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"Es ist eine Farce. Die reine Paranoia"

Kritik an US-Einreiseverbot für Ilija Trojanow

Der Schriftsteller Ilija Trojanow (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Der Schriftsteller Ilija Trojanow (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Er gehört zu den lautesten Mahnern im NSA-Skandal - wurde er dafür nun abgestraft? Tatsache ist, dass die USA dem deutschen Schriftsteller Ilija Trojanow die Einreise zu einem Germanistentreffen verweigerten. Künstlerkollegen sind entsetzt und Juli Zeh findet deutliche Worte.

Warum er nun nicht, wie eigentlich geplant, das Treffen amerikanischer Germanisten besuchen darf, weiß Trojanow auch am Tag nach seiner Ablehnung nicht. In der brasilianischen Stadt Salvador wollte der Deutsche mit bulgarischen Wurzeln seinen Flieger nach Miami nehmen, um von dort weiter nach Denver zu reisen. Doch schon dort fanden seine Reisepläne ein jähes Ende: Sein Pass wurde zunächst eingezogen, nach 45 Minuten erfährt er, die Einreise in die USA kann nicht stattfinden.

Gründe für die Entscheidung seien ihm nicht genannt worden, sagt Trojanow im Deutschlandfunk. Selber könne er nur spekulieren, aber eigentlich wolle er das gar nicht. "Denn genau darum geht es ja: dass wir überhaupt keinen Einblick haben in die Arbeitsweise und in die Entscheidungsfindung dieser Behörden."

Und schon ist der Schriftsteller wieder bei dem Thema angelangt, das ihn schon so lange umtreibt: der Arbeit der Geheimdienste und deren Folgen für die Bürger.

Initiator einer Petition

Trojanow engagiert sich seit Jahren politisch gegen die Sicherheitsgesetzgebung in den USA und Europa. Er gehört zu den Initiatoren einer Petition, die eine Reaktion der deutschen Regierung auf die NSA-Affäre fordert. Diese wurde inzwischen von mehr als 70.000 Menschen unterzeichnet und Mitte September demonstrativ im Bundeskanzleramt in Berlin übergeben.

Im Jahr 2009 veröffentlichte der 48-Jährige gemeinsam mit der Schriftstellerin Juli Zeh das Buch "Angriff auf die Freiheit - Sicherheit, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte".

PEN-Appell an Bundesregierung

Die Schriftstellerin Juli Zeh liest in Dresden aus ihrem neuen Roman "Schilf". (AP)Die Schriftstellerin Juli Zeh (AP)Die Meldung von der Einreiseverweigerung gegen ihren Protestpartner kommentiert Zeh entsprechend auf ihrer Facebook-Seite so: "Formulieren wir es mal positiv: Unser aller Engagement zeigt Wirkung. Es wird zur Kenntnis genommen. Formulieren wir es negativ: Es ist eine Farce. Die reine Paranoia. Menschen, die sich für Bürgerrechte stark machen, werden als Staatsfeinde behandelt."

Von einem "eklatanten Fall von Rechtsbruch" spricht im Deutschlandradio Kultur Michael Krüger. Trojanows Verleger fühlt sich gar an die Zeit des Kalten Krieges erinnert: "Wenn jemand gegen die Maßnahme einer Regierung opponiert und dafür dann das Land nicht betreten darf, klingt das nach einem Fall von McCarthyismus."

Der Präsident der Schriftstellervereinigung PEN, Josef Haslinger, sowie die anderen Unterzeichner der Petition fordern die Bundesregierung auf, den Fall umgehend aufzuklären.

Trojanow aber will sich nicht unterkriegen lassen und einen neuen Versuch starten, in die USA einzureisen. "Ich werde ein Visum beantragen", sagte er nach seiner Rückkehr nach Deutschland.

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Letzte Änderung: 12.10.2013 23:11 Uhr

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