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Eröffnung der Ostsee-Pipeline Nord-Stream in Lubmin

Russisches Gas für Europa

Von Robert Baag

Projekt von großer politischer Bedeutung (AP)
Projekt von großer politischer Bedeutung (AP)

Sichere Lieferungen von russischem Gas soll die Nord-Stream garantieren. Heute wird die Erdgaspipeline, deren erster Strang fertig ist, feierlich eröffnet. Das Projekt, das aus der Nähe von St. Petersburg bis nach Lubmin in Vorpommern führt, ist nicht unumstritten.

Dass es sich um ein Projekt von großer politischer Bedeutung handelt, macht allein schon die Anreise von Russlands Staatspräsident Dmitri Medwedew sowie die gleichzeitige Anwesenheit der deutschen Bundeskanzlerin in Lubmin deutlich. Auch bei der Einleitung des ersten Gases in die Nordstream-Pipeline vor einigen Wochen, Anfang September, im russischen Wyborg an der Ostsee, hatte sich bereits Prominenz eingefunden. Russlands Premierminister Wladimir Putin drückte symbolisch auf den Startknopf, um gleich darauf vom früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder herzlich umarmt zu werden. Der amtiert seit längerem als Vorsitzender des Nordstream-Aktionärsausschusses. Schröder - voll des Lobes:

"Diese Gas-Pipeline wird Europas Energieversorgung deutlich sicherer machen. Soviel ist klar. Und man kann das nicht genug sagen. Und diese Gas-Pipeline leistet einen zentralen Beitrag, damit Europa einen direkten Zugang zu den gewaltigen russischen Energie-Ressourcen, etwa denen in Sibirien, erhält."

Dies ist das positive Bild, das auch der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft gerne vermittelt: Die Inbetriebnahme von Nordstream sei nichts weniger als ein "Meilenstein für die deutsch-russischen Beziehungen und die europäische Zusammenarbeit", heißt es in einer bereits gestern veröffentlichten Pressemitteilung des Ostausschuss-Vorsitzenden Eckhard Cordes. Mit sanfter Stimme hatte - noch in Wyborg - Wladimir Putin hervorgehoben:

"Uns wird es nun möglich sein, unseren Energie-Rohstoff auf direktem Weg in die europäischen Länder zu transportieren. Und das zeugt auch vom Vertrauen in Gazprom und in Russland."

Unumstritten ist die über sieben Milliarden Euro teure und circa 1200 Kilometer lange Röhre durch die Ostsee allerdings nicht, an der Gazprom, der russische staatliche Energieriese, 51 Prozent der Anteile hält. Das Projekt, das jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas durchleiten soll, hat handfeste politische Motive zur Grundlage. Stichwort: "Gaskrieg", Stichwort: Transitländer "Weißrussland, vor allem aber "Ukraine". Gazprom-Chef Alexej Miller, noch bei der Einweihung der Pumpstation in Wyborg:

"Mit unseren deutschen Freunden arbeiten wir inzwischen auf dem Energie-Transport-Sektor. Dort haben wir gemeinsame Unternehmen, die uns zu 50 Prozent gehören. Und: Wir verfügen über Gas-Hauptleitungen auf deutschem Territorium. So etwas haben wir in der Ukraine nicht. - Und so haben wir den Eindruck, als ob sich unsere ukrainischen Partner in einen Zug gesetzt haben, der sich für sie 'Billiges russisches Gas' nennt. Allerdings wissen sie wohl nicht, an welcher Haltestation sie aussteigen sollten."

"Vor unseren Augen formiert sich ein anti-russischer Bund von Transit-Ländern", äußert im russischsprachigen Sender RTVi Sergej Markov ebenso unmissverständlichen Klartext. Markov ist Politologe und zugleich Duma-Abgeordneter der sogenannten 'Putin-Partei' 'Geeintes Russland'.

"Diese ganze hysterische Jagd nach verschiedenen weiteren Pipelines ist eigentlich ein überflüssiges Verlustgeschäft, aber Russland ist gezwungen das zu machen", " poltert Markov, " "denn sonst würden wir in eine sehr große Abhängigkeit von den Transitländern geraten und der jeweiligen politischen Situation dort."

"Abhängigkeit" auf dem Energiesektor - aber von Russland. Dies fürchten angesichts der zunehmenden entsprechenden Exporte aus dem Riesenland in Richtung Westen schon seit geraumer Zeit Skeptiker in Deutschland und Europa. Kritische, auch mal ironische bis offen verärgerte Reaktionen folgen auffällig regelmäßig aus Moskau, wenn sich die EU ihrerseits nach anderen Energielieferanten umsieht als nach Russland.

Bestes Beispiel: Das Nabucco-Projekt. Noch spöttelt Wladimir Putin darüber und süffisante Anmerkungen sind auch von Gerhard Schröder verbürgt, weil die EU sich mit den potenziellen Lieferanten aus Zentralasien immer noch nicht einig ist. Aber dieses übrigens von Ex-Außenminister Joschka Fischer als Berater geförderte Konkurrenzprojekt zur geplanten russischen Southstream-Pipeline durch das Schwarze Meer - ebenfalls unter Umgehung der Ukraine - wird in Moskau sehr genau und argwöhnisch beobachtet. Aller demonstrativen Häme zum Trotz.

Links bei dradio.de:

"Naturschutz bei Ostsee-Pipeline ist Erfolg der Umweltverbände" <br> Leiter WWF-Ostseebüro: Auch Russland muss sich an hohe Standards halten (DKultur)

"Nord-Stream" versus "Nabucco" <br> Der russisch-europäische Gasstreit geht in die nächste Runde (DLF)

Russisches Gas für Europa <br> Unternehmenskonsortium Nord Stream AG betreibt die Ostseepipeline

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

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