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EU-Kommission bleibt EM in Ukraine fern

Sprecherin: Absage sei Protest, kein Boykott

Die Fußball-EM in der Ukraine beginnt am 9. Juni (picture alliance / dpa / Chekachkov Igor)
Die Fußball-EM in der Ukraine beginnt am 9. Juni (picture alliance / dpa / Chekachkov Igor)

Mit der Absage will die EU-Kommission gegen die Politik von Ukraines Präsident Viktor Janukowitsch protestieren. Wegen der Haftumstände der erkrankten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko steht die Führung in Kiew massiv in der Kritik, auch beim EM-Mitausrichter Polen. Russland bot ihr medizinische Hilfe an.

Die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine droht für die umstrittene Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch zum Fiasko zu werden. Immer mehr wichtige politische Repräsentanten boykottieren die Spiele in ukrainischen Fußballstadien aus Protest gegen die Haftumstände der Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko. Sie befindet sich seit 20. April im Hungerstreik. In der Hauptstadt Kiew findet am 1. Juli das EM-Finale statt.

Sämtliche 27 Mitglieder der EU-Kommission wollen den 16 Spielen in der Ukraine fernbleiben, teilte eine Sprecherin in Brüssel mit. Die Absage sei jedoch nicht als Boykott zu verstehen. Mit der Entscheidung solle der Regierung Janukowitsch vielmehr Protest signalisiert werden.

Das ukrainische Außenministerium reagierte umgehend und nannte "Versuche, sportliche Ereignisse zu politisieren", in einer Mitteilung "destruktiv".

Julia Timoschenko zeigt ihre Verletzungen in einem Gefängnis in Charkow (dpa / picture alliance / Ukrpravda)Julia Timoschenko zeigt ihre Verletzungen in einem Gefängnis in Charkow (dpa / picture alliance / Ukrpravda)Neben der EU-Kommission hatten bereits einige Regierungen und Amtsträger ihre Teilnahme an EM-Spielen in der Ukraine abgesagt, so etwa Österreich, EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy.

Die Bundesregierung will bis dato zu den Spielen in beiden EM-Ländern reisen. Kanzlerin Angela Merkel macht die Reise vom Schicksal Timoschenkos abhängig. Außenminister Guido Westerwelle mahnte Kiew jedoch, die Sorgen der Europäer über die Rechtsstaatlichkeit ernst zu nehmen.

Der UN-Sportbeauftragte Willi Lemke warnt dagegen vor einem Boykott. "Ich finde es viel besser, wenn man dort hinfährt, die Möglichkeit des Dialogs in allen Feldern mit den Fans, mit den Offiziellen versucht hinzubekommen, natürlich auch mit Vertretern der Opposition", sagte Lemke im Deutschlandfunk. "Damit nützt man doch viel mehr, als wenn man boykottiert."

DFB: Boykott kommt nicht infrage

Der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, soll Nachfolger von Theo Zwanziger werden und den Deutschen Fußball-Bund als elfter Präsident führen. (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)Alle drei Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft in der Gruppe B finden in der Ukraine statt. Brisant wird das Spiel in Charkow gegen die Niederlande am 13. Juni. Dort sitzt Timoschenko in einem Frauengefängnis ein.

Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Wolfgang Niersbach, lehnt einen Boykott ab. "Das darf, kann und wird nicht infrage kommen; wir bereiten uns als DFB weiter sportlich, logistisch und auch politisch vor", sagte der DFB-Chef. "Wir stehen mit der deutschen Botschaft, dem Goethe-Institut und der Menschenrechtsbeauftragten beim Auswärtigen Amt in Kontakt."

Allerdings ergänzte Niersbach: "Ein klarer Standpunkt der UEFA wäre hilfreich für alle teilnehmenden Länder. Aber die Grundposition, die Präsident Michel Platini hat, ist die, die auch der DFB als Sportverband hat: Bitte überfordert uns nicht. Das Problem muss die Politik lösen."

Rufe nach Boykott im EM-Land Polen

Polens Ministerpräsident Donald Tusk, Vorsitzender der von ihm mitbegründeten liberal-konservativen Partei Platforma Obywatelska (PO) (AP / Alik Keplicz)Polens Ministerpräsident Donald Tusk (AP / Alik Keplicz)Auch im EM-Gastgeberland Polen werden die Stimmen für einen Boykott lauter. Der Druck auf das Nachbarland müsse verstärkt werden, forderte der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski. "Die polnische Regierung sollte mit dem Boykott des ukrainischen Teils der EM drohen", schrieb Kaczynski in einem Beitrag für die polnische Nachrichtenagentur PAP.

Regierungschef Donald Tusk hält einen Boykott für "unangemessen". "Wir finden andere Möglichkeiten, Druck auszuüben, damit die Angelegenheit Timoschenko auf humanitäre Weise gelöst wird", sagte der als Fußballfan bekannte Tusk. Er warnte vor einem "Eigentor" bei einem Boykott. Der Ruf der Ukraine werde "gewaltigen Schaden nehmen", sollte sich die Lage von Timoschenko nicht bessern.

Russland will Timoschenko helfen

Russlands Präsident Wladimir Putin (AP)Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin (AP)Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat überraschend angeboten, Ex-Regierungschefin Timoschenko in Russland zu behandeln. Falls sie selbst dies wünsche und die Führung in Kiew zustimme, werde Moskau "gerne" und "aus humanitären Gründen" für die 51-Jährige sorgen, sagte Putin.

Timoschenko will ihre Bandscheibenprobleme von Ärzten der Berliner Charité behandeln lassen. Die Führung in Kiew lehnte die Bitte wiederholt ab. Es gebe keine Rechtsgrundlage für die Pflege von Häftlingen im Ausland.

Putin kritisierte die Verurteilung von Timoschenko zu sieben Jahren Haft wegen eines Gasvertrags mit Russland, der der Ukraine angeblich wirtschaftlichen Schaden verursacht haben soll. Putin und Timoschenko hatten das Abkommen 2009 unterzeichnet. Es sei rechtens, betonte der gewählte Kremlchef, der an diesem Montag sein Amt antritt. "Das unterzeichnete Abkommen entspricht vollständig der Rechtsprechungen in Russland sowie in der Ukraine."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

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