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Englischer Fußballverband will Wahl des FIFA-Präsidenten verschieben lassen

Alleiniger Kandidat Blatter immer mehr in der Kritik

Steht in der Kritik: FIFA-Präsident Josef Blatter  (AP)
Steht in der Kritik: FIFA-Präsident Josef Blatter (AP)

Am Mittwoch will sich der umstrittene Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, Joseph Blatter, zum vierten Mal an die Spitze des weltgrößten Sportverbandes wählen lassen. Doch der 75-Jährige steht in der Kritik. Verbände und Sponsoren befürchten einen Imageschaden.

Mangels Gegenkandidat schien es bisher sicher, dass der FIFA-Präsident erneut Joseph "Sepp" Blatter heißen würde. Doch nun plädiert auch der englische Fußballverband für eine Verschiebung der Wahl. Es könnte also noch eng für Blatter werden.

Auch einige der Hauptsponsoren der FIFA (darunter ein Getränkehersteller und eine Fluggesellschaft) werden allmählich unruhig und üben unverholene Kritik am negativen Erscheinungsbild der FIFA. An Blatter prallte die Kritik bisher ab. Bei der Eröffnung des 61. FIFA-Kongresses am Dienstagnachmittag in Zürich sagte er:

"Wir leben in einer gestörten Welt. Es herrschen leider kein Respekt und auch kein Fair Play mehr. Die berühmte FIFA-Pyramide schwankt, sie ist in ihren Grundfesten erschüttert."

Experten bezweifeln längst, dass die FIFA im Stande ist, Ihre Probleme selbstständig zu lösen. Manche Funktionäre des Weltfußballverbands glaubten, der Verband gehöre ihnen und das Geld ebenfalls, sagt Sylvia Schenk von Transparency International. Zu den aktuellen Korruptionsvorwürfen gegen die Ethikkommission der FIFA empfiehlt sie eine Überprüfung von außen:

"Selbst wenn Blatter es schaffen sollte, jetzt am Mittwoch gewählt zu werden - im Moment sieht es ja wohl danach aus -, dann hätte er eine Herkulesaufgabe zu stemmen, er und sein Exekutivkomitee, um dort wieder Ordnung reinzubringen."

Thomas Kistner, Sportjournalist der "Süddeutschen Zeitung", hält sogar eine Suspendierung des FIFA-Chefs durch die verbandseigene Ethikkommission für möglich. Im Deutschlandradio Kultur sagte er:

"Bin Hammam hatte sehr persönliche Ziele, er wollte vor allem die Ära Blatter beenden und gar nicht so sehr selber Präsident werden. Und wenn man sieht, wie die Entwicklungen im Moment sind, dann besteht immer noch die Möglichkeit, dass er sein Ziel erreicht, denn die Präsidentschaft könnte dann irgendeinem Dritten, den wir jetzt noch nicht kennen, zufallen."

Deutschlandfunk-Sportjournalistin Grit Hartmann kritisiert in ihrem Kommentar die Zurückhaltung der Bundesregierung bei dem Thema.

"Kann die Bundespolitik die institutionalisierte Korruption, die im Sport den Namen FIFA trägt, ignorieren? Genau das scheint der Plan. Anders als in Großbritannien, wo Premier David Cameron einen Aufschub der FIFA-Präsidentenwahl bis zur Klärung der Vorwürfe gegen ein Dutzend der 24 Vorständler fordert, schweigt das politische Berlin."

Ein Schwerpunkt von DRadio Wissenbietet weitere Stimmen zum Thema. So kritisiert Roland Büchel, Mitglied im Schweizer Nationalrat Undurchsichtigkeit des Handelns einzelner FIFA-Mitglieder:

"Das Intransparente ist ja vor allem das, was außerhalb der FIFA läuft, wenn sich jemand um die Gunst von gewissen Funktionären bemüht - das ist sehr intransparent."

Gleich mehrere Medien berichteten von einer für heute angekündigten Pressekonferenz in einem Züricher Hotel. Dort wolle ein nicht näher bekannter "Mr. Mystery" neue brisante Informationen bekannt geben.

Astrid Rawohl, Leiterin der Deutschlandfunk-Sportredaktion (Audio-Datei), sagt, es verdichten sich die Hinweise, dass es sich dabei offenbar um eine vorgetäuschte Pressekonferenz gehandelt habe. Das Hotel wisse jedenfalls nichts von einer solchen Veranstaltung.


Weitere Beiträge zum Thema auf dradio.de:

Themenschwerpunkt FIFA-Krise bei DRadio Wissen

Kommentar von Deutschlandfunk-Sportredakteur Moritz Küpper

"Der Weltfußballverband ist ein mafiaähnlicher Verein"

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

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