Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Er wird uns allen fehlen"

Reaktionen auf den Tod von Marcel Reich-Ranicki

Marcel Reich-Ranicki (1920 - 2013) (AP)
Marcel Reich-Ranicki (1920 - 2013) (AP)

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Marcel Reich-Ranicki als "leidenschaftlichsten Streiter und entschiedensten Anwalt" der deutschen Literatur. Intellektuelle würdigen seine Verdienste. Trauer auch bei Twitter: In dem sozialen Netzwerk nahm die Meldung vom Tode des 93-Jährigen ihren Lauf.

<p>"Marcel Reich-Ranicki ist <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="262130" text="im Alter von 93 Jahren gestorben" alternative_text="im Alter von 93 Jahren gestorben" />". Der erste, der die Nachricht öffentlich machte, war "FAZ"-Mitherausgeber Frank Schirrmacher. Bei Twitter. "Ausgerechnet Twitter", kommentiert wenig später ein User. Einer von vielen, die genau hier ihre Trauer zum Ausdruck bringen. Bei Twitter und in anderen sozialen Netzwerken. Ihre Trauer um den Verlust eines Mannes, dem das gedruckte Wort so heilig war.<br /><br /><blockquote class="twitter-tweet" data-partner="tweetdeck"><p>Marcel Reich-Ranicki ist im Alter von 93 Jahren gestorben.</p>— frankschirrmacher (@fr_schirrmacher) <a href="https:twitter.com/fr_schirrmacher/statuses/380330844914593794">September 18, 2013</a></blockquote><br /><script async src="https:platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><papaya:media src="27c648645f5bd70da5aac1d9c04b3bd5" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Bundespräsident Joachim Gauck" popup="yes" />Einige erinnern an Sätze, die Reich-Ranicki sagte. Oder an seine medialen Auftritte. "Alle haben ihn geachtet, viele haben ihn geliebt, wir alle werden ihn vermissen", erklärte Bundespräsident Joachiam Gauck in Berlin. "Er, den die Deutschen einst aus ihrer Mitte vertrieben haben und vernichten wollten, besaß die Größe, ihnen nach der Barbarei neue Zugänge zu ihrer Kultur zu eröffnen." Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, erklärte, Reich-Ranicki habe in erheblichem Maße zur Versöhnung und zum gegenseitigem Verständnis zwischen jüdischen und nichtjüdischen Menschen in Deutschland beigetragen.<br /><br />Bundestagspräsident Norbert Lammert schrieb in einem Beileidsbrief an den Sohn des Gestorbenen: "In seiner unnachahmlichen Art kämpfte er für eine qualitätsvolle Literatur und setzte sich für die deutsche Sprache ein." Seine Rede zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2012 im Bundestag bleibe unvergessen. "Wir verlieren in ihm einen unvergleichlichen Freund der Literatur, aber ebenso der Freiheit und der Demokratie", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, Reich-Ranicki sei ein "scharfsichtiger Kritiker", "ein brillanter Literaturvermittler und eine faszinierende wie vielschichtige Persönlichkeit" gewesen.<br /><br /></p><p><strong>"Eine graue Landschaft bunt gemacht"</strong></p><p>Andere blicken zurück auf den Deutschen Fernsehpreis 2008. Hier lehnte der 1920 im polnischen W&#322;oc&#322;awek geborene ehemalige TV-Mann eine Ehrung ab – mit dem Hinweis auf den "Blödsinn, den wir hier heute Abend zu sehen bekommen haben". Die Sympathien und eine große mediale Aufmerksamkeit waren auf seiner Seite. <br /><br />Genau wie Thomas Gottschalk, damals Moderator der Preisverleihung, der auf Reich-Ranickis Medienschelte mit einer Einladung zu einer TV-Talkshow reagierte. "Er hat für Deutschland mehr getan als die meisten Kultur-Politiker. Mit seinen Memoiren hat er uns nichts vergessen, aber vieles vergeben", reagiert der Entertainer auf den Tod Reich-Ranickis. Dieser habe mit seiner "Literaturkritik eine Landschaft, die für viele Menschen grau ist, bunt gemacht".<br /><br /><blockquote class="twitter-tweet" data-partner="tweetdeck"><p>"Und so sehen wir betroffen. Den Vorhang zu und alle Fragen offen." Reich-Ranicki ist tot. Unvergessen seine BT-Rede <a href="https:t.co/T0SJeEbfZy">https:t.co/T0SJeEbfZy</a></p>— Thomas Oppermann (@ThomasOppermann) <a href="https:twitter.com/ThomasOppermann/statuses/380341512401215489">September 18, 2013</a></blockquote><br /><script async src="https:platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p><p><strong>"Polarisieren wie wenige andere"</strong></p><p>Reich-Ranicki wurde dem breiten Publikum auch durch die ZDF-Sendung "Das literarische Quartett" (1988-2001) bekannt. Seinem Motto «Die Deutlichkeit ist die Höflichkeit der Kritiker» sei er immer treugeblieben, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut. "Reich-Ranicki konnte polarisieren wie wenige andere."<br /><br />Der Schriftsteller und Kritiker Hellmuth Karasek, der zum literarischen Quartett gehörte, würdigte seinen gestorbenen Freund als "genial". Reich-Ranicki habe die Sache immer auf einen sehr einfachen Punkt gebracht. "Er konnte sagen: 'Dies ist ein miserables Buch, es ist einfach schlecht geschrieben. Mich interessieren Geschichten von Eskimos nicht - was sollen wir damit?' Da konnte man dann einwenden, so einfach ist das doch nicht. Aber es war letztlich doch so einfach. Das war das Geniale an ihm."<br /><br />SPD-Politiker Oppermann beginnt seinen Tweet am Mittwoch mit dem Zitat Berthold Brechts, mit dem Reich-Ranicki selber immer seine Fernsehsendung "Das literarische Quartett" beendete: "Und so sehen wir betroffen. Den Vorhang zu und alle Fragen offen." <br /><br /><br /><strong><em>Mehr zum Thema auf dradio.de</em></strong><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="262130" text="Marcel Reich-Ranicki ist tot" alternative_text="Marcel Reich-Ranicki ist tot" /> - Literaturkritiker starb heute in Frankfurt am Main<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="262049" text="&quot;Es gab nur Literatur bei diesem Mann&quot;" alternative_text="&quot;Es gab nur Literatur bei diesem Mann&quot;" /> - FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher über Marcel Reich-Ranicki<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="262103" text="&quot;Zu allem eine heftige Meinung&quot;" alternative_text="&quot;Zu allem eine heftige Meinung&quot;" /> - Iris Radisch erinnert</p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:17 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Mitternachtskrimi

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

SPD-BundesparteitagSehnsucht nach dem Neustart

SPD-Kanzlerkandidat Schulz stellt das Steuerkonzept der SPD auf einer Pressekonferenz am 19. Juni in Berlin vor. (AFP / Odd Andersen )

Agenda 2010 korrigieren, Europa stärken, Renten sichern: Auf dem Parteitag am Sonntag legen die Sozialdemokraten ihr Programm für die Bundestagswahl fest. Die Partei hofft auf ihren Aufschwung - verabschiedet aber ein Wahlprogramm, das notfalls auch zusammen mit der Union umgesetzt werden könnte.

Helge Schneiders neue Tour"Zum Glück gibt es Beethoven, Goethe und DJ Bobo"

Helge Schneider in der Berliner Waldbühne.  (imago/Future Image)

Helge Schneider füllt mit seinem Programm aus swingendem Jazz, absurden Anekdoten und Clownerie regelmäßig Deutschlands Hallen. Seine neue Tour "240 Years of Singende Herrentorte" wurde maßgeblich von Ludwig van Beethoven geprägt.

Street ArtWer ist Banksy und wenn ja, wie viele?

Ein Wandbild des britischen Street-Art Künstlers Banksy ist in Bethlehem (Westjordanland) in einem Raum des "The Walled Off Hotel" zu sehen. (dpa-Bildfunk / AP / Dusan Vranic)

Der britische Street-Art-Künstler Banksy ist nicht nur wegen seiner radikalen, subversiven Kunstaktionen eine Legende. Sondern auch, weil die Welt rätselt, wer sich eigentlich hinter dem anonymen Künstler verbirgt. Jetzt sind neue Spekulationen aufgetaucht.

Brexit-Verhandlungen"Hand ausstrecken haben wir ja dauernd gemacht"

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn (AFP/Matthew Mirabelli)

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hat das britische Versprechen begrüßt, EU-Bürger nach dem Brexit nicht auszuweisen. "Alles andere wäre ja eine Kampfansage an die Europäische Union gewesen", sagte Asselborn im Dlf. Die knallharte europhobe Stimmung wie vor der britischen Parlamentswahl sei verflogen.

Muslimische DistanzierungsritualeGuter Moslem, böser Moslem

Männer beten auf einer Kundgebung gegen Islamophobie und Rassismus in Berlin. (imago / Christian Ditsch)

Ein Zeichen gegen den Terror wollten Muslime setzen, sich vom Extremismus distanzieren. Doch im Streit um das richtige Signal offenbaren die Verbände der muslimischen Community vor allem eins: ihre chronische Selbstbeschäftigung, meint Islamwissenschaftler Fabian Köhler.

SNAPCHATSnapMaps soll Instagram abhängen

Snapchat hat mit Instagram-Stories harte Konkurrenz. Jetzt hat Snap Inc. das Startup Zenly gekauft. Einen Kartendienst.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brandgefahr in London  Fünf Hochhäuser evakuiert | mehr

Kulturnachrichten

Ist Robert Del Naja doch Banksy?  | mehr

 

| mehr