Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Erst gelobt, dann in Frage gestellt

Debatte um Bau eines Jüdischen Museums in Köln

Das Historische Rathaus von Köln mit der  "Mikwe" auf dem Vorplatz (Stadt Köln)
Das Historische Rathaus von Köln mit der "Mikwe" auf dem Vorplatz (Stadt Köln)

Schon vor Wochen hat eine Jury den Sieger eines Architektenwettbewerbs für den Bau eines Jüdischen Museums in Köln gekürt. Oberbürgermeister Fritz Schramma begrüßte zunächst den Entwurf, kritisiert nun aber, der Platz am Rathaus werde verbaut. Jetzt werden alle Entwürfe des Wettbewerbs ausgestellt.

Die Architekten sollten dabei der historischen Situation des Ortes gerecht werden: Auf dem Platz am Rathaus befindet sich eine sogenannte Archäologische Zone, in der Reste einer mittelalterlichen jüdischen Siedlung sowie der antiken römischen Kolonie zu sehen sind. An dem Ort war im neunten Jahrhundert eine Synagoge errichtet worden, von der heute noch die Mikwe, das jüdische Ritualbad, existiert. Diese kann durch eine Glaspyramide betrachtet werden.

Im prämierten Entwurf des Architekturbüros Wandel Hoefer Lorch und Hirsch aus Saarbrücken, das auch schon für das jüdische Kulturzentrum in München sowie für die Synagoge in Dresden verantwortlich zeichnete, sollen diese historischen Komplexe der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und zugleich geschützt werden. Architekt Wolfgang Lorch sagte im Deutschlandradio Kultur: "Unser Entwurf, die Grundidee des Museums legt sich wie eine Art Schutzbau über die römischen und mittelalterlichen Ausgrabungen, macht sie dadurch auch begehbar." (Text/ MP3-Audio)

Oberbürgermeister rudert zurück

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) war zunächst begeistert von dem Entwurf und lobte die "sehr gelungene Lösung". Elf Tage später kritisierte er jedoch, der geplante Bau störe die Sichtachse zwischen Rathaus und Wallraf-Richartz-Museum.

Auch Kölns Dombaumeisterin hält das geplante jüdische Museum auf dem Rathausplatz der Stadt für "etwas monumental". Diesen Eindruck erweckten zumindest Fotos des Architektenentwurfs, sagte Barbara Schock-Werner der Katholischen Nachrichten-Agentur. Generell sei die Idee aber toll, genau an diesem historischen Platz ein solches Museum zu errichten.

Trotz der nahezu einstimmigen Entscheidung der Fachjury (22 zu 1) will Schramma jetzt die Bevölkerung in die Entscheidung über den Bau mit einbinden. Die Kölner Journalistin Ingrid Strobl sagte im Deutschlandradio Kultur, es sei sonderbar, dass ausgerechnet bei diesem jüdischen Thema plötzlich die Meinung der Bevölkerung gefragt ist, während zum Beispiel beim Neubau des Wallraf-Richartz-Museums dies nicht der Fall war. (MP3-Audio)

Korn kritisiert Schrammas "Eiertanz"

Der Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, der auch im Beirat zur Neugestaltung des Rathausplatzes saß, glaubt, dass hinter Schrammas Zurückrudern Interessen Dritter stehen könnten: "Ich denke, sein Eiertanz kommt zustande, weil sachfremde Interessen in die Angelegenheit reingekommen sind. Es wird ja auch gemunkelt, dass das Wallraf-Richartz-Museum nicht zufrieden sei mit dem Entwurf, weil es verstellt würde. Aber nun wird gerade die unattraktivste Seite dieses eigentlich sehr schönen Museums (…) verstellt".

Auch der Forderung, das Museum an einem anderen Ort zu bauen, erteilte Korn eine Absage. "Es gibt nur einen authentischen Ort", betonte Korn. Es sei befremdlich, dass jetzt über Voraussetzungen diskutiert werde, "die eigentlich Gegenstand der Ausschreibung waren". Man könne darüber nur den Kopf schütteln, dass nun die Vorgaben an die Architekten in Frage gestellt würden. (Text/MP3-Audio)

Finanzierung unklar

Der Bau des Museums soll allein durch einen Trägerverein finanziert werden. Dieser räumte am 3. Juli ein, noch keine Mittel für den Bau gesammelt zu haben. Bislang sei nur Geld für die Gestaltung der archäologischen Zone vorhanden, hieß es. Man habe nicht damit gerechnet, dass der Entwurf bereits den Museumsbau beinhalte und sei quasi auf dem falschen Fuß erwischt worden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:30 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:07 Uhr Konzertmomente

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Kriegsreporter Kurt Pelda"Ein Tag in Syrien kostet mich fast 1.000 Euro"

Zerstörte Straße im Norden von Aleppo. (pa/dpa/Alaeddin)

Der Schweizer Kriegsreporter Kurt Pelda hat die Medien zu einer besseren Berichterstattung über den Krieg in Syrien aufgerufen. Die Medien hätten die Pflicht, über die größte humanitäre Katastrophe der letzten Jahrzehnte zu berichten, sagte er im DLF. Freie Journalisten könnten sich den Aufenthalt in Syrien angesichts der Kosten kaum noch leisten.

Daniel Fuhrhop: "Willkommensstadt"Flüchtlinge in unsere Häuser

Zimmer für Flüchtlinge in Hamburg-Harvestehude (Foto: Axel Schröder)

Für Flüchtlinge müssen keine neuen Wohnungen gebaut werden, schreibt der Architektur-Verleger und Blogger Daniel Fuhrhop. Neubauten würden die Integration sogar erschweren. In "Willkommensstadt" beschreibt er, wie es besser geht.

Psychologie & ErnährungDie Chemie des Glücks

Schokolade soll uns glücklich machen. Stimmt das tatsächlich? Und wenn ja: Warum? Ein Teil der Moleküle, die dafür verantwortlich sind, dass wir Glück empfinden und dass Nahrungsmittel unsere Stimmung beeinflussen, gibt es schon seit Milliarden Jahren.

1 Jahr "Wir schaffen das"Die Jahrhundertaufgabe Integration

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich bei einer Pressekonferenz in Berlin zum Putschversuch in der Türkei. (AFP / John Macdougall)

Vor einem Jahr sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre berühmt gewordenen Worte "Wir schaffen das". Angesichts der Lage der Flüchtlinge sei die Grenzöffnung gerade noch rechtzeitig gekommen, meint DLF-Chefredakteurin Birgit Wentzien.

Burkini-VerbotEs ist nur ein Stück Stoff

Eine Frau schwimmt im Burkini in einem Schwimmbecken. (dpa/ picture-alliance/ Subel Bhandari)

Kleidungsstücke wie Kopftuch, Burka oder Burkini geben Frauen die Möglichkeit, sich in einer für sie fremden Gesellschaft frei zu bewegen und sich zu entwickeln, meint Deutschlandradio Kultur-Wortchefin Marie Sagenschneider. Deshalb sollten wir sie dulden.

Jugoslawien-TribunalDer Schmerz bleibt trotzdem

Als Richter am internationalen Strafgerichtshof sollte Albin Eser für Gerechtigkeit sorgen. Seine Aufgabe: Die Kriegsverbrechen aus den Bosnienkriegen ahnden. Um Frieden und Versöhnung zu schaffen,braucht es aber mehr. Eine Geschichte über das Jugoslawien-Tribunal in Den Haag.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Angriff auf Polizeiposten am Flughafen von Diyarbakir | mehr

Kulturnachrichten

Großbrand zerstört Kulissen der Prager Filmstudios  | mehr

Wissensnachrichten

Urheberrecht  Streit um Affen-Selfie geht in zweite Runde | mehr