Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

EU-Kommission bleibt EM in Ukraine fern

Ukraine verurteilt "Politisierung von Sportereignissen"

Donbas Arena in Donezk in der Ukraine wird Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2012 sein
Donbas Arena in Donezk in der Ukraine wird Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2012 sein (picture alliance / dpa - Jens Kalaene)

Mit der Absage will die EU-Kommission gegen die Politik von Ukraines Präsident Viktor Janukowitsch protestieren. Wegen der Haftumstände der erkrankten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko steht die Führung in Kiew massiv in der Kritik, auch beim EM-Mitausrichter Polen. Nach Berlin hat nun auch Moskau medizinische Hilfe angeboten.

Die Fußball-Europameisterschaft droht für die Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch zum Fiasko zu werden. Immer mehr wichtige politische Repräsentanten wollen die Spiele in ukrainischen Fußballstadien aus Protest gegen die Haftumstände von Timoschenko boykottieren. In der Hauptstadt Kiew findet am 1. Juli das EM-Finale statt.

Sämtliche 27 Mitglieder der EU-Kommission wollen den 16 Spielen in der Ukraine fernbleiben, teilte eine Sprecherin in Brüssel mit. Die Absage sei jedoch nicht als Boykott zu verstehen. Mit der Entscheidung solle der Regierung Janukowitsch vielmehr Protest signalisiert werden. Das ukrainische Außenministerium reagierte umgehend und nannte "Versuche, sportliche Ereignisse zu politisieren", in einer Mitteilung "destruktiv".

Bundesregierung will zur EM reisen

Julia Timoschenko zeigt ihre Verletzungen in einem Gefängnis in CharkowJulia Timoschenko zeigt ihre Verletzungen in einem Gefängnis in Charkow (dpa / picture alliance / Ukrpravda)Neben der EU-Kommission hatten bereits einige Regierungen und Amtsträger ihre Teilnahme an EM-Spielen in der Ukraine abgesagt, so etwa Österreich, EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy.

Die Bundesregierung will bis dato zu den Spielen in beiden EM-Ländern reisen. Kanzlerin Angela Merkel macht die Reise vom Schicksal Timoschenkos abhängig. Außenminister Guido Westerwelle mahnte Kiew jedoch, die Sorgen der Europäer über die Rechtsstaatlichkeit ernst zu nehmen.

Der UN-Sportbeauftragte Willi Lemke warnt dagegen vor einem Boykott. "Ich finde es viel besser, wenn man dort hinfährt, die Möglichkeit des Dialogs in allen Feldern mit den Fans, mit den Offiziellen versucht hinzubekommen, natürlich auch mit Vertretern der Opposition", sagte Lemke im Deutschlandfunk. "Damit nützt man doch viel mehr, als wenn man boykottiert."

DFB: Boykott kommt nicht infrage

Der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, soll Nachfolger von Theo Zwanziger werden und den Deutschen Fußball-Bund als elfter Präsident führen.Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)Alle drei Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft in der Gruppe B finden in der Ukraine statt. Brisant wird das Spiel in Charkow gegen die Niederlande am 13. Juni. Dort sitzt Timoschenko in einem Frauengefängnis ein.

Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Wolfgang Niersbach, lehnt einen Boykott ab. "Das darf, kann und wird nicht infrage kommen; wir bereiten uns als DFB weiter sportlich, logistisch und auch politisch vor", sagte der DFB-Chef. "Wir stehen mit der deutschen Botschaft, dem Goethe-Institut und der Menschenrechtsbeauftragten beim Auswärtigen Amt in Kontakt."

Allerdings ergänzte Niersbach: "Ein klarer Standpunkt der UEFA wäre hilfreich für alle teilnehmenden Länder. Aber die Grundposition, die Präsident Michel Platini hat, ist die, die auch der DFB als Sportverband hat: Bitte überfordert uns nicht. Das Problem muss die Politik lösen."

Rufe nach Boykott im EM-Land Polen

Polens Ministerpräsident Donald Tusk, Vorsitzender der von ihm mitbegründeten liberal-konservativen Partei Platforma Obywatelska (PO)Polens Ministerpräsident Donald Tusk (AP / Alik Keplicz)Auch im EM-Gastgeberland Polen werden die Stimmen für einen Boykott lauter. Der Druck auf das Nachbarland müsse verstärkt werden, forderte der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski. "Die polnische Regierung sollte mit dem Boykott des ukrainischen Teils der EM drohen", schrieb Kaczynski in einem Beitrag für die polnische Nachrichtenagentur PAP.

Regierungschef Donald Tusk hält einen Boykott für "unangemessen". "Wir finden andere Möglichkeiten, Druck auszuüben, damit die Angelegenheit Timoschenko auf humanitäre Weise gelöst wird", sagte der als Fußballfan bekannte Tusk. Er warnte vor einem "Eigentor" bei einem Boykott. Der Ruf der Ukraine werde "gewaltigen Schaden nehmen", sollte sich die Lage von Timoschenko nicht bessern.

Putin bietet medizinische Hilfe an

Russlands Präsident Wladimir PutinRusslands Ministerpräsident Wladimir Putin (AP)Der designierte russische Präsident Wladimir Putin hat überraschend angeboten, die ukrainische Ex-Regierungschefin in Russland behandeln zu lassen. Falls sie das selbst wünsche und die Führung in Kiew zustimme, werde Moskau "gerne" und "aus humanitären Gründen" für die 51-Jährige sorgen.

Putin kritisierte die Verurteilung von Timoschenko zu sieben Jahren Haft wegen eines Gasvertrags mit Russland, der angeblich für einen wirtschaftlichen Schaden in der Ukraine gesorgt haben soll. Putin und Timoschenko hatten das Abkommen 2009 unterzeichnet. Es sei rechtens, betonte der gewählte Kremlchef, der an diesem Montag sein Amt antritt. "Das unterzeichnete Abkommen entspricht vollständig den Rechtsprechungen in Russland sowie in der Ukraine."

Tochter: Zustand verschlechtert

Unterdessen soll sich Timoschenkos Gesundheitszustand weiter verschlechtert haben. Seit dem 20. April befindet sich die Oppositionspolitikerin im Hungerstreik. "Sie ist viel schwächer, als sie noch vor ein paar Tagen war", sagte ihre Tochter Jewgenija Timoschenko im ZDF. Sie müsse liegen und könne sich zurzeit "praktisch gar nicht bewegen".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr On Stage

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Literarische SpurensucheRomane über die mittlere Generation Ost

Skateboard-Fahrer auf dem Berliner Alexanderplatz

Der Mauerfall ist der biografische Dreh- und Angelpunkt für die "mittlere Generation Ost". Wofür stehen Schriftsteller dieser Generation, was macht sie aus, welche Geschichten haben sie zu erzählen? Eine literarische Spurensuche.

GesichtserkennungWer lacht, zahlt

Ein Comedy-Theater in Barcelona hat Eintrittspreise abgeschafft. Stattdessen zahlen die Zuschauer pro Lacher - abgerechnet wird mit Hilfe von Gesichtserkennungssoftware.

Präsidentschaftswahl in RumänienKampf um ein Amt mit wenig Macht

Rümänische Fußgänger passieren eine Reihe Straßenlaternen, an denen Wahlplakate der Bewerber für die rumänische Präsidentschaftswahl hängen.

In Rumänien hat der Staatspräsident nur wenige Machtbefugnisse, wird am Sonntag aber direkt vom Volk gewählt. Für die Sozialdemokraten geht Premierminister Victor Ponta ins Rennen, mit dem scheidenden Amtsinhaber Basescu verbindet ihn eine herzliche Feindschaft. 

Outing von Tim CookDer Apple-Chef könnte ein Vorbild sein

Apple-Chef Tim Cook ist schwul, na und? Ist doch heutzutage kein Problem mehr. René Behr ist Vorsitzender des Bundesverbandes schwuler Führungskräfte Völklinger Kreis und Personalchef der Hugo Boss AG – und sieht das anders: Es gebe noch viel Aufklärungsbedarf.

SportstudiumHöchstleistung trotz Behinderung

Die englische Sportlerin Danielle Bradshaw sitzt auf der Tartanbahn des East Cheshire Harriers running club in Großbritannien.

Fünf Semester lang hat Marcel Wienands wie jeder andere seine Prüfungen im Sportstudium absolviert, als ihn eine rätselhafte Krankheit aus der Bahn warf. Er ließ sich trotz der daraus resultierenden Behinderung nicht irritieren und blieb bei seinem Fach. Das Sportstudium ist trotz Handicaps möglich.

Unisex-UnterwäscheFrauen lieben den Eingriff

Weite Jeans und Männerhemden - Frauen lieben den Boyfriend-Look. Das gilt jetzt auch für untendrunten: Frauen tragen da am liebsten Boxershorts - aus der Männerabteilung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Raumflugzeug  "Space Ship Two" abgestürzt - ein Toter | mehr

Kulturnachrichten

Forscher wollen Goethes Gesamtwerk  online stellen | mehr

Wissensnachrichten

Zensur  Facebook will helfen Internetblockaden zu umgehen | mehr