Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

EU-Experten fordern Aufteilung von Großbanken

Konsequenzen aus der Finanzkrise

Die Hochhäuser der Banken in Frankfurt am Main
Die Hochhäuser der Banken in Frankfurt am Main (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)

Das Bankensystem in Europa soll krisensicherer werden. Eine EU-Expertengruppe empfiehlt deshalb eine Trennung von Investment- und Kreditgeschäften. Ähnliche Vorschläge hatte der designierte Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, in der vergangenen Woche gemacht.

In einem in Brüssel vorgestellten Bericht fordert das Experten-Gremium um den finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen die strikte Aufspaltung in eine Investitionssparte einerseits und das Konten- und Kreditgeschäft andererseits. "Die Gruppe kommt zu dem Schluss, dass es nötig ist, besonders riskante Finanzgeschäfte juristisch von den Einlagen zu trennen", heißt es in dem Papier. So werde das Ersparte der Kunden geschützt, sollte ein Finanzinstitut in Schwierigkeiten geraten. Zudem sollte die EU von den Instituten verlangen, mehr Kapital zur Absicherung von Immobiliengeschäften vorzuhalten.

Die Vorschläge stießen in der Politik auf ein überwiegend positives Echo. Es sei richtig, eine Brandmauer zwischen Investment- und Kreditgeschäft zu ziehen, erklärte der Chef der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Markus Ferber. Er wolle sich dafür einsetzen, dass die EU-Kommission den Anregungen folge. Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick bezeichnete die Pläne aus Brüssel als Meilenstein auf dem Weg zur Lösung der Großbanken-Problematik. Kritik kam aus der Partei "Die Linke". Volkswirtschaftlich schädliche Zockerpapiere müssten grundsätzlich verboten werden, verlangte Vizechefin Sarah Wagenknecht.

Protest der Banken

Peer Steinbrück (SPD) gestikuliert bei einer Pressekonferenz im Bundestag in Berlin.Bankenkritiker Peer Steinbrück (SPD) (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier kündigte an, die Vorschläge zusammen mit Kommissionspräsident José Manuel Barroso eingehend zu beraten und den Bericht online zugänglich zu machen. Ein vergleichbares Modell hatte auch der designierte SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück vorgelegt. "Das würde die Infektionskanäle beseitigen, wenn plötzlich im Investmentgeschäft Risiken aufgehäuft werden", sagte Steinbrück bei der Vorstellung seines Bankenkonzepts in der vergangenen Woche.

Steinbrücks Reformpläne beziehen sich vor allem auf die Deutsche Bank. Deren Replik ließ nicht auf sich warten. "Man würde mit der Zerschlagung der heutigen Universalbank ohne Zweifel etwas zerstören, was auch für die deutsche Industrie wichtig ist", erklärte Aufsichtsratschef Paul Achleitner. "Alle Experten wissen, dass ein breiter diversifiziertes Unternehmen wie eine Universalbank weniger Risiken mit sich bringt." Kritik kam auch vom Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Banken, Michael Kemmer. "Das klingt sehr griffig, aber es wird niemandem etwas helfen."

Eine Einschätzung, die auch von Finanzwissenschaftlern geteilt wird. "Solange es eine Unternehmensleitung gibt, die für alles beides verantwortlich ist, dann wird die immer Wege finden, um zum Beispiel Gewinne von der einen zu der anderen Seite hin- und herzuschieben und auch Risiken hin- und herzuschieben", prognostizierte Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim, im Deutschlandfunk. Burghof plädiert stattdessen dafür, die Eigenkapitalquote der Banken massiv zu erhöhen. "Dann wird das Zocken für die Banken einfach unattraktiv."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

SolidaritätszuschlagSteffens: Staat hält gerne an Steuern fest

Porträt von Udo Steffens

Der Ökonom Udo Steffens hält den Solidaritätszuschlag für eine versteckte Steuererhöhung, seit er nicht mehr nur für die ostdeutschen Länder eingesetzt werden muss. Im Deutschlandfunk sagte der Präsident der Frankfurt School of Finance & Management, der Staat verzichte nur ungerne auf eine einmal eingeführte Steuer.

HungerstreikPolizei löst Flüchtlingscamp in München auf

Ein Flüchtling ruft von einem Baum am Sendlinger Tor in München.

In München protestieren Flüchtlinge gegen die Art ihrer Unterbringung und den Umgang mit ihren Asylanträgen. Sie traten zunächst in den Hungerstreik. Nachdem sie nun auch nicht mehr trinken wollten, räumte die Polizei das Camp.

VerbraucherschutzEU will Google an die Leine nehmen

Mehrere Webseiten der Internet-Suchmaschine Google

Google hat eine zu beherrschende Marktstellung in Europa - das finden viele EU-Parlamentarier und stimmten deswegen heute für eine Resolution, mit der der US-Konzern aufgefordert werden soll, seine Suchmaschine neutral zu betreiben. Kritiker warnen vor übermäßigen Eingriffen in das Internet.

LiteraturKrimi-Autorin P. D. James ist tot

Die britische Schriftstellerin P. D. James bei einer Lesung in München im Jahr 2002.

Sie schrieb klassische Detektivgeschichten mit zeitgemäßen, realistischen Themen. Die britische Schriftstellerin P. D. James, Autorin von millionenfach verkauften Krimis, starb im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus in Oxford.

Umweltbilanz von GetränkekartonsFür Händler vorteilhafte Umweltsünde

Nach der Sortierung werden die gebrauchten Getränkekartons zu großen Ballen gepresst und zwischengelagert. Anschließend erfolgt das Recycling in der Papierfabrik.

Milch oder Saft werden längst zum größten Teil in Getränkekartons verkauft, in einer laut Herstellern besonders umweltfreundlichen Verpackungsart. Umweltschützer allerdings halten die Getränkekartons für eine regelrechte Umweltsünde. Neue Zahlen der Deutschen Umwelthilfe sprechen eine eindeutige Sprache.

WuppertalChinesen auf den Spuren von Engels

Enthüllung des von der Volksrepublik China gestifteten Denkmals des Philosophen und Gesellschaftstheoretikers Friedrich Engels (1820-1895) in Wuppertal am 11. Juni 2014

Friedrich Engels ist der bekannteste Sohn Wuppertals und fast 120 Jahre nach seinem Tod noch immer ein Türöffner der Stadt für Kontakte ins Ausland. Vor allem Chinesen pilgern an die Wupper, sie drehen dort TV-Shows und investieren viel Geld.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Juncker gegen Sanktionen  für EU-Defizitsünder | mehr

Kulturnachrichten

Britische Krimiautorin P.D. James gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Neu Delhi  Gericht verordnet Umweltschutz | mehr