Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Erste Bohrung fürs neue Stadtschloss

Baubeginn am künftigen Humboldtforum in Berlin

Von Anja Nehls

Hier soll das Schloss neu entstehen: Baustelle in Berlin-Mitte, im Hintergrund der Dom (dpa / picture alliance / Sebastian Kahnert)
Hier soll das Schloss neu entstehen: Baustelle in Berlin-Mitte, im Hintergrund der Dom (dpa / picture alliance / Sebastian Kahnert)

Einen ersten Spatenstich gab es hier nicht, stattdessen wurde der große rote Knopf gedrückt. Direkt an der riesigen Brachfläche, wo jetzt noch ein paar Steinreste des alten Berliner Stadtschlosses liegen und wo das neue Humboldtforum bis 2019 entstehen soll.

Gleich fünf Männer gleichzeitig haben den roten Knopf gedrückt, darunter Bundesbauminister Peter Ramsauer:

"Was könnte einen deutschen Bauminister mehr erfreuen als endlich nicht nur symbolisch, sondern mit einer echten, realen, physischen Bohrung mit diesem großen Gerät das derzeit größte kulturelle Bauprojekt des Bundes zu beginnen."

Ein riesengroßes gelbes Drehbohrgerät hat sich mit dem Knopfdruck ratternd in Gang gesetzt, das jetzt die 20 bis 25 Meter tiefen Bohrungen für die Gründungspfähle aus Stahlsbeton vorbereitet. Das ist Anfang des 18. Jahrhunderts wenige Meter von hier schon einmal schief gegangen, als der damalige Schlossbaumeister Andreas Schlüter den Münzturm bauen sollte, der dann in Schieflage geraten und eingestürzt ist. Deshalb ist Edgar Schömig von der Firma Züblin, die hier einen großen Teil der Tiefbauarbeiten übernimmt, ein bisschen aufgeregt:

"Es sind einfach unterschiedliche Bodenschichten. Normalerweise hat man ja in Berlin eine sehr gute Gründungssituation durch die eiszeitlich vorbelasteten Sande, aber an manchen Stellen hat man Einlagerungen, die einfach nicht diese Tragfähigkeit haben. Also, es sind eben keine Holzpfähle, die wir einsetzen zur Gründung, sondern es wird mit einem Bohrgerät letztendlich ein großes Bohrloch in den Boden hergestellt und das wird mit Beton ausbetoniert und mit Stahlstäben noch verstärkt."

An anderer Stelle müssen demnächst noch alte Holzpfähle herausgezogen werden und 2013 soll der Grundstein gelegt werden. Dann beginnt der eigentliche Wiederaufbau. Für Architekt Franco Stella ist das heute vor allem ein glücklicher Tag:

"Man ist doch sehr froh in diesem Moment. Es ist eine so große Freude und eine große Ehre und eine große Verantwortung."

Drei Seiten werden dann so aussehen wie das alte historische Berliner Stadtschloss, eine Seite wird modern. Das Ganze war höchst umstritten. Im Innern nutzt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz das Schloss dann für seine außereuropäischen Sammlungen. Die Humboldt-Universität zeigt ihre wissenschaftlichen Sammlungen und die Zentral- und Landesbibliothek zieht mit ein. Der Name Humboldtforum ist für Manfred Rettig, den Geschäftsführer der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum, deshalb passend wie kein anderer:

"Das geht auf die Gebrüder Humboldt zurück. Die Gebrüder Humboldt waren ja die Männer der Aufklärung, die als erster das Thema "Dialog der Kulturen und Gleichklang der Kulturen, Ablehnung von Sklaverei" in den Vordergrund gebracht haben. Sprachen übersetzt haben. Es gibt also keinen besseren Namensgeber als die Humboldts."

Ein Haus für kulturelle Veranstaltungen stand an dieser Stelle auch zu DDR-Zeiten, der Palast der Republik, auch Sitz der DDR-Volkskammer, der hier in den 70er-Jahren errichtet wurde, nachdem die Reste des alten, im Krieg beschädigten Stadtschlosses 1950 abgerissen wurden. Der Palast der Republik wurde schließlich auch abgerissen. Ab 2006, nachdem auch heftig darüber diskutiert wurde. Gunther Kämmerer, der jetzt Spenden für den Wiederaufbau des Stadtschlosses sammelt, kennt den Palast der Republik noch aus DDR-Zeiten:

"Der Palast war hochmodern, innovativ, aber diese Innovation hat sich überlebt und sie ist technisch und ökologisch und ökonomisch dann auch nicht mehr adäquat gewesen."

Und darüber hinaus Asbest-verseucht. Für den Bau des Humboldtforums stehen 590 Millionen Euro zur Verfügung, davon zahlt der Bund den größten Anteil, das Land Berlin gut 30 Millionen und 80 Millionen sollen aus Spenden finanziert werden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:05 Uhr Kommentar

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:07 Uhr Aus der jüdischen Welt mit "Shabbat"

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Proteste in Heidenau"Die Versammlungsfreiheit ist in Sachsen massiv bedroht"

Bild vom Willkommensfest für Flüchtlinge in Heidenau. (Deutschlandradio / Nadine Lindner)

Um das Versammlungsverbot im sächsischen Heidenau gibt es eine juristische Auseinandersetzung. Der Verfassungsrechtler Clemens Arzt übt scharfe Kritik an den Behörden in Sachsen: Die schienen es mit dem Grundgesetz nicht so genau zu nehmen.

Rhetorik in der Flüchtlingsdebatte"Gegenseitiges Diffamieren ist nicht der Weg"

Die Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh in einer Talkshow. (Imago / Müller-Stauffenberg)

Die Schriftstellerin Juli Zeh hat einen sachlichen Ton in der Flüchtlingsdebatte angemahnt. Beschimpfungen wie "Pack" oder "Dunkeldeutschland" würden nur weitere Aggressionen schüren, sagte sie im DLF. Krawallmacher müsse man strafrechtlich verfolgen, sie aber nicht öffentlich diffamieren.

Erlebnisse mit der PolizeiIch hab doch gar nichts angestellt

Fahrzeuge der Polizei und Feuerwehr mit Blaulicht während eines Einsatzes in Magdeburg. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Wer unschuldig ist, hat nichts zu befürchten. Eigentlich. Außer man gerät doch in Verdacht. Und dann findet man sich eingekesselt in einer Demonstration wieder. Oder im Verhör beim Geheimdienst. Und hofft, dass sich am Ende alles als das herausstellt, was es eigentlich ist: ein großes Missverständnis.

Flüchtlinge"Die Mehrheit der Menschen wird bleiben"

Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl, spricht am 21.05.2014 bei einer Pressekonferenz in Berlin zum Thema "Flüchtlinge aus Syrien - woran scheitert eine schnelle Aufnahme?" (picture-alliance / dpa / Christoph Schmidt)

Die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge müssten schneller anerkannt werden, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt im DLF. Die Mehrheit der Menschen werde ohnehin hier bleiben: "Es gibt gute Gründe, sie aufzunehmen und sie zu schützen."

Die Musikszene von New OrleansZehn Jahre nach Katrina

Eine Jazzkapelle zieht abends durch die Strassen im historischen Viertel French Quarter von New Orleans (picture alliance / dpa / Reinhard Kaufhold)

An den Folgen des Hurrikans Katrina vor zehn Jahren hatte vor allem auch das kulturelle Leben und die so lebhafte Musikszene der Stadt New Orleans zu leiden. Wie steht es um Rhythm and Blues, Gospel und den Jazz der Stadt heute? Ein Besuch.

GroßbritannienStreit über Fracking wird schärfer

Drei Teilnehmer einer Demonstration gegen das Fracking am 23. Juni 2015 in Preston in England. (Imago / ZUMA Press)

Die britische Regierung macht Druck in Sachen Fracking und hat neue Lizenzen für Probebohrungen in England vergeben. Die betroffenen Gemeinden haben vier Monate Zeit, darüber zu entscheiden. Viel zu wenig, meinen Kritiker. 

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Österreich  Vier Festnahmen nach Flüchtlingsdrama, 71 Tote | mehr

Kulturnachrichten

"Hamburger Abendblatt" setzt Flüchtlinge als Reporter ein  | mehr

Wissensnachrichten

Lernen  Vier-Tage-Woche bringt bessere Noten | mehr