Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Energiegipfel im Kanzleramt

Oppositionschef Frank-Walter Steinmeier fordert stärkere Einbeziehung des Parlaments

Bundeskanzlerin Merkel zum Auftakt des Energiegipfels (picture alliance / dpa)
Bundeskanzlerin Merkel zum Auftakt des Energiegipfels (picture alliance / dpa)

Bundeskanzlerin Merkel hat die Ministerpräsidenten heute zu einem neuen Energiegipfel empfangen. Windenergie und der Ausbau von Stromtrassen sollen die Atomkraft ablösen. Die Bürger kommt der Wechsel möglicherweise teuer zu stehen. Unterdessen hat die Opposition die Einsetzung eines Sonderausschusses gefordert.

Die angestrebte Energiewende wird nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Brüderle zwischen ein und zwei Milliarden Euro jährlich kosten. Brüderle sagte im Deutschlandfunk, die genauen Zahlen seien aber noch nicht abzusehen. Die "Süddeutsche" dagegen schreibt von bis zu drei Milliarden Euro und beruft sich auf Regierungskreise. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) haben ein Konzept für einen beschleunigten Umstieg auf erneuerbare Energien erarbeitet.

Beck: Gutes muss nicht teuer sein

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) bezweifelt solch hohe Kosten für den Atomausstieg. Angesichts der Aufwendungen für die Endlagerung von Atommüll könnten erneuerbare Energien sogar zur Kostendämpfung beitragen.

Frank-Walter Steinmeier (Thomas Köhler/ photothek.net)Frank-Walter Steinmeier (Thomas Köhler/ photothek.net)SPD-Fraktionschef und Oppositionsführer Frank-Walter Steinmeier (MP3-Audio) wandte sich im Bundestag ungewohnt kämpferisch an die Parlamentarier von Union und FDP, wie Frank Capellan im Deutschlandfunk berichtet. Es sei dreist, dass Union und FDP mit der Laufzeitverlängerung einen bestehenden Konsens in der Gesellschaft aufgekündigt hätten und ein halbes Jahr später eine Ethikkommission gründeten, um diesen Konsens wieder herzustellen. Er verlangte, das Parlament durch die Einsetzung eines Sonderausschusses an der Atomdebatte zu beteiligen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Ministerpräsidenten der Länder heute in Berlin zum Energiegipfel empfangen, um über einen geregelten Ausstieg aus der Atomkraft und Energie-Alternativen zu beraten. Energie-Kosten, Netze und Speicherungsmöglichkeiten werden eine Rolle spielen.

Bis 2020 könne jede zweite Kilowattstunde der erneuerbaren Energien aus Windenergie stammen, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie, im Deutschlandfunk. Und: "Es wird bei weitem nicht so teuer, wie es heute in den Raum gestellt wird."

Vor wenigen Wochen hatte die Bundesregierung angesichts der Atom-Katastrophe in Japan ein Moratorium für die Laufzeitverlängerung älterer Atommeiler in Deutschland beschlossen. Diese AKW sollen einer erweiterten Sicherheitsüberprüfung durch "Stresstests" unterzogen werden. Danach wird entschieden, ob die Kraftwerke weiter operieren dürfen.

Die vier deutschen Atomkraftwerksbetreiber RWE, Eon, Vattenfall und EnBW haben unterdessen ihre Zahlungen in einen Erneuerbare-Energien-Fonds eingestellt. Diese Zahlungen waren Voraussetzung dafür, dass 2010 die schwarz-gelbe Regierung die Laufzeitverlängerung der AKW in Deutschland durchwinkte. Die Einzahlungen sollen in die Förderung regenerativer Energien fließen und belaufen sich auf ein Volumen von knapp 17 Milliarden Euro. Die Bundesregierung will diese Zahlungen je nach Ausgang der Sicherheitsüberprüfung der AKW erneut verhandeln.

Bundestag besiegelt Ausstieg aus dem Steinkohle-Bergbau

Der Bundestag hat unterdessen das endgültige Aus für den deutschen Steinkohle-Bergbau beschlossen. Das Parlament strich die sogenannte Revisionsklausel, wonach der Ausstiegsbeschluss aus dem Jahr 2007 noch einmal hätte überprüft werden können. Damit endet die Subventionierung der Steinkohle und somit auch deren Abbau im Jahr 2018. Die EU hatte ursprünglich bereits für 2014 ein Ende der Milliardensubventionen verlangt. Brüssel lenkte jedoch im vergangenen Jahr ein, nachdem Deutschland die Streichung der Revisionsklausel zugesagt hatte.

Sammelportal "Zukunft der Energie" auf dradio.de
Energieberatungsseite der Verbraucherzentralen

Blick in den für den Brennelementewechsel geöffneten Reaktor-Block Nummer zwei des Kernkraftwerks Philippsburg (picture alliance / dpa)Reaktor-Block Nummer zwei des Kernkraftwerks Philippsburg (picture alliance / dpa)Hintergrund: Über den Atomausstieg und kurzfristige Alternativen
Merkel will Ethikkommission zur Atompolitik einsetzen
Merkel will "Atomausstieg mit Augenmaß"
Bedeutung des Atom-Moratoriums für die Strompreise








Das AKW Biblis in Hessen (picture alliance / dpa)Das AKW Biblis in Hessen (picture alliance / dpa)Geschichte der Atompannen
Atomkraft (dradio.de-Sammelportal)
Sendereihe "Atomkraft - wie bitte?"








Arbeiter im Kontrollraum des Kernkraftwerks Fukushima 1 (picture alliance / dpa)Arbeiter im Kernkraftwerk Fukushima 1 (picture alliance / dpa)Sammelportal "Katastrophen in Japan"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 12:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:07 Uhr Studio 9 - Der Tag mit ...

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Soziale AngststörungenTherapien besser als Medikamente

Eine Frau sitzt vor einem Laptop und schlägt angesichts von Hassbotschaften per Facebook die Hände vors Gesicht. (imago / Reporters)

Für Menschen mit einer sogenannten sozialen Phobie sind Situationen wie das Vortragen von Referaten extrem belastend. Sie kann erhebliche Folgen, wie etwa einen Schul- oder Studienabbruch, nach sich ziehen. Der Psychotherapieforscher Falk Leichsenring rät von einer medikamentösen Behandlung ab.

Neues vom E-ELTStartschuss für das Riesenauge

Eine Animation des European Extremely Large Telescope (E-ELT) (ESO/L. Calçada)

Das geplante Großteleskop der Europäischen Südsternwarte ESO nimmt zunehmend Gestalt an. So wurde vor einigen Wochen in Mainz der Rohling für den Sekundärspiegel mit einem Durchmesser von 4,20 Metern gegossen.

Neuer Trend: Der Öko-ThrillerDie Ökofrage ist im Mainstream angekommen

Angestellte der staatlichen Ölfirma Petroecuador versuchen ein ölverseuchtes Gebiet des Amazonas zu reinigen. (AFP / RODRIGO BUENDIA)

In aktuellen Thrillern zeichnet sich ein Trend ab: Öko-Themen spielen eine immer größere Rolle - immer häufiger geht es um Öko-Verbrecher oder um Mord an Öko-Helden. Eine kleine Genre-Analyse des Krimi-Experten Ulrich Noller - Empfehlungsliste inklusive.

Gamescom"Computerspiele auf allen Ebenen fördern"

Ein Bild aus dem Computerspiel "The Secret of Monkey Island". (picture alliance/ dpa / Lucas Arts)

Wer es ernst meint mit dem "Kulturgut" Computerspiel, dürfe nicht nur die Interessen der Spieleindustrie im Auge haben, meint der Kulturwissenschaftler Christoph Bareither. Sondern Forschung und seriöser Computerspieljournalismus müssten gefördert werden.

Kinder psychisch kranker Eltern Zu viel Verantwortung und große Einsamkeit

Mädchen sitzt in der Schule auf dem Boden (picture alliance / ZB/Britta Pedersen)

Rund 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen mit sucht- oder psychisch kranken Eltern auf. Oft müssen sie zu früh Verantwortung übernehmen und werden an ihrer freien Entwicklung gehindert. Beratungsstellen bieten Hilfe an - nützen aber vor allem unter einer Voraussetzung.

Zweite Chance für EuropaMehr Demokratie, mehr Rechtsstaat, mehr Gewaltenteilung

Zuschauer mit Europa-Flaggen stehen am 15. Mai 2017 in Berlin vor dem Bundeskanzleramt beim Antrittsbesuch des französischen Präsidenten Macron (picture alliance / Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB)

Die ausgestreckte Hand des europafreundlichen, französischen Präsidenten ergreifen: Das fordert der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Nach der Bundestagswahl im September gehe es darum, mit dem Nachbarn im Westen, das Projekt Europa aus der Krise zu führen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Diesel-Affäre  Hendricks: Software-Updates reichen nicht für saubere Luft | mehr

Kulturnachrichten

Facebook kennzeichnet Quelle  | mehr

 

| mehr