Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Erster Schuldspruch gegen Pol-Pot-Gefolge

Kambodscha arbeitet die Schreckensherrschaft der Roten Khmer auf

Gedenken an die Opfer der Roten Khmer (AP)
Gedenken an die Opfer der Roten Khmer (AP)

Fast zwei Millionen Menschen verloren unter dem Terror-Regime der Roten Khmer von 1975 bis 1979 ihr Leben. Lange Zeit war dieser Teil der Geschichte ein Tabuthema in Kambodscha. Erst 2007 nahm ein internationales Völkermord-Tribunal in Phnom Penh die Arbeit auf und sprach nun das erste Urteil: Der ehemalige Leiter des berüchtigten Foltergefängnisses "Tuol Sleng" wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Kaing Guek Eav alias Duch war Ende der 1970er-Jahre Leiter des Folter-Gefängnisses "Tuol Sleng" in Phnom Penh. Auch wenn dem heute 67-Jährigen im Prozess keine persönlichen Gewalttaten nachgewiesen werden konnten, wurden ihm systematische Folter und Mord zur Last gelegt. Den Verbrechen in "Tuol Sleng" fielen knapp 12.000 Menschen zum Opfer. So verurteilte das Tribunal "Duch" zu 35 Jahren Haft, von denen jedoch fünf Jahre ausgesetzt wurden. Denn Kaing Guek Eav wurde fünf Jahre lang unrechtmäßig vom Militär in Kambodscha festgehalten.

"Der erste Schritt auch zu Versöhnung"

Den aufsehenerregenden Prozess, das Urteil und die gesellschaftlichen Reaktionen kommentiert Moritz Kleine-Brockhoff im Deutschlandfunk-Interview.

Dabei betont er die Wichtigkeit des Tribunals für die Kambodschaner:
"Wir sprechen hier über eine sogenannte Post-Conflict-Society, das heißt eine Gesellschaft, in der Gewalt auch noch weit verbreitet ist, weil die Vergangenheit schlecht aufgearbeitet ist."

Und er erklärt, dass die folgenden Prozess gegen vier weitere Mitglieder des Pol-Pot-Regimes weitaus schwieriger werden, da diese keinerlei Schuld anerkennen würden.

Dass weitere Prozesse unbedingt erforderlich sind, unterstreicht auch 'Spiegel'-Korrespondent Erich Follath im Deutschlandradio Kultur-Interview. "Kambodschas Nürnberger Prozess" habe eine reinigende Wirkung auf die Gesellschaft.

Das Ende der Recht- und Straflosigkeit

Der "Hintergrund" beleuchtete schon 2007, wie für die Mitglieder des Pol-Pot-Regimes mit dem Tribunal die Zeit der Recht- und Straflosigkeit zu Ende ging.

Kombodschaner kämpfen noch immer mit den psychologischen Folgen

Die Cheung Ek Gedenkstätte in der Nähe von Phnom Penh (AP)Die Cheung Ek Gedenkstätte in der Nähe von Phnom Penh - das bekannteste der sogenannten Killing Fields. (AP)Wie stark die Schreckensherrschaft noch 30 Jahre später auf die kambodschanische Gesellschaft wirkt, haben Psychologen aus Deutschland und den USA 2009 untersucht. Schätzungsweise ein Fünftel der Bevölkerung starb, Millionen weitere wurden Opfer von Zwangsarbeit, die sie zu einem Sklavendasein zwang - noch heute spiegelt sich die Terror-Herrschaft im psychischen Gesundheitszustand der Kambodschaner wider.

Die Hoffnung auf Aufklärung und Gerechtigkeit für die Opfer herrschte in der Bevölkerung zum Prozessauftakt 2009 vor. Diese wurde mehr als 30 Jahre unterdrückt, weil weder die kambodschanische Regierung noch die USA und China an einer Aufarbeitung interessiert waren, wie der Journalist Robert Luchs analysiert: "Kambodschaner wollen Gerechtigkeit".

Medien in Kambodscha: Voll unter Kontrolle

Einen Blick auf die gegenwärtige politische Situation, insbesondere die der Medien, wirft Vera Linß: Fast alle Medien sind mit der Regierungspartei verbunden.

Wie ein Land von Geistern

Pol Pot, der frühere Führer der Roten Khmer, wird beschuldigt für den Tod meherer Millionen Kamboschaner verantwortlich zu sein (hier am 4.1.1998) (AP Archiv)Pol Pot, der 1998 verstorbene frühere Führer der Roten Khmer. (AP Archiv)Die Sendung "Andruck" stellt zwei Bücher zum kambodschanischen Terrorregime Pol Pots vor.

Über die Entwicklung der internationalen Strafgerichtsbarkeit spricht Benjamin Ferencz, ehemaliger Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen, im Deutschlandradio Kultur. In Nürnberg sei die Grundlage gelegt worden. Diese käme nun nach und nach in Gang.


Weitere Informationen:
Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia (engl.)
Weblog: Cambodia Tribunal Monitor (engl.)
Amnesty Report 2010: Kambodscha

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Kammermusik

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Reich werdenDie erste Million ist die schwerste!

US-Dollar-Scheine (picture alliance / dpa / Xie Zhengyi)

Geld regiert die Welt - im Fall von Donald Trumps Kabinett mit mehreren Milliardären und Multimillionären scheint das buchstäblich zuzutreffen. Doch wie wird man eigentlich reich und sind wir auf dem Weg zu einer globalen Oligarchie?

Manchester-Attentat"Die Zerstörung der Popkultur ist ein Mittel zum Zweck"

Notfallhelfer helfen Verletzten nach dem Attentat auf die Manchester Arena am 22. Mai 2017 (imago stock&people/Zumba Press)

Dass sich der Selbstmordattentäter in Manchester ausgerechnet auf dem Konzert der Sängerin Ariana Grande in die Luft sprengte, sei eher zufällig, sagte der Islamexperte Bamdad Esmaili im DLF. Die Terroristen wollten möglichst viele junge Leute treffen. 

Musik und SpiritualitätDas ästhetische Grauen des Sakropop

Schwester Teresa bei den Proben zu ihrem Musical "Bergpredigt". (picture alliance / dpa / Stefan Kiefer)

Neben Diskussionsrunden und Messen wird es auf dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag viele Konzerte christlicher Bands geben. Doch deren Musik ist nicht nur ästhetisch fragwürdig, ihr fehlt auch jegliche Spiritualität, findet Wiglaf Droste.

Attac-Aktivist Christian Felber"Wir sind nicht gezwungen, uns egoistisch zu verhalten"

Politikwissenschaftler, Buchautor, Publizist und Mitbegründer der Attac Christian Felber, aufgenommen bei der Eröffnung der oberösterreichischen Kulturvermerke 2015 im Stadttheater in Gmunden (imago/Rudolf Gigler)

Die Spielregeln unserer Wirtschaft belohnen Kapitalismus, Maßlosigkeit und Gier, kritisiert der Attac-Aktivist und Autor Christian Felber. Er hat Vorschläge für eine Umverteilung von Reichtum und Macht: Alle wirtschaftliche Tätigkeit sollte auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden.

Haftanstalt Silivri in der Türkei"Wie ein Konzentrationslager des 21. Jahrhunderts"

70 Kilometer außerhalb von Istanbul liegt Gefängnis und Gericht von Silivri. (imago/Le Pictorium)

Die Haftanstalt in der türkischen Stadt Silivri kann bis zu 13.000 Gefangene aufnehmen. Can Dündar, Ex-Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet", war dort und beschreibt das Gefängnis als Internierungslager für Erdogan-Gegner, Oppositionelle sprechen von einem Konzentrationslager. "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel sitzt immer noch dort ein.

36. Evangelischer KirchentagChristentreffen der Superlative

Vorbereitungen zum Kirchentag: ein Kreuz auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor in Berlin (epd-bild/JensxSchlueter)

100.000 erwartete Dauergäste, 2.500 Veranstaltungen und Ex-US-Präsident Barack Obama als Ehrengast: Der 36. Evangelische Kirchentag in Berlin, Wittenberg und neun weiteren deutschen Städten hat im Reformationsjahr einiges zu bieten. Mit 23 Millionen Euro ist er aber auch der bisher teuerste. Das sorgt für Kritik - nicht nur bei Atheisten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Islam  Schäuble sieht Chance durch muslimische Zuwanderung | mehr

Kulturnachrichten

Art Berlin zeigt auch Kunst des 20. Jahrhunderts  | mehr

 

| mehr