Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Einsam am Reck

Geräteturner Samuel Piasecky aus der Slowakei

Von Stefan Heinlein

Zu sozialistischen Zeiten war Turnen in der Tschechoslowakei  eine Vorzeigesportart. (picture alliance / dpa / D.P.P.I.)
Zu sozialistischen Zeiten war Turnen in der Tschechoslowakei eine Vorzeigesportart. (picture alliance / dpa / D.P.P.I.)

Anders als zu sozialistischen Zeiten ist in der Slowakei das Geräteturnen heute eine absolute Randsportart. Dennoch hat sich der Turner Samuel Piasecky mit viel Disziplin und Stehvermögen international nach oben gekämpft. Mit der Qualifikation für London erfüllt sich sein Traum.

Turnstunde am Stadtrand von Bratislava. Die sechs- bis achtjährigen Kinder machen Bocksprünge mit dem Trampolin. Samuel Piasecky wartet geduldig. Breite Schultern - schmale Hüften. Ein Modellathlet. Erst nach den Kindern beginnt sein tägliches Training:

"Mein Vater hat mich damals auch mit sechs Jahren beim Turnen angemeldet. Er dachte das ist eine prima Eishockey-Vorbereitung. Dann hat es mich aber gepackt und ich durfte weiter turnen obwohl es immer Geldprobleme gab."

Samuel hat sieben Geschwister. Das intensive Training und die Reisen zu den Wettkämpfen sind teuer. Geld vom Klub gibt es nicht - doch er hat Glück. Aus seiner Heimatstadt Kosice schicken ihn die Trainer auf ein Sportgymnasium in die Hauptstadt Bratislava.

"Dort waren wir noch eine Gruppe von etwa 20 Turnern. Wir haben gemeinsam trainiert und viel Spaß gehabt. Nach der Schule und der Uni haben dann aber alle aufgehört. Jetzt bin ich ganz allein übrig geblieben."

Einsam quält sich der heute 27-Jährige beim täglichen Training. Nur sein kleines Gehalt vom Armeesportklub ermöglicht ihm das Überleben.

"Das ist sehr traurig. Es gibt keine Sponsoren und kaum staatliche Subventionen. Es ist schwer als Turner mit diesem Taschengeld über die Runden zu kommen."

Zu sozialistischen Zeiten war es anders. In der Tschechoslowakei war Turnen eine Vorzeigesportart, erinnert sich der Sportfunktionär Lubomir Soucek. Doch das damalige Prestige sei längst Vergangenheit. In der Slowakei zähle heute nur noch Eishockey:

"Das ist unglaublich schwer für ihn. Die Trainingsbedingungen sind ziemlich mies. Es braucht viel Talent und Durchhaltevermögen um dennoch ein internationales Top-Niveau zu erreichen."

Bei der Europameisterschaft in Frankreich reicht es in diesem Jahr für Platz fünf am Barren und Platz sieben am Reck. Er schafft die Qualifikation für London.. Als erster Geräteturner seit 20 Jahren wird Samuel Piasecky sein Land bei den Olympischen Sommerspielen vertreten.

"Das war mein Ziel. Ein Traum geht in Erfüllung. Ich will in London alles geben. Ich werde weiter hart trainieren und viele Wettkämpfe machen. Jetzt geht es nur noch um die Olympiade."

Doch nur eine Medaille in London zählt, das weiß auch Samuel Piasecky . Seine drei größten Fans werden ihm aber in jedem Fall treu bleiben. Mal sehen - so lacht Samuel Piasecky zum Schluss - vielleicht sind meine Kinder die neue slowakische Turnergeneration und können dann auch davon leben.


Mehr zum Thema auf dradio.de:
Mein Olympiafavorit für London 2012 - Korrespondenten stellen außergewöhnliche Sportler vor, die Beiträge der Reihe in der DKultur-"Ortszeit"
Portal - Olympische Sommerspiele in London



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 08:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 08:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Treffen in BerlinAfD bricht Gespräch mit Zentralrat der Muslime ab

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry (r) und Armin Paul Hampel, Landesvorsitzender der AfD in Niedersachsen, nehmen gegenüber der Generalsekretärin des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nurhan Soykan (l), und Sadiqu Al-Mousllie zu Beginn des Treffens ihren Platz ein. (dpa / Kay Nietfeld)

Die Aussprache zwischen der rechtspopulistischen AfD und dem Zentralrat der Musime hat nicht lange gedauert. Schon nach kurzer Zeit habe die AfD das Gespräch abgebrochen, teilte der Zentralrats-Vorsitzende Aiman Mazyek in Berlin mit. Die AfD zeigte sich empört.

Autorin Silvia BovenschenSchreiben mit "grimmiger Heiterkeit"

Silvia Bovenschen (2008) (imago / Christian Thiel)

Trotz ihrer schweren Krankheit wurde Silvia Bovenschen eine der führenden Intellektuellen Deutschlands. Britta Bürger besuchte sie in ihrer Berliner Wohnung und sprach mit ihr über Feminismus, Literatur und ihre langjährige gleichgeschlechtliche Beziehung.

PrivatsphäreNiemand ist mehr anonym

Die russische App "FindFace" zeigt gerade, wie einfach wir zu überwachen sind, wenn wir schon mal ein Bild in sozialen Netzwerken hochgeladen haben.

Kassenärztliche BundesvereinigungEs droht die Zwangsverwaltung

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) spricht am 04.07.2014 in Berlin vor dem Bundestag. (picture-alliance / dpa / Soeren Stache)

Misswirtschaft, Korruption, Bereicherung: Nach den Skandalen in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) macht Gesundheitsminister Hermann Gröhe Druck. Sollten die geforderten Beschlüsse zur Rückforderung hoher Zahlungen auf der Vertreterversammlung der KBV nicht gefasst werden, droht die staatliche Zwangsverwaltung.

Sparpaket verabschiedet"Die Griechen akzeptieren das geringere Übel"

Vor dem Parlament in Athen demonstrieren Menschen gegen die Politik ihrer Regierung (picture alliance / dpa / Orestis Panagiotou)

Die Maßnahmen des nun vom griechischen Parlament beschlossenen Gesetzespaket seien zwar gravierend, sagte der Wirtschaftshistoriker Matthias Morys im DLF. Doch die Alternative, ein Ausscheiden aus der Eurozone, wolle im Land auch niemand. Zudem würden die Geldgeber Athen künftig noch weiter entgegenkommen.

BrexitFür ein "britisches Europa"

Flaggen der Europäischen Union und von Großbritannien (imago / Ralph Peters)

Sollte Großbritannien nicht die EU verlassen, wäre es Zeit für die "United States of Europe", allerdings im Sinne Winston Churchills als einem ebenso flexiblen wie schlagkräftigen, demokratisch legitimierten Gebilde aus Nationalstaaten, meint der Journalist Henning Hoff.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Griechenland  Räumung des Flüchtlingslagers Idomeni hat begonnen | mehr

Kulturnachrichten

Bremens Chefdirigent Markus Poschner verabschiedet sich  | mehr

Wissensnachrichten

Spielzeug  Lego wird immer brutaler | mehr