Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Erste Funktionäre auf Distanz zu Gaddafi

Lage in Libyen eskaliert weiter

Soll sich nach Angaben eines libyschen Diplomaten auf der Flucht befinden: Libyens Machthaber Muamar al Gaddafi (AP)
Soll sich nach Angaben eines libyschen Diplomaten auf der Flucht befinden: Libyens Machthaber Muamar al Gaddafi (AP)

Mehrere Regierungsgebäude sollen mittlerweile in Brand stehen, in Bengasi und auch der Hauptstadt Tripolis eskaliert die Gewalt. Ausländische Firmen ziehen ihre Mitarbeiter aus dem nordafrikanischen Land ab.

Aus Protest gegen den Tod von Regimegegnern reichten mehrere libysche Funktionäre ihren Rücktritt ein, darunter offenbar auch Justizminister Dschalil sowie der Vertreter Libyens bei der Arabischen Liga, al-Honi.

Mehreren Medien berichteten, dass ein zentrales Regierungsgebäude in der libyschen Hauptstadt Tripolis in Flammen stand. Dieses wird vom Parlament für Sitzungen genutzt.

Mehrere arabische Medien berichteten zuvor von heftigen Kämpfen im Zentrum in der Hauptstadt. Es habe erneut Todesopfer gegeben. Zudem hätten sich Einheiten der Armee auf Seiten der Demonstranten geschlagen. Auch Spezialkräfte der Polizei in Bengasi, der zweitgrößten Stadt des Landes, sollen die Seiten gewechselt haben, nachdem bekannt wurde, dass Gaddafi angeblich Söldner aus anderen Staaten Afrikas einsetzt, die Jagd auf libysche Demonstranten machten.

"Wir sind nicht Tunesien oder Ägypten"

Die Führung Libyens kündigte an, die Aufstände entschlossen zu bekämpfen. Gaddafi-Sohn Saif al-Islam warnte vor in einer Videobotschaft an das Volk vor einem Bürgerkrieg, kündigte aber auch Reformen an.

Saif al-Islam, Sohn des lybischen Machthabers Muamar al Gaddafi, spricht in einer Videobotschaft an das Volk (AP)Saif al-Islam, Sohn des lybischen Machthabers Muamar al Gaddafi, spricht in einer Videobotschaft an das Volk (AP)Er behauptete, die Aufstände seien von ausländischen Firmen, Islamisten und Handelsorganisationen angezettelt. Diese hätten arabische und afrikanische Ausländer angeworben, um die Revolte anzustacheln. Wenn die Proteste weitergingen, bestünde die Gefahr, dass Libyen wieder unter eine Kolonialherrschaft geraten könnte.

Angaben zu den Todeszahlen seien Übertreibungen ausländischer Medien, sagte Saif al-Islam Gaddafi. 84 Personen seien gestorben. Er bedauere ihren Tod. Nach internationalen Angaben sind weit mehr Menschen bei den Auseinandersetzungen umgekommen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch geht von 233 Toten aus.

Der Gadaffi-Sohn bekräftigte, dass sich das Regime mit aller Macht gegen Aufstände verteidigen werde. Die Armee stünde loyal hinter der Führung des Landes.

Von einer Demokratiebewegung könne man bei den Protesten in Libyen nicht sprechen, sagt die GEO-Autorin Gabriele Riedle. Die Reformangebote des Gaddafi-Sohnes Saif al-Islam seien in der Vergangenheit immer Wirtschaftsreformen oder Bildungsreformen gewesen, um das Land zu modernisieren. An der autoritären Ausrichtung des Regimes würde dies aber nichts ändern.

Brüssel plant Evakuierung von EU-Bürgern

Innerhalb der Europäischen Union denkt man über einen Notfallplan für EU-Staatsbürger nach. Es gebe eine Koordinierung bei der Frage, ob EU-Bürger in Sicherheit gebracht werden sollten, sagte die spanische Außenministerin Trinidad Jiménez.

Das Auswärtige Amt warnte vor Reisen in den Osten Libyens und empfahl ausdrücklich Bengasi zu meiden. Den Deutschen, die sich noch im Land aufhalten, wird die Ausreise empfohlen.

Neben mehreren Staaten bereiten sich auch internationale Firmen auf Evakuierungen vor. Der britische Ölkonzern BP reduziert vermutlich in den kommenden Tagen seine Belegschaft. Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV zieht ebenfalls Personal ab. Auch der norwegische Ölkonzern Statoil und der japanische Öl- und Gas-Konzern JX Nippon Oil & Gas Exploration haben am Montag damit begonnen, ausländische Beschäftigte außer Landes zu bringen.

Ölpreise steigen

Die Unruhen in Libyen haben den Ölpreis in die Höhe getrieben. Die Preis für die Nordseesorte Brent kletterte auf über 105 Dollar pro Barrel und erreichte damit den höchsten Stand seit September 2008.

Der Sprecher eines der größten Stämme Libyens drohte Gadaffi am Sonntagabend, sollten die blutigen Auseinandersetzungen nicht binnen 24 Stunden beendet werden, wolle sein Stamm die Erdölzufuhr stoppen.

Nach Nigeria, Algerien und Angola ist Libyen der viertgrößte Ölproduzent in Afrika. Der Großteil des libyschen Öls fließt nach Europa.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Klassik-Pop-et cetera

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Endlich Samstag

Aus unseren drei Programmen

Hassmails und MorddrohungenLokalpolitiker im Fadenkreuz

Facebook-Symbole und darüber steht Hass gesprüht. (Imago / Ralph Peters)

Übergriffe auf Kommunalpolitiker nehmen zu. Meist haben die Attacken einen rechtsradikalen Hintergrund, stehen in Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik. Die alarmierende Zahl des Bundesinnenministeriums: Mehr als 800 Übergriffe auf Mandatsträger gab es allein seit Beginn dieses Jahres.

Heiner Geißler über CDU/CSU-Vorstoß"Dieser Aufruf liegt völlig daneben"

Der langjährige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler (picture-alliance / dpa / Peter Steffen)

Die CSU und Sachsens CDU haben einen "Aufruf zu einer Leit- und Rahmenkultur" verfasst. Damit wollen sie reagieren auf "gesellschaftlicher Unruhe". Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler kritisiert Aussagen dieses Papiers: Es fordere, Gesinnungen statt Werte hochzuhalten.

Regierungsbericht zum Stand der Einheit"Mehrheit der Ostdeutschen ist nicht fremdenfeindlich"

Rund eine Million Menschen feierten in der Nacht zum 3.10.1990 in Berlin - wie hier vor dem Reichstagsgebäude - die wiedergewonnene deutsche Einheit. (Wolfgang Kumm, dpa picture-alliance)

Im Regierungsbericht zum Stand der deutschen Einheit ist von einer Zunahme der rechtsextremen Überfälle die Rede. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, betonte, dass die Mehrheit der Ostdeutschen nicht ausländerfeindlich sei. Doch das sei leider "eine zum Teil schweigende Mehrheit."

Deutsche BankAmerika will sich offenbar "der letzten deutschen Bank entledigen"

Der Ökonom Max Otte (dpa / picture-alliance / Erwin Elsner)

Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist erstmals in der Unternehmensgeschichte unter zehn Euro gerutscht. Der Finanzwissenschaftler Max Otte sagte im Deutschlandfunk, die Probleme der Bank seien zum Teil ein Ergebnis von internationalem Druck, vor allem aus den USA. Die Vereinigten Staaten übten "Erpressungsmacht" aus.

ESA-SONDE ROSETTAEin Weltraumabenteuer in drei Akten

Zwölf Jahre war Raumsonde Rosetta für uns im All. Endlich erreicht sie nach sieben Milliarden Kilometern den Kometen Tschuri - und wird ihre Arbeit für immer beenden. Aber bis zum letzten Moment, soll sie uns mit Bildern und Informationen versorgen.

Bestsellerautor Bernhard Schlink"Ich schreibe sogar gerne Einkaufszettel"

Bernhard Schlink am 16. Juni 2016 bei einer Lesung in Barcelona (dpa / picture alliance / Marta Perez)

Mit "Der Vorleser" wurde Bernhard Schlink vor über 20 Jahren auf einen Schlag berühmt. Der Bestsellerautor spricht mit uns über seine Liebe zum Schreiben und seine Zeit als Student während der 68er-Bewegung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Wiedervereinigung  Thierse und Schorlemmer sehen noch Defizite | mehr

Kulturnachrichten

Literaturnobelpreis-Bekanntgabe erst am 13. Oktober  | mehr

Wissensnachrichten

Raumsonde  Rosettas letztes Bild | mehr