Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

EU fordert humanitäre Kampfpausen in Syrien

In den vergangenen Tagen sollen mehr als 200.000 Menschen aus Aleppo geflohen sein

Die Kämpfe in Syrien gehen weiter (picture alliance / dpa/Syrian News Agency Sana / Handou)
Die Kämpfe in Syrien gehen weiter (picture alliance / dpa/Syrian News Agency Sana / Handou)

Die Kämpfe in Syrien gehen unvermindert weiter. Viele Menschen flüchten ins Ausland, vor allem ins benachbarte Jordanien. Die EU fordert mehr Schutz der Bevölkerung vor der Gewalt.

Feuerpausen müssen den Zugang von humanitären Helfern gewährleisten, forderte die zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva in Brüssel. Das schreibe auch das internationale Völkerrecht vor. Nicht kämpfende Zivilisten, darunter besonders Frauen und Kinder, müssten die Möglichkeit haben, Krisenregionen zu verlassen, ohne ihr Leben zu gefährden.

Den Beschuss von ärztlichem Personal und medizinischen Hilfstransporten, die durch humanitäre Symbole klar gekennzeichnet seien, bezeichnete Georgieva als Kriegsverbrechen. Sie forderte die internationale Gemeinschaft und den Weltsicherheitsrat auf, die humanitäre Krise in Syrien nicht aus den Augen zu verlieren.

Wie das UN-Flüchtlingswerk UNHCR meldet, sind seit März 2011 mehr als 276.000 Menschen ins Ausland geflüchtet. Die meisten von ihnen hätten im benachbarten Jordanien Zuflucht gefunden. Aber auch in der Türkei, im Libanon und in anderen Staaten der Region seien viele Menschen angekommen.

Ein zerstörter syrischer Panzer in Aleppo (picture alliance / dpa / EPA)Ein zerstörter syrischer Panzer in Aleppo (picture alliance / dpa / EPA)

Kämpfe in Aleppo gehen weiter

Auch innerhalb Syriens sind den Angaben zufolge zahlreiche Menschen auf der Flucht. So sollen allein in den vergangenen Tagen mehr als 200.000 Menschen aus der heftig umkämpften Millionenstadt Aleppo geflohen sein. Die syrischen Aufständischen haben dort wichtige Stellungen der Regierung angegriffen und teilweise erobert. Nach Angaben oppositioneller Aktivisten griffen die Rebellen das Militärgericht sowie ein Büro der Baath-Partei an und töteten mehrere Beamte bei der Erstürmung zweier Polizeiwachen.

In Aleppo wird seit mehreren Tagen heftig gekämpft. Die Stadt ist von strategischer Bedeutung: Sollten die Rebellen sie komplett unter ihre Kontrolle bringen, hätten sie im Nordwesten des Landes eine sichere Basis mit Verbindung zur Türkei.

Mehr Geld für humanitäre Hilfe nötig

Das Welternährungsprogramm fordert mehr Geld für humanitäre Hilfe in Syrien. Allein um die akute Not zu lindern, brauche man 100 Millionen Euro, sagte Ralf Südhoff, Leiter des Berliner Büros, im Deutschlandradio Kultur. Bislang seien aber erst 30 Millionen Euro eingegangen.

Trotz der schwierigen Sicherheitslage sei es aber gelungen, knapp eine Million Menschen im Land zu unterstützen, darunter viele Flüchtlinge und Bauern, die ihre Felder verlassen mussten. Weitere Hilfe erhofft sich Südhoff auch von der Bundesregierung, die bislang eine Million Euro zur Verfügung gestellt habe.

Der Sprecher des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen in Deutschland, Stefan Telöken, erklärte im Deutschlandfunk, Helfer der UN-Organisation seien zwar vor Ort, könnten dort allerdings nur eingeschränkt tätig sein. Zugleich bescheinigte er der Türkei gute Arbeit bei der Aufnahme syrischer Flüchtlinge.

Präsident Baschar al-Assad versucht seit etwa 16 Monaten einen Aufstand gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. Nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen sind bereits zwischen 14.000 und 18.000 Menschen ums Leben gekommen.


Mehr zum Thema auf dradio.de:

Syrien droht zu einem zweiten Irak zu werden - Politologe Markus Kaim zur Entwicklung des Bürgerkriegs
"Ein Putsch innerhalb des Machtapparates ist nicht unwahrscheinlich" - Syrien-Kennerin Kristin Helberg über den Verlauf des Bürgerkrieges
Syrien braucht "Solidarität mit diesem geknechteten Volk" - Präsident des Deutschen Roten Kreuzes zur hu

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 08:50 Uhr Presseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 08:50 Uhr Buchkritik

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Aarhus-Projekt Dänemarks Umgang mit jungen Islamisten

Menschen erinnern am 14. Februar 2016 mit einer Lichterkette an die Anschläge vor einem Jahr in Kopenhagen. (dpa / picture alliance / Claus Bech)

Dialog und harte Hand - so beschreibt der Bürgermeister der dänischen Stadt Aarhus das erfolgreiche Projekt, Syrien-Rückkehrern die Chance zu geben, zurück in ein normales Leben zu finden. Gemeinsam mit muslimischen Mentoren geht die Polizei mit den islamistischen Extremisten in den Dialog.

Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat"Ein Comic-Manifest erklärt die Medienwelt

Ausschnitt aus der deutschen Übersetzung der Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat", geschrieben von Brooke Gladstone und gezeichnet von Josh Neufeld (Correctiv / David Schraven)

Der Journalismus hat zurzeit Probleme mit seiner Glaubwürdigkeit. Ob die Medien sogar fremdgesteuert sind, ist Thema von "Der Beeinflussungsapparat". Die Recherchegruppe Correctiv hat die Graphic Novel aus den USA nun auf Deutsch herausgegeben.

ChinaAKW Hualong 1 für den Sudan

China exportiert Reaktortechnik und baut im Sudan das erste Atomkraftwerk des Landes. Für China ist das der Auftakt. Geplant ist der Export von 30 Reaktoren bis 2030.

Kritik zum Katholikentag"Die christlichen Kirchen werden massiv privilegiert"

Teilnehmer der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) haben sich am 24.05.2016 in der Kongresshalle in Leipzig (Sachsen) versammelt. (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow)

Staat und Kirche müssten konsequenter getrennt werden, fordert der konfessionslose Jurist Maximilian Steinhaus anlässlich des Katholikentages. Die Gesellschaft sei so vielfältig, dass der Staat die unterschiedlichen Weltanschauungen gar nicht gerecht fördern könne.

LandwirtschaftAntibiotika kurbeln Produktion von Treibhausgasen an

Rinder in einem Stall in Deutschland. (imago stock&people)

Antibiotika werden in der Landwirtschaft nicht nur bei Krankheiten von Nutztieren verabreicht, sondern auch als Wachstumsbeschleuniger eingesetzt. Forscher warnen immer wieder davor, dass so antibiotikaresistente Krankheitserreger entstehen. Aber es gibt wohl noch einen weiteren Nebeneffekt.

TV in Russland Sex, Klatsch und viel Propaganda

 Russlands prominente Sex-Beraterin im Fernsehen: Anfisa Chekhova. (imago)

Das russische Fernsehen ist weitgehend unter staatsnaher Kontrolle. Aber anders als zu Sowjetzeiten, als staatstragende Medien öde und langweilig waren, wird die Propaganda heute in beliebte Unterhaltung verpackt - die einen großen Teil der Bevölkerung erreicht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Frankreich  Arbeitsniederlegungen in Kernkraftwerken | mehr

Kulturnachrichten

US-Sammler zahlt über drei Millionen Euro für Shakespeare-Bände  | mehr

Wissensnachrichten

USA  Atomstreitkräfte nutzen Floppy-Discs | mehr