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EU-Minister bringen Fischereireform auf den Weg

Zurückkippen von Beifang soll verboten werden

Irrtümlich gefangener Fisch wird derzeit über Bord gekippt. (dpa / picture alliance / Markus Scholz)
Irrtümlich gefangener Fisch wird derzeit über Bord gekippt. (dpa / picture alliance / Markus Scholz)

Bis 2019 soll die umstrittene Praxis, ungewollt mitgefangene Fische zurück ins Meer zu kippen, größtenteils verboten werden. Jährlich sind dies Hunderttausende Tonnen. Mit der Reform soll der Überfischung der Meere entgegengewirkt werden.

Mitgefangen, mitgehangen, über Bord damit - mit dem lapidaren Wörtchen "Beifang" bezeichnet man Fische, die im Netz gelandet sind, aber nicht zur gewünschten Art gehören. Meist sind diese Fische schon tot, wenn sie zurückgeworfen werden. Die Schätzungen, wie viel Beifang zurück ins Wasser geworfen wird, gehen auseinander - manche Statistiken sprechen von 25 Prozent, andere von fast 40 Prozent der gesamten Fangmenge.

Bis 2019 nur noch 7 Prozent "wegwerfen"

Die für Fischerei zuständigen Minister der Europäischen Union haben sich jetzt auf einen Zeitplan geeinigt, um das Zurückkippen des Beifangs zu verbieten. Stufenweise sollen striktere Regeln eingeführt werden, nach Arten und Regionen gegliedert, berichtet Jörg Münchenberg im Deutschlandfunk. Schon in der Fangsaison 2015 ist beispielsweise ein Rückwurfverbot für Hering und Makrele in der Ostsee geplant. Im Endstadium, spätestens 2019, soll noch erlaubt sein, sieben Prozent des Beifangs zurückzuwerfen.

Wenn Fischer auch den Beifang mit an Land bringen müssen, hat dies zweierlei Auswirkungen: Damit passt weniger "erwünschte" Fangmenge an Bord, was den Verkaufserlös schmälert. Der Beifang kann meist nicht oder schlechter vermarktet werden. Zugleich wird er aber auf die Fangquoten der Fischer angerechnet. Das Rückwurfverbot, so die Erwartung der Minister, dürfte also zu gezielteren Fangmethoden führen.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) beimSpitzengespräch mit Vertretern verschiedener Verbände der Futtermittelwirtschaft und der Landwirtschaft sowie Verbraucherschützern (AP)Bundesagarministerin Ilse Aigner (AP)

Aigner: Überfällig

Deutschlands Agrarministerin Ilse Aigner nannte die Beschlüsse eine "überfällige Richtungsentscheidung". Zwar seien die Beschlüsse weniger ambitioniert als von der Bundesrepublik gewollt. Immerhin seien aber die Forderungen anderer EU-Staaten, bestimmte Fischarten ganz vom Verbot auszunehmen oder höhere Ausnahmen zu gewähren, abgewehrt worden, erklärte die CSU-Politikerin.

EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki sagte, mit dem Beschluss werde eine Richtlinie eingeführt, die verschwenderische Praktiken unterbinde, "die wir uns nicht mehr leisten können." Großbritanniens Umweltminister sprach von einem "historischen Moment" bei der Reform der gemeinsamen Fischereipolitik der EU. Beifang wegzuwerfen sei ein Skandal.

Der Verband der Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern wies darauf hin, dass er grundsätzlich dafür sei, den Beifang zu reduzieren. Allerdings fehle es bei der Fangtechnik in Deutschland an Forschungskapazität. An der Bundesforschungsanstalt für Fischerei existiere dieser Bereich fast nicht mehr, sagte der Geschäftsführer des Fischerverbandes der Nachrichtenagentur DPA.

Umweltverbände: Nicht ausreichend

Umweltschützer nannten die Beschlüsse zu lasch. Die geplanten Ausnahmen seien "ein Schlag ins Gesicht für verantwortungsvolle Fischer, die ihre Rückwurfquote bereits jetzt unter ein Prozent gesenkt haben", erklärte der WWF Deutschland. Im Deutschlandradio Kultur beklagte Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack, es sei nach wie vor so, dass europäische Fischer "perfekt essbaren Fisch wegschmeißen" dürften.

Nach dem Ministerrat muss sich noch das Europaparlament mit dem Beifangverbot beschäftigen. Das Plenum könnte darauf dringen, noch weniger Ausnahmen zuzulassen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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