dpa)Die Grünen-Chefin Claudia Roth setzt große Hoffnungen auf Gauck: Als Bundespräsident könne Joachim Gauck der Demokratie Glanz verleihen und sie wieder modern machen, sagt Roth im Gespräch auf DKultur. Das sei in Zeiten von rechtsterroristischer Gewalt sehr wichtig.

Birgit Wentzien stellt Joachim Gauck in einem Porträt vor: Gauck sei "stilsicher, viel beschäftigt und vergnügt". Der schönste Satz in der deutschen Geschichte sei für Gauck: "Wir sind das Volk".

Joachim Gauck sei "unglaublich eitel und selbstbezogen". Das sagt die "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl und zweifelt an Gaucks Eignung für das Amt des Bundespräsidenten: Er habe das Sarrazin-Buch als mutig bezeichnet und die Occupy-Bewegung als "unsäglich albern" diffamiert. Wird Gauck überschätzt? Diskutieren Sie mit zum Thema auf der Facebook-Seite von Deutschlandradio Kultur!

Am Freitag war Wulff mit sofortiger Wirkung vom Bundespräsidentenamt zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte angekündigt, Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Vorteilannahme einzuleiten. Wulff ist der zweite Bundespräsident binnen zwei Jahren, der vorzeitig abdankt. Zuvor war bereits Horst Köhler - ebenfalls ein Wunschkandidat der Kanzlerin - vorzeitig aus dem Amt geschieden.

Kanzlerin Merkel hatte sich noch am Sonntag dezidiert gegen Gauck als Nachfolger ausgesprochen. Spätestens bis zum 18. März muss die Bundesversammlung laut Gesetz nun den designierten Bundespräsidenten wählen. Dank der überparteilichen Einigung dürfte Gauck bereits im ersten Wahlgang gewählt werden. Einzig die Partei Die Linke war von den Verhandlungen über den neuen Bundespräsidenten ausgeschlossen worden.

Im Juli 2010 hat Joachim Gauck in "Tacheles" über seine erste Kandidatur für das Bundespräsidentenamt gesprochen. Er habe ein Übermaß an Unterstützung von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen erhalten, erklärte Gauck damals. In einem "Lesart"-Gespräch berichtet Gauck über das Leben in der DDR und danach, den Drang nach Freiheit und die Differenzen zwischen Demokratie und Diktatur.

ZDF: Joachim Gauck im Porträt


Links bei dradio.de:

Kommentar - Segnen, was man nicht verhindern kann
Wie die Gauck-Kür fast Schwarz-Gelb zerriss - <br> Kandidatenwahl belastet die Koaltion
Bernhard Vogel kritisiert die FDP <br> CDU-Politiker Vogel zur Suche nach dem neuen Bundespräsidenten und dem Votum der FDP für Gauck
Claudia Roth setzt große Hoffnungen auf Joachim Gauck <br> Grünen-Chefin über den Kandidaten für Schloss Bellevue (DKultur)
"Das war pure Verantwortung"
Die Kraft des Erinnerns <br> Leben in der DDR und danach

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

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