Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ethnische Unruhen in Birma wieder ausgebrochen

Erneut Zehntausende Muslime auf der Flucht

Aus Pauktaw wurden Einwohnern zufolge rund 1000 Rohingya vertrieben, ihre Häuser wurden niedergebrannt (picture alliance / dpa / Nyein Chan Naing)
Aus Pauktaw wurden Einwohnern zufolge rund 1000 Rohingya vertrieben, ihre Häuser wurden niedergebrannt (picture alliance / dpa / Nyein Chan Naing)

Die muslimische Volksgruppe der Rohingya in Birma gehört laut UN zu einer der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt. Seit diesem Wochenende sind wieder Zehntausende von ihnen auf der Flucht. Sie versuchen, den ethnischen Unruhen im Westen des buddhistischen Landes zu entkommen.

Die jüngsten ethnischen Unruhen im Westen Birmas haben die Flüchtlingskatastrophe in der Region drastisch verschärft. Die Gewalt habe in den vergangenen Tagen mehr als 26.000 Menschen zur Flucht veranlasst, sagte der Vertreter der Vereinten Nationen in dem Land, Ashok Nigam. Bei den meisten handele es sich Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya. Sie strömten zu völlig überfüllten Lagern.

Nach Angaben aus Regierungskreisen wurden zuletzt mehr als 60 Menschen bei den Kämpfen im Bundesstaat Rakhine getötet, etwa 130 weitere seien verletzt worden. Mehr als 4500 Häuser wurden zerstört. Rakhines Regierungssprecher Win Myaing erklärte, die meisten Todesopfer hätten Stichwunden erlitten. Die Armee habe in die Menge schießen müssen, nachdem Warnschüsse nichts genützt hätten. Inzwischen hätten die Behörden die Lage in der Region aber unter Kontrolle. Sicherheitskräfte seien im Einsatz, und es sei wieder ruhig, so Win Myaing. Ein Behördenvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, berichtete dagegen von neuen Kämpfen in der Region Pauktaw.

"Sie haben nichts übrig gelassen"

Die eintreffende Flüchtlinge berichteten von schrecklichen Szenen: "Die Buddhisten haben uns mit Messern angegriffen. Sie haben unsere Häuser in Brand gesteckt und nichts übrig gelassen. Ich habe nur die Sachen, die ich jetzt trage – nicht einmal mehr Schuhe sind mir geblieben", klagt eine alte Frau, die in einer Notunterkunft Zuflucht sucht, im Bericht unseres Korrespondenten Udo Schmidt.

Eine Einwohnerin der Ortschaft Pauktaw berichtete, Buddhisten hätten vergangene Woche rund 1000 Rohingya vertrieben und ihre Häuser niedergebrannt. Menschenrechtler dokumentierten anhand von Satellitenbildern, dass in der Küstenstadt Kyauk Pyu mehr als 800 Häuser und Hausboote zerstört worden seien.

Bangladesch verweigert Aufnahme von Flüchtlingen

Das Nachbarland Bangladesch machte unterdessen seine Grenze für Flüchtlinge dicht. "Wir werden keine Ausländer ins Land lassen", sagte ein Sprecher des Grenzbezirks Cox's Bazar. Mehrere Boote mit Rohingya-Flüchtlingen wurden laut Medienberichten bereits abgewiesen.

Unmittelbarer Auslöser der Unruhen waren offenbar Proteste der Rohingya, die seit der ersten Gewaltwelle im Juni in Slums leben. Damals wurden 75.000 Menschen durch Zusammenstöße in Rakhine in die Flucht getrieben. Insgesamt kamen seit dem amtlichen Angaben zufolge mehr als 150 Menschen ums Leben, die tatsächliche Zahl dürfte aber höher liegen.

Tausende Buddhisten gehen im September 2012 gegen muslimische Volksgruppe auf die Straße (picture alliance / dpa / Man Thar Lay)Tausende Buddhisten gingen im September gegen die Rohingya auf die Straße (picture alliance / dpa / Man Thar Lay)

Rohingya gelten als staatenlos

Die Bevölkerung in Birma ist zu 89 Prozent buddhistisch. Rund vier Prozent der Bevölkerung sind muslimischen Glaubens und gehören den Rohingya an. Sie sind in ihren Rechten erheblich eingeschränkt und gelten als staatenlos. Birma betrachtet sie als illegale Einwanderer aus Bangladesch; aber auch Bangladesch erkennt sie nicht an. Die UN sieht in ihnen eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Welt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte die birmanische Regierung auf, die Rohingya vor "bösartigen Angriffen" zu schützen. Auch Amnesty International verlangte von der birmanischen Regierung, den Kreislauf von Diskriminierung und Gewalt zu durchbrechen,

Mehr auf dradio.de

Schwarzer Rauch über Birmas Westen- Eine Lösung der ethnischen und religiösen Konflikte in Birma-Myanmar ist fern
Birma und sein neues Gesicht- Echte Demokratisierung oder Schaufensterpolitik nach 50 Jahren Militärherrschaft?

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:50 Uhr Interview

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 06:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Hassmails und MorddrohungenLokalpolitiker im Fadenkreuz

Facebook-Symbole und darüber steht Hass gesprüht. (Imago / Ralph Peters)

Übergriffe auf Kommunalpolitiker nehmen zu. Meist haben die Attacken einen rechtsradikalen Hintergrund, stehen in Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik. Die alarmierende Zahl des Bundesinnenministeriums: Mehr als 800 Übergriffe auf Mandatsträger gab es allein seit Beginn dieses Jahres.

Heiner Geißler über CDU/CSU-Vorstoß"Dieser Aufruf liegt völlig daneben"

Der langjährige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler (picture-alliance / dpa / Peter Steffen)

Die CSU und Sachsens CDU haben einen "Aufruf zu einer Leit- und Rahmenkultur" verfasst. Damit wollen sie reagieren auf "gesellschaftlicher Unruhe". Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler kritisiert Aussagen dieses Papiers: Es fordere, Gesinnungen statt Werte hochzuhalten.

Regierungsbericht zum Stand der Einheit"Mehrheit der Ostdeutschen ist nicht fremdenfeindlich"

Rund eine Million Menschen feierten in der Nacht zum 3.10.1990 in Berlin - wie hier vor dem Reichstagsgebäude - die wiedergewonnene deutsche Einheit. (Wolfgang Kumm, dpa picture-alliance)

Im Regierungsbericht zum Stand der deutschen Einheit ist von einer Zunahme der rechtsextremen Überfälle die Rede. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, betonte, dass die Mehrheit der Ostdeutschen nicht ausländerfeindlich sei. Doch das sei leider "eine zum Teil schweigende Mehrheit."

Deutsche BankAmerika will sich offenbar "der letzten deutschen Bank entledigen"

Der Ökonom Max Otte (dpa / picture-alliance / Erwin Elsner)

Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist erstmals in der Unternehmensgeschichte unter zehn Euro gerutscht. Der Finanzwissenschaftler Max Otte sagte im Deutschlandfunk, die Probleme der Bank seien zum Teil ein Ergebnis von internationalem Druck, vor allem aus den USA. Die Vereinigten Staaten übten "Erpressungsmacht" aus.

ESA-SONDE ROSETTAEin Weltraumabenteuer in drei Akten

Zwölf Jahre war Raumsonde Rosetta für uns im All. Endlich erreicht sie nach sieben Milliarden Kilometern den Kometen Tschuri - und wird ihre Arbeit für immer beenden. Aber bis zum letzten Moment, soll sie uns mit Bildern und Informationen versorgen.

Bestsellerautor Bernhard Schlink"Ich schreibe sogar gerne Einkaufszettel"

Bernhard Schlink am 16. Juni 2016 bei einer Lesung in Barcelona (dpa / picture alliance / Marta Perez)

Mit "Der Vorleser" wurde Bernhard Schlink vor über 20 Jahren auf einen Schlag berühmt. Der Bestsellerautor spricht mit uns über seine Liebe zum Schreiben und seine Zeit als Student während der 68er-Bewegung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Dresden  Scharfe Sicherheitsvorkehrungen bei Einheitsfeier | mehr

Kulturnachrichten

Literaturnobelpreis-Bekanntgabe erst am 13. Oktober  | mehr

Wissensnachrichten

Raumsonde  Rosettas letztes Bild | mehr