Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Erste Politiker fordern Abschaffung von E10-Benzin

Der Kraftstoff mit Bioethanol wird nicht angenommen

E10-Zapfpistole an einer Tankstelle (picture alliance / dpa)
E10-Zapfpistole an einer Tankstelle (picture alliance / dpa)

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat wegen des neuen Biosprits E10 für kommende Woche einen "Benzin-Gipfel" einberufen. Hintergrund ist die geringe Nachfrage - schon wird über die Abschaffung nachgedacht.

Der Vorsitzende der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Markus Ferber, forderte, E10 wieder abzuschaffen. Die "Bild"-Zeitung zitiert Ferber mit den Worten: "Dieser klimapolitische Unsinn hilft der Umwelt nicht und bestraft den Bürger. E10 wieder abzuschaffen wäre die effektivste Klimapolitik für Mensch, Fahrzeug und Umwelt."

Bundesregierung, Industrie und Wirtschaftsverbände haben sich auf Dienstag als Termin für eine Neubewertung der E10-Problematik geeinigt. Unterdessen fordert Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), Listen mit Autos, die E10 tanken dürfen, an Tankstellen auszulegen.
Die Informationszentrale für die europäische Automobilwirtschaft DAT bietet eine ständig aktualisierte Broschüre zur E10-Verträglichkeit der Autos an.

Nach Angaben des Verbandes der Mineralölwirtschaft wird die Produktion von E10 wegen der geringen Nachfrage gedrosselt. Viele Autofahrer meiden den neuen Sprit, weil sie nicht wissen, ob ihr Fahrzeug die mit zehn Prozent Ethanol angereicherte Mischung verträgt. Stattdessen tanken sie das teurere Super Plus.

Für Umweltverbände wie den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland ist die Einführung von E10 ein fragwürdiges Anliegen. BUND-Verkehrsexperte Werner Reh spricht gar von einer Mogelpackung: "Das Problem ist, dass E10 die Inanspruchnahme neuer Flächen bedeutet, dass zum Beispiel Grünlandumbruch gemacht werden muss und dass dabei CO2 Emissionen entstehen, die die Klimabilanz von E10 zunichte machen."

In seinem Kommentar kritisiert Theo Geers (DLF) "eine Verkehrspolitik, die vorgibt nachhaltig zu sein, die aber nicht nachhaltig ist. Dass sie es nicht ist, dass die Dinge nicht zusammen passen, zeigt das Debakel um den vermeintlichen Biosprit E10."

Winfried Hermann (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestages, kritisiert die schlechte Informationspolitik der Bundesregierung. Er findet auch, dass es eher einer Gesamtstrategie für den Klimaschutz bedürfe, anstatt "da mal ein bisschen Elektromobilität, dort mal ein bisschen E10" zu machen.

Eingeführt wurde E10 nach Vorgaben durch die "EU-Richtlinie 2003/30/EG (pdf-download) des Europäischen Parlaments und des Rates zur 'Förderung der Verwendung von Biokraftstoffen oder anderen erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehrssektor'" sowie der deutschen Bundesregierung - Ziel ist es, die Abhängigkeit von Öl zu reduzieren.

Darf ich nun E10 tanken - oder nicht?

Hans-Ulrich Sander vom TÜV Rheinland erklärte in "Umwelt und Verbraucher" vor wenigen Tagen den neuen Biokraftstoff E10 und seine Eignung - oder Nichteignung - für Autos jeglichen Alters: "Es hängt davon ab, welche Materialien beim Bau des Autos beziehungsweise mit dem Kraftstoff in Verbindung stehenden Teilen verwendet worden sind, weil E10 aggressiver ist oder das Bioethanol an sich ein aggressiver Stoff ist, der dann bestimmte Kraftstoff führende Teile angreift."

Mit anderen Worten: Nicht das Alter des Autos ist entscheidend, sondern allein, welche Materialien beim Bau verwendet wurden. Fragen und Antworten zu E10 - Fachredakteur Theo Geers erklärt den Biokraftstoff

DLF und DKultur berichten in ihren Sendungen laufend über die weitere Entwicklung bei E10:
Umwelt und Verbraucher (Sendungsportal)
Ortszeit (Audioliste)
Informationen am Mittag (Audioliste)
Informationen am Abend (Audioliste)
Das war der Tag (Audioliste)

Zudem halten Sie auch die Kollegen der Nachrichten auf dem Laufenden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Kultur heute

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Tacheles

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

SprachforschungWhatsApp als Tagebuch der Postadoleszenz

Zwei Männer und ein Smartphone  (imago/Westend61)

Erst Party machen, dann prahlen. Der Sprachwissenschaftler Nils Uwe Bahlo hat sich die Kommunikation von jungen Männern genauer angeschaut und herausgefunden: Die letzte Partynacht wird im WhatsApp-Chat reflektiert.

SPD-Sonderparteitag"Es geht um die Frage der Existenz der Sozialdemokratie"

Rote Fahne der SPD im Wind auf dem Dach der Parteizentrale Willy-Brandt-Haus in Berlin. (imago / IPON)

"Es gibt Notwendigkeiten, sich zu erneuern als SPD, in der Regierung oder in der Opposition", so der SPD-Politiker Alexander Schweizer im Dlf. Es sei das "zentrale politische Projekt" der nächsten Jahre, dass die Sozialdemokratie attraktiver werde und ihre Glaubwürdigkeit wieder erreiche.

Die Irrationalität in der Ökonomie"Wir haben ein sexualisiertes, ein gläubiges Verhältnis zum Geld"

Auge mit Euo-Zeichen (imago/blickwinkel)

"Potente" Unternehmen "befriedigen" ihre Gläubiger – allein die Sprache mache deutlich, welche Rolle Sexualität und Religion in unserem Verhältnis zum Geld spielen, sagt der Philologe Jochen Hörisch. Auch die Wirtschaftswissenschaft sei höchst irrational.

GroKo – ja oder nein? Martin Schulz hat die SPD ins Abseits geführt

SPD-Bundesvorsitzender Martin Schulz (picture alliance/dpa/Foto: Michael Kappeler)

SPD-Chef Martin Schulz warnt die Genossen vor den Folgen eines Neins zur Großen Koalition. Doch der Riss innerhalb der SPD will nicht kleiner werden. Auch die Umfragewerte sinken. Alles keine guten Aussichten, meint Moritz Küpper.

Erfahrungen in den NiederlandenRekordverdächtig lange ohne Regierung

Der Schriftzug "Alles komt goed" (deutsch: Alles wird gut) ist vor dem niederländischen Parlamentsgebäude in Den Haag zu sehen.  (picture-alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

In Deutschland ist es die längste Regierungsbildung der Geschichte. Im europäischen Ausland dagegen kennt man sich damit schon besser aus. Rekordhalter ist Belgien, aber auch die Niederlande haben ihre Erfahrungen in dem Bereich gesammelt – zuletzt sieben Monate lang.

Tagebücher verfolgter JudenSo tragisch, so literarisch wie bei Anne Frank

Ein Foto von Anne Frank, entstanden um das Jahr 1941. Anne Frank war damals ungefähr 11 Jahre alt. (picture-alliance / dpa / Anne Frank Fonds Basel)

Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den bekanntesten Zeugnissen verfolgter Juden im Nationalsozialismus. Doch neben ihr schrieben Hunderte anderer junger Juden über ihre Erlebnisse.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Regierungsbildung  Nahles warnt Sondierungskritiker in SPD vor Folgen eines Nein | mehr

Kulturnachrichten

Facebook: Nutzer entscheiden über Medienqualität | mehr

 

| mehr