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Eröffnung der Konferenz "Formate des Politischen“: Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue warnt vor Selbstanmaßung des Journalismus

(© Deutschlandradio)
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Mit einer kritischen Bestandsaufnahme des politischen Journalismus hat Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue die dritte Konferenz "Formate des Politischen" eröffnet.

Dabei warnte er vor der Selbstanmaßung, vierte Gewalt im Staat zu sein: "Die vom Grundgesetz gedeckte Pressefreiheit gibt für die Selbstermächtigung der Medien nichts her." Das gelte auch vor dem Hintergrund der aktuellen politischen und medialen Umbrüche. "In den Krisenzeiten, in denen viele Menschen in allen Richtungen nach Antworten und Lösungen suchen, ist die Versuchung für uns politische Journalisten besonders groß, aus unseren eigentlichen Rollen herauszutreten und vermeintliche Lösungen anzubieten oder zu unterstützen." Journalismus habe kein Mandat, Politik zu gestalten, so Raue. "Wir politischen Journalisten sind kundige Zeitgenossen, Beobachter, Analytiker, wir geben in den besten Fällen unseren Mitbürgern die Argumente und Fakten an die Hand, die sie in der politischen Diskussion nutzen können oder auch nicht. Nicht mehr und nicht weniger."

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, forderte eine stärkere Auseinandersetzung mit den Emotionen, die viele aktuelle Debatten prägen. Moderne Gesellschaften und ihre Diskurse seien zunehmend von Ängsten geprägt: "Doch wie kann man Ängste aufgreifen, ohne sie zu bedienen und zusätzlich zu schüren? Beispielsweise indem gefragt wird, was hinter den Ängsten steckt, woher die Ängste rühren, wodurch sie genährt werden. Kurzum: Welche Bedürfnisse stecken hinter den Ängsten?"

Stephan Detjen, Leiter des Deutschlandradio-Hauptstadtbüros, sprach in seiner Begrüßungsrede vor 400 Gästen im Haus der Bundespressekonferenz über die Gefährdungen, denen Journalismus im In- und Ausland gegenwärtig ausgesetzt ist. Die weltweit herausragende publizistische Vielfalt und Qualität von Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern und Onlinemedien gehöre zum kulturellen Kapital der Bundesrepublik: "Es wäre zu spät, wenn wir seinen Wert erst dann zu ermessen lernten, wenn es zerstört und verspielt ist." Auch die Bundespressekonferenz gehöre zu diesem Kapital. Mit einem an der Sache orientierten Diskurs, dem Nachfragen als Voraussetzung des Verstehens und auch dem hartnäckigen Insistieren auf sachliche Auskunft sei "das Prinzip Bundespressekonferenz der publizistische Gegenpol zum Prinzip von Fake News."

Die Konferenz "Formate des Politischen" thematisiert am 9. und 10. November im Haus der Bundespressekonferenz politischen Journalismus in Krisenzeiten. Deutsche-Welle-Chefredakteurin Ines Pohl, Didi Kirsten Tatlow, ehemalige Peking-Korrespondentin der New York Times, Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle, Deutschlandradio-Programmdirektor Andreas-Peter Weber, Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien, Tom Wheeler, ehemaliger Präsident der Federal Communications Commission (FCC), und zahlreiche weitere Referenten aus dem In- und Ausland gestalten das Programm mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops. Veranstalter sind der Deutschlandfunk, die Bundeszentrale für politische Bildung und die Bundespressekonferenz.

Das aktuelle Konferenzprogramm und den Livestream finden Sie unter:
deutschlandfunk.de/formate17 
Twitter: #formate17

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