Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Erneuter Putsch in Mali versetzt EU in Sorge

Flächenbrand in Westafrika befürchtet

Zum Rücktritt gezwungen: Cheick Modibo Diarra, bis gestern Ministerpräsident Malis (picture alliance / dpa / Jason Szenes)
Zum Rücktritt gezwungen: Cheick Modibo Diarra, bis gestern Ministerpräsident Malis (picture alliance / dpa / Jason Szenes)

Der jüngste Militärstreich in Mali ruft Europas Außenpolitiker auf den Plan. Dass sich islamistische Rebellen das Chaos zunutze machen könnten, befürchten auch die USA.

Vergangene Nacht zwang die Militärjunta in Mali den von ihr eingesetzten Ministerpräsidenten Cheikh Modibo Diarra zum Rücktritt. Diarra sei auf Anweisung von Putschistenführer Amadou Sanogo in seiner Wohnung festgenommen worden, hieß es - wenig legte er sein Amt nieder, das gesamte Kabinett trat zurück. In Malis Hauptstadt Bamako fragen sich viele Menschen, was hinter den Neutigkeiten steckt, berichtet unser Korrespondent Alexander Göbel.

Es ist der zweite Umsturz innerhalb eines Dreivierteljahres. Mali war nach einem von Sanogo angeführten Militärstreich im März immer weiter ins politische Chaos abgedriftet. Im Norden des Landes vertrieben Rebellengruppen, die mit der Terrororganisation Al-Kaida verbunden sind, die regulären Streitkräfte und übernahmen die Kontrolle.

Befreiungsstrategien für den Norden Malis

Der Westen reagiert besorgt auf die jüngsten Entwicklungen in dem Krisenland. Europa und die USA befürchten, dass die Region zu einem neuen Rückzugsraum für Terroristen werden könnte. Die Europäische Union verlangte heute die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung. Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sagte in Brüssel, man werde aufmerksam verfolgen, welche Haltung das Militär einnehme.

Außenminister Guido Westerwelle machte in Berlin deutlich, dass die von Deutschland und der Europäischen Union in Aussicht gestellte Unterstützung zur Befriedung Nordmalis immer unter Vorbehalt eines politischen Prozesses stehe - die Absetzung Diarras gefährde diesen Prozess. Bei den geplanten Hilfen handelt es sich unter anderem um die Entsendung von Militärausbildern für die malische Armee. Sie soll damit in die Lage versetzt werden, den Norden wieder unter Kontrolle der Zentralregierung in Bamako zu bringen.

Frankreich plädierte derweil dafür, dass möglichst schnell eine internationale Eingreiftruppe nach Mali entsandt wird. Die westafrikanischen Nachbarstaaten Malis wollen bis zu 3300 Soldaten bereitstellen, um den Norden des Landes zurückzuerobern. Grundsätzlich hat das der UN-Sicherheitsrat einen Militäreinsatz bereits im Oktober genehmigt. Über die Rahmenbedingungen besteht aber offenbar noch Uneinigkeit zwischen Frankreich und den USA. Paris habe gestern eine entsprechende Resolution bei der UNO eingebracht, hieß es aus Diplomatenkreisen.

Sanogo lehnt internationale Militärintervention ab

Malis mächtiger Mann, Hauptmann Sanogo, lehnt jedoch eine Militärintervention zur Vertreibung der militanten Islamisten ab. Das ist wohl auch der Hintergrund des Konflikts mit Diarra - dieser führte zuletzt am Wochenende in der Hauptstadt Bamako eine Großdemonstration für die internationale Militärintervention an.

Zum Sturz von Ministerpräsident Diarra erklärte ein Militärsprecher, Diarra habe aus Mali fliehen wollen. Seit Tagen schon habe er eine nationale Konferenz zur Lösung der Probleme Malis boykottiert. Bei dem erzwungenen Rücktritt handle sich nicht um einen Putsch, vielmehr habe der Ministerpräsident nicht mehr die Interessen des Landes vertreten. Diarra, ein Astrophysiker, war erst 2011 in die Politik gegangen.


Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:

Islamisten zerstören Weltkulturerbe in Mali
Gräber der Djingareyber-Moschee in Timbuktu eingerissen

Lage in Mali bleibt unübersichtlich
Malis Premierminister tritt nach Festnahme zurück (Interview)

Mali-Kennerin: Militärisches Eingreifen kann nicht einzige Option sein
Anette Lohmann über Chancen und Risiken eines internationalen Einsatzes (Interview)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:10 Uhr Hintergrund

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Bundeswehreinsatz im InnernErst mal sehen, was realistisch ist

Soldaten bergen während einer Übung einen Kameraden, der einen verletzten Soldaten simuliert, und transportieren ihn in ein gepanzertes Transportfahrzeug. (dpa)

Vor der für Februar geplanten Übung von Polizei und Bundeswehr müsse erst über Szenarien nachgedacht werden, die realistisch seien, meint Falk Steiner. Dabei müsse geklärt werden, wie die Bundeswehr tatsächlich helfen könne. 

Historiker Martin Sabrow "Die Bedeutung wächst mit der Zeit"

Das Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel "Wir schaffen das!" steht auf einem wolkenförmigen Schild beim Rosenmontagszug in Köln im Februar 2016. (imago/Chai von der Laage)

"Wir schaffen das": Dieser Satz, vor einem Jahr von Angela Merkel gesprochen, wurde zum geflügelten Wort und hat viele Vorgänger. Er weckt Assoziationen an Obamas "Yes we can" oder Brandts "Mehr Demokratie wagen". Was braucht es zu einem Satz für die Ewigkeit?

Kapitulation der KünsteDer Reiz des Scheiterns

Tocotronic im April 2015 in Hamburg (picture alliance / dpa / Foto: Henrik Josef Boerger)

Der Soziologe Richard Sennett hat Scheitern als ein Tabu der Moderne bezeichnet. Erfolg und Karriere sind heute mehr denn je gefragt. Doch ist das Scheitern nur Misslingen? Oder kann sich aus der scheinbaren Niederlage nicht zugleich etwas ungeahnt Neues entwickeln?

Integrationspolitik"Es ist nicht klar, welche Werte wir vertreten wollen"

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)

Der Islamismus-Experte Ahmad Mansour hat sich für einen Dialog über Werte in unserer Gesellschaft ausgesprochen. Erst dann könne Deutschland Zuwanderern klar machen, "was diese Gesellschaft tolerieren kann und was nicht", sagte der Programmdirektor der European Foundation for Democracy im DLF.

IntegrationVon der Sehnsucht nach Patentante und Butterbrotpapier

Türkisch singen diese deutschen und türkischen Kinder in einer Klasse. (dpa/ picture-alliance/ Rainer Jensen)

Sich integrieren, sich assimilieren innerhalb einer Mehrheitsgesellschaft – dazu ist Sprache besonders wichtig. Aber ist das alles? Die Publizistin Dilek Güngör denkt an ihre Kindheit zurück und beschreibt, was "Anders-Sein" eigentlich ausmacht.

Ein Jahr "Wir schaffen das"Ankommen in Deutschland

Vor einem Jahr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel das Credo ausgegeben: "Wir schaffen das!" Damit das am Ende wirklich funktioniert, packen viele Deutsche ehrenamtlich mit an. Das Wichtigste für die Flüchtlinge: Deutsch lernen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Machtwechsel in Brasilien  Temer ist neuer Präsident | mehr

Kulturnachrichten

Festival Pop-Kultur in Neukölln gestartet  | mehr

Wissensnachrichten

Sachsen  AfD-Politiker wünscht sich Merkels Terrortod | mehr