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Einwandererkinder holen bei Bildung auf

Bundesregierung legt 9. Bericht zur "Lage der Ausländerinnen und Ausländer" vor

Von Jürgen König

Seit fast 20 Jahren ist die Arbeitslosigkeit von Migranten in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie die der Nicht-Migranten. (AP)
Seit fast 20 Jahren ist die Arbeitslosigkeit von Migranten in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie die der Nicht-Migranten. (AP)

Einwandererfamilien konnten vom wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre nicht adäquat profitieren. Noch immer sind mehr Ausländer arbeitslos, stärker armutsgefährdet und finden schwerer einen Ausbildungsplatz. Lediglich die Situation der Kinder hat sich verbessert.

Integration sei das zentrale Zukunftsthema für unser Land, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer von der CDU, heute bei der Vorstellung des 9. Berichts zur "Lage der Ausländer" in Deutschland: ein Titel, der gesetzlich fixiert ist, der aber, indem er nur zwischen "Deutschen" und "Ausländern" unterscheidet, der gesellschaftlichen Wirklichkeit längst nicht mehr gerecht wird - was auch Maria Böhmer kritisch anmerkte.

"Die Vielfalt der Bevölkerung in Deutschland nimmt zu; wir haben inzwischen 15,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, und die Hälfte von ihnen hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Jedes dritte Kind unter fünf Jahren stammt aus einer Zuwandererfamilie, und wenn wir in die großen Städte im Westen unseres Landes gehen, aber auch in die mittleren und in die kleineren Städte, dort wo Industrie zuhause ist, dann sehen wir, dass der Anteil der Kinder unter fünf Jahren durchaus über 60 Prozent oder manches Mal auch bei 70 Prozent liegt."

Maria Böhmer räumte "statistische Unsicherheiten" ein, gleichwohl lässt sich sagen, dass die Einwandererfamilien vom wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre nicht adäquat profitieren konnten. Seit fast 20 Jahren ist die Arbeitslosigkeit von Migranten in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie die der Nicht-Migranten - und daran hat sich nach wie vor nichts geändert: Ihrer Arbeitslosenquote von 16,9 Prozent steht eine Quote von 6,2 Prozent bei Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund gegenüber, die Armutsgefährdungsquote von Einwandererfamilien ist mit 13,8 Prozent ebenfalls mehr als doppelt so hoch. Entsprechend besteht bei der Frage der Ausbildung der größte Handlungsbedarf.

"Wir haben die Ausbildungsbeteiligungsquote ausländischer Jugendlicher, und sie hat sich von 31,4 Prozent im Jahr 2009 auf 33,5 Prozent im Jahr 2010 leicht erhöht. Bei deutschen Jugendlichen erheblicher Abstand: dort haben wir 65,4 Prozent. Und das ist der Punkt, der uns massiv umtreibt: Deshalb haben wir beim Nationalen Ausbildungspakt jetzt auch den Schwerpunkt gesetzt, dass verstärkt Jugendliche aus Zuwandererfamilie in Ausbildung kommen, dass die Unternehmen hier auch ein besonderes Augenmerk haben; ich sehe auch die Notwendigkeit, dass wir uns an die Eltern verstärkt wenden, die Wertschätzung einer beruflichen Qualifikation muss in die Familien hinein getragen werden. "

Die gute Nachricht: Der Integrationsbericht bestätigt, was schon der Bildungsbericht von Bund und Ländern in der letzten Woche ergeben hatte. Seit 2005 haben Jugendliche aus Einwandererfamilien "maßgebliche Fortschritte" in Bildungsfragen erzielt. Immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund besuchen eine Kindertagesstätte, ihr Anteil bei den unter Dreijährigen in den Kinderkrippen nahm zwischen 2008 und 2011 um 53 Prozent zu.

Die Zahl von Migranten unter den Hauptschülern hat sich seit 2006 von der Hälfte auf rund ein Drittel reduziert; gut 37 Prozent haben einen mittleren Schulabschluss, fast jeder Zehnte macht Abitur; es sinkt der Anteil von Migranten-Jugendlichen, die nur gering qualifiziert oder ganz ohne Abschluss die Schule verlassen.

Wenn auch die Schulabbrecher-Quote mit 12,8 Prozent immer noch mehr als doppelt so hoch ist wie bei den Nicht-Migranten mit 5,4 Prozent, sagte Frau Böhmer, sei doch zu erkennen, dass der Abstand zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund auf vielen Feldern geringer geworden sei; Einwandererfamilien würden inzwischen für ihren Nachwuchs erkennbar höhere Bildungsabschlüsse anstreben als Familien ohne Migrationshintergrund.

Integration: das zentrale Zukunftsthema für unser Land. Mehrfach betonte Maria Böhmer die Bedeutung einer vorausschauenden Integrationspolitik anstelle einer nachholenden, Ziel müsse es sein, eine Teilhabe aller zu bewirken, mit vollen demokratischen Rechten für alle.

"Teilhabe bedeutet, umfassend am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, und dazu gehört auch das Recht zu wählen und gewählt zu werden."

Große Worte in einem Land, das sich oft genug noch schwer damit tut, sich als "Land der Vielen" zu empfinden. Am Mittwoch wird sich das Bundeskabinett mit dem Bericht befassen.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

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