Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Entsetzen über Massaker in Syrien mit 92 Toten

US-Außenministerin Clinton: Washington wird Druck auf Assad erhöhen

US-Außenministerin Hillary Clinton
US-Außenministerin Hillary Clinton (picture alliance / dpa / EPA / Olivier Hoslet)

Von einer Waffenruhe kann keine Rede sein: Mehr als 90 Menschen sind bei einem Angriff im syrischen Hula ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die internationale Gemeinschaft reagiert entsetzt.

US-Außenministerin Hillary Clinton hat das "Massaker" in Hula scharf verurteilt. Diejenigen, die diese Gräueltat begangen hätten, müssten zur Verantwortung gezogen werden, so Clinton. Gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft werde Washington daran arbeiten, den Druck auf Syriens Staatschef Baschar al-Assad "und seine Kumpanen" zu erhöhen, erklärte Clinton weiter. "Die Herrschaft durch Mord und Angst muss beendet werden."

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan verurteilten das "schreckliche und brutale Verbrechen" scharf. Dieser "wahllose und unverhältnismäßige Einsatz von Gewalt" stelle eine klare Verletzung internationalen Rechts dar, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung Bans und Annans. Sie forderten die syrische Regierung auf, den Einsatz schwerer Waffen in bewohntem Gebiet sofort zu stoppen. Jede Form der Gewalt in Syrien müsse beendet werden.

Westerwelle: Gewalt sofort einstellen

"Es ist schockierend und empörend, dass das syrische Regime seine brutale Gewalt gegen das eigene Volk nicht einstellt", erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle und verlangte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Das Assad-Regime müsse die Gewalt sofort einstellen, den Friedensplan des ehemaligen UN-Generalsekretärs Annan in vollem Umfang umsetzen und vorbehaltlos mit den UN-Beobachtern zusammenarbeiten.

Auch die Europäische Union will die internationale Gemeinschaft zu Schritten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad aufrufen. «Die Internationale Gemeinschaft muss mit einer Stimme sprechen und ein Ende des Blutvergießens fordern», schrieb die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in einer Erklärung. Gemeinsam müsse man den syrischen Präsidenten zum Rücktritt drängen.

Der britische Außenminister William HagueDer britische Außenminister William Hague (picture alliance / dpa / EPA / Nicolas Bouvy)

Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates gefordert

Die britische Regierung setze sich für eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates ein, um eine Antwort auf dieses "entsetzliche" Verbrechen zu koordinieren, erklärte Außenminister William Hague. Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte in Paris, angesichts dieses Grauens müsse sich die internationale Gemeinschaft stärker engagieren. Das Martyrium des syrischen Volkes müsse ein Ende haben.

Der Syrische Nationalrat forderte die Einberufung des UN-Sicherheitsrates, um die Verantwortlichen für das mutmaßliche Massaker festzustellen. Die Freie Syrische Armee (FSA) forderte die UN dazu auf, sich auf ihre Verantwortung zu besinnen und die Gewalt in Syrien zu stoppen. Täten sie dies nicht, fühle sich die FSA nicht mehr weiter an die geltende Waffenruhe gebunden, hieß es in einer Erklärung der Rebellen-Streitkraft.

Syrisches Fernsehen: Täter sind "terroristische Banden"

Truppen des Assad-Regimes hatten die Siedlung Taldo bei Hula beschossen. UN-Beobachter, die sich am Schauplatz in der Provinz Homs umsahen, bestätigten den Tod von 92 Menschen, darunter 32 Kinder.

Während die internationale Gemeinschaft den Angriff verurteilte, weist die syrische Regierung die Verantwortung für das Massaker von sich. Zur Untersuchung der Gräueltaten sei eine Kommission eingesetzt worden, die sich binnen weniger Tage dazu äußern solle, so ein Sprecher des syrischen Außenamts. Das syrische Fernsehen zeigte Aktivisten-Videos von den Opfern und behauptete, die Dorfbewohner seien von "terroristischen Banden" massakriert worden. Diese hätten "Häuser angezündet und beschossen, um den Eindruck zu erwecken, dass syrische Truppen die Region bombardierten", hieß es in einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Sana.

In dem seit März 2011 dauernden Aufstand gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Seit April sind 250 UN-Beobachter als Teil des Annan-Friedensplans nach Syrien geschickt worden. Sie sollen eine Waffenruhe überwachen, die bisher nur auf dem Papier existiert. Der ehemalige UN-Generalsekretär Annan wird nach Angaben der Vereinten Nationen demnächst wieder nach Syrien reisen.

Weiterhin Kämpfe in Syrien

Ungeachtet der internationalen Proteste gehen in Syrien die Kämpfe weiter. Regierungstruppen sollen nach Angaben von Aktivisten mehrere Wohngegenden im Zentrum des Landes unter Beschuss genommen haben. Davon betroffen seien Teile der Stadt Hama und die von Rebellen gehaltene Ortschaft Rastan, teilten die Örtlichen Koordinationskomitees und das Syrische Observatorium für Menschenrechte mit.

Bei einer Bombenexplosion in Damaskus sollen zudem mehrere Menschen ums Leben gekommen sein. Die Bombe habe ein Sicherheitsfahrzeug im gehobenem Stadtteil Masse erfasst, teilten Aktivisten mit. Die Explosion soll sich nahe einem Militärflughafen ereignet haben.

Das Massaker von Hula ist auch Thema in der Presseschau des Deutschlandfunks.

Mehr zum Thema:
Assad lässt Wahlen veranstalten - Opposition in Syrien spricht von Farce
Frankreich fordert mehr Beobachter für Syrien - Syrische Armee beschießt weiter Rebellen-Hochburgen
Opposition wirft Syriens Regierung Verletzung der Waffenruhe vor - UN-Sicherheitsrat berät weiter über Beobachtermission
Fluchtort Jordanien - Ammans Syrien-Politik
Syrien stand am Abgrund - jetzt ist es einen Schritt weiter - Der dünne Hoffnungsfaden einer diplomatischen Lösung ist kaum mehr sichtbar
Syrien - ein Fall für die NATO? - Die Türkei und die Syrienkrise

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Musikforum

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

AusstellungEin Minimalist schaut auf sich selbst

Der Künstler Imi Knoebel 2014 vor seinen Werken "Aliaaa" (l, 2002) und "Ich Nicht X" (2006) in der Ausstellung "Imi Knoebel. Werke 1966-2014" im Kunstmuseum in Wolfsburg.

Der Beuys-Schüler Imi Knoebel gehört zu den wichtigsten Vertretern der Minimal Art in Deutschland. Zum 75. Geburtstag des Künstlers zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg eine umfassende Werkschau, inszeniert von Imi Knoebel selbst.

Jean in HamburgEndlich angekommen

Jean kommt aus Kamerun. Von dort muss er fliehen. Wohin, ist ihm erstmal egal, Hauptsache er findet einen Platz, an dem er angenommen wird. Es beginnt eine lange, beschwerliche Reise. Bis er nach Hamburg kommt.

Homo floresiensis10 Jahre Streit um Hobbits

Peter Brown, einer der Entdecker des Homo floresiensis, fotografiert den Schädel des Fossils.

Das Jahr 2004 markiert in der Paläoanthropologie einen der größten Einschnitte, die es je in dieser Disziplin gegeben hat. Forscher hatten die Knochen einer neuen Menschenart präsentiert, die sie Homo floresiensis nannten. Die Überraschung bestand darin, dass diese Spezies in keine der gängigen Stammbaumtheorien passte.

Nudossi aus RadebeulNugat mit Ostalgie-Geschmack

Der Geschäftsführer der Sächsischen und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG, Karl-Heinz Hartmann, aufgenommen am 04.07.2012 in Radebeul.

Quer durch Deutschland zieht sich auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer eine deutsche-deutsche Nugatgrenze. Im Osten gibt es fast überall eine Nusscreme zu kaufen, die in westlichen Supermärkten nur selten in den Regalen steht. Sie trägt den ostalgischen Namen Nudossi - und wird in Sachsen produziert.

MahlzeitBitter: Aromastoffe in Babykost

Ein kleines Mädchen löffelt ohne Hilfe allein und mit großem Appetit seinen Möhrenbre aus einer Plastikschüsseli.

Der europäische Diätverband wünscht sich eine Zulassung von Aromastoffen für Säuglings- und Kleinkindernahrung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält dagegen.

Cannabis am Steuer Wie breit die Polizei erlaubt

Ab einem Nanogramm THC pro Milliliter Blut ist Schluss - dann kann die Polizei Fahrer aus dem Verkehr ziehen. Das Problem: Es ist gar nicht so einfach, das in Joints umzurechnen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Gipfel:  einigt sich auf langfristige Klimaschutzziele | mehr

Kulturnachrichten

Peter Ruzicka neuer Chef  der Salzburger Osterfestspiele | mehr

Wissensnachrichten

Ello  Anti-Facebook schreibt Werbe-Verzicht fest | mehr