Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

EU: Soziale Spaltung Europas verschärft sich

Kluft zwischen reichem Norden und armem Süden wächst

"Habe Hunger" - ein als Clown verkleideter Bettler in Madrid
"Habe Hunger" - ein als Clown verkleideter Bettler in Madrid (dpa / Fabian Stratenschulte)

Europa rutscht nach Einschätzung der EU-Kommission in eine neue Krise: die Spaltung Europas. Sie habe sich in den vergangenen fünf Jahren alarmierend verschärft. Süden und Ost seien in einer Abwärtsspirale gefangen, die Armut und Arbeitslosigkeit weiter steigen lasse.

Bei den Einkommen driften Nord- und Südländer immer weiter auseinander, die Arbeitslosigkeit steigt auf ein Rekordhoch, und wer seinen Job verliert, läuft Gefahr, in die Armut abzurutschen. Die EU-Kommission malt ein düsteres Bild der sozialen Lage in Europa. "2012 war ein weiteres miserables Jahr für Europa", sagte EU-Sozialkommissar László Andor zur Beschäftigung und sozialen Lage. In den Mitgliedsländern entstehe eine "neue Kluft", sagte Andor. Die Randstaaten "scheinen in der Abwärtsspirale von Leistungsabfall, schnell steigender Arbeitslosigkeit und erodierenden Einkommen gefangen", schrieben seine Experten.

EU-Sozialkommissar Laszlo Andor warnt vor einer sozialen Spaltung in EuropaEU-Sozialkommissar Laszlo Andor warnt vor einer sozialen Spaltung in Europa (picture alliance / dpa /Olivier Hoslet)Die Kommission hat unter anderem festgestellt, dass in zwei Dritteln aller EU-Länder das Realeinkommen der Haushalte geschrumpft ist. Besonders betroffen sind die Griechen, die Spanier, die Zyprer, die Esten und die Iren. "Diese Entwicklung steht in krassem Gegensatz zu der Lage in den nordischen Ländern, Deutschland, Polen und Frankreich", heißt es in dem Bericht. Dort sei das Gesamteinkommen aufgrund der Sozialsysteme und der stabilen Arbeitsmärkte gestiegen. Allerdings profitierten die Bevölkerungsgruppen nicht in gleichem Maße: "Durch die anhaltende Krise wächst überall die Gefahr einer dauerhaften Ausgrenzung."

Arbeitslosenquote auf neuem Rekordhoch

Besonders deutlich manifestiert sich die Kluft am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone ist auf 11,8 Prozent im vergangenen November gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit fast zwanzig Jahren. Lag die EU-Quote in Nord und Süd vor fünf Jahren noch nahezu gleichauf, klafft sie heute im Schnitt 7,5 Prozentpunkte auseinander. Am größten ist der Unterschiedlich bei der Arbeitslosenquote zwischen Österreich (4,5 Prozent) und Spanien (26,6 Prozent).

Besonders junge Menschen, arbeitslose Frauen und alleinerziehende Mütter rutschen der Studie zufolge leicht in die Armut ab, wenn sie keine Arbeit haben. Insbesondere der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist im Laufe der Wirtschaftskrise weiter angestiegen. Während 2009 noch 33 Prozent aller Arbeitslosen ein Jahr oder länger ohne Beschäftigung blieben, waren es 2011 insgesamt 42,5 Prozent. Dies liege auch an falschen Qualifikationen, sagte Andor: "In einigen Ländern, besonders in Süd- und Osteuropa, passen Fähigkeiten und Jobs nicht gut zusammen - und dies hat sich verschlechtert."

Auch für das neue Jahr macht die EU-Kommission wenig Hoffnung. "Es ist unwahrscheinlich, dass sich die sozioökonomische Lage in Europa 2013 wesentlich verbessern wird", sagte Andor. Er appellierte dennoch an die Länder, nicht den Mut zu verlieren und Reformen voranzubringen. Es brauche mehr Investitionen in Bildung und soziale Integration.

Gauck fordert Rückhalt für "Projekt Europa"

Bundespräsident Joachim Gauck spricht zum "Tag der Befreiung" in den NiederlandenBundespräsident Joachim Gauck (picture alliance / dpa / Koen Van Weel)Bundespräsident Joachim Gauck will unterdessen noch mehr junge Leute für die europäische Idee begeistern. Beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps betonte das Staatsoberhaupt daran, im großen "Projekt Europa" würden die Menschen nicht mehr gegeneinander aufgebracht, sondern seien in der gemeinsamen Achtung der Menschenrechte vereint. "Es ist doch einzigartig, dass wir uns von den Waffen unserer europäischen Nachbarn nicht bedroht fühlen und dass wir uns nicht vor der Stärke, sondern allenfalls vor gelegentlichen Schwächen unserer Nachbarn fürchten."

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Jeder siebte Bürger ist armutsgefährdet - Paritätischer Wohlfahrtsverband fordert Sofortprogramm gegen Armut
Sozialexperte: Bildungsinvestitionen führen aus Armut - Streit um Armutsbericht in der Koalition

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 06:23 Uhr Wort zum Tage

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Stadtentwicklung"Tante Gerda" kommt

Esslingen ist eher spießig. Und viele junge Esslinger wollen mehr urbane Freiräume. Dafür gibt es jetzt das Projekt "Tante Gerda", um bei der Stadtentwicklung mitzumischen. Maren Alsch ist Projektkoordinatorin und erzählt von der revolutionären Tante.

EnergiesicherheitSorgen um die Gasversorgung

Elektro-Techniker inmitten mehrerer Gasbohrungen vom Erdgasspeicher in Rehden

Ein Drittel des deutschen Gasverbrauchs decken russische Quellen. Viel davon kommt zu uns über ukrainische Pipelines. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Russland-Konflikts steigt die Sorge um mögliche Engpässe. Umfangreiche Reserven könnten helfen.

FDPEin Jahr nach der Bundestagswahl

Der FDP-Bundesvorsitzende, Christian Lindner, sitzt am 06.08.2014 in Erfurt (Thüringen) bei einer Wahlkampfveranstaltung vor einem Wahlplakat der Thüringer FDP auf dem steht: "Wir sind dann mal weg. Genauso wie der Mittelstand"

Am 22. September 2013 passiert der FDP das, was sie in ihren schlimmsten Träumen befürchtet hat: Sie ist nicht mehr im Bundestag vertreten. Die alte Riege ist abgetaucht. Übrig geblieben ist - neben Wolfgang Kubicki - nur einer: Christian Lindner. Und der gibt sich kämpferisch.

Russland und EstlandAngst vor dem Nachbarn

Estnische Soldaten in einem Panzerfahrzeug bei einer NATO-Übung nahe der russischen Grenze.

Trotz der Waffenruhe fürchten die Baltikumstaaten ein Übergreifen der Ukraine-Krise. Vor allem viele Esten fürchten, dass Moskau schon damit begonnen hat, die Krallen auszufahren. Als Beleg dient ihnen ein mysteriöser Zwischenfall.

RechtsextremismusZu viel Geld für zu wenig Aufklärung?

An einem Haus in Loitz (Mecklenburg-Vorpommern) steht am 06.10.2013 der Schriftzug "Multikulti nein Danke".

Initiativen, Beratungsstellen und Veranstaltungen: Mecklenburg-Vorpommern gibt viel Geld aus im Kampf gegen rechtes Gedankengut. Doch sinnvoll ist der Einsatz der Steuergelder nicht immer. Es fehlt an Konzepten, Kontrolle und Effizienz.

DatenschutzKeine Kohle mit persönlichen Daten

Bundesinnenminister Thomas de Maizière will den Verkauf von Persönlichkeitsprofilen verbieten und nennt in einem Atemzug Google. Google reagiert entrüstet - das Unternehmen würde Nutzerdaten gar nicht verkaufen oder an Werbepartner weitergeben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Erste US-Luftangriffe in Syrien  haben begonnen | mehr

Kulturnachrichten

Else Beitz  mutige Frau des Krupp-Chefs gestorben | mehr

Wissensnachrichten

Erasmus  Studium im Ausland erhöht Karrierechancen | mehr