Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

EU-Vorschläge für Saatgut-Zulassung

Gesundheitskommissar will Genehmigungsverfahren vereinfachen

Die EU will die Regeln für die Saatgut-Zulassung ändern. (AP)
Die EU will die Regeln für die Saatgut-Zulassung ändern. (AP)

Für Saatgut gelten in Europa strenge Auflagen. Die EU-Kommission will jetzt die Registrierung verändern. Naturschutzverbände warnen vor einem "Einheits-Saatgut" – und sorgen sich um die Artenvielfalt.

In Brüssel hat EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg seine Pläne zur Saatgut-Zulassung und -Kontrolle vorgestellt. Die Vorschläge müssen zwar noch von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und dem EU-Parlament gebilligt werden, doch schon seit Wochen gibt es Proteste von Naturschützern und Kleingärtnern.

Kritiker befürchten, dass die neuen Saatgut-Bestimmungen Großkonzerne bevorteilen zum Nachteil von Kleinzüchtern und der Sortenvielfalt. Die Kommission erklärte hingegen, sie wolle die Zulassung vereinfachen. "Wir schlagen nicht vor, die Hürden zu erhöhen, sondern sie zu senken", sagte Tonio Borg.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) begrüßte die Vorschläge. "Wir müssen alte Sorten erhalten und die biologische Vielfalt schützen", sagte sie. Zuvor hatte EU-Kommissar Borg erklärt, dass auch für traditionelle Sorten nach wie vor eine Registrierungspflicht gelte. Sie seien jedoch von verpflichtenden Tests ausgenommen. Kleinstunternehmen müssten zudem im Gegensatz zu Großkonzernen keine Gebühren für die Registrierung von Saatgut zahlen. "Ausgenommen von den EU-Vorschriften ist der Einsatz von Saatgut zu privaten Zwecken", sagte Borg.

Kritik von Umweltorganisationen

In der EU darf Saatgut nur nach einer offiziellen Genehmigung verkauft werden. Biologen und Gärtner bemängeln das Zulassungsverfahren als aufwendig und bürokratisch. Nach bisherigen Vorschriften müssen die Sorten unterscheidbar, beständig und homogen sein, erklärt das Bundeslandwirtschaftsministerium auf seiner Internetseite.

Der Deutsche Naturschutzring warnt davor, dass der private Anbau seltener Sorten strafbar werden könnte. Die österreichische Umweltorganisation "Arche Noah" mahnte in einer Online-Petition: "Alte und seltene Sorten sollen in die Illegalität getrieben werden." Die Organisation setzt sich für den Erhalt von Vielfalt bei Kulturpflanzen ein. In einem Brief an "Arche Noah" hatte Borg erklärt, für die Registrierung alter traditioneller Arten werde es flexible Regeln geben.

Neben den Saatgut-Plänen stellte Borg auch neue Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit und zur Kontrolle von Tier- und Pflanzenkrankheiten. Mit dem Paket sollen die gesetzlichen Regelungen in diesen Bereichen vereinheitlicht werden. Bisher sind sie in 70 unterschiedlichen Rechtsakten geregelt. Künftig sollen sie in fünf Rechtsakten zusammengefasst werden.


Mehr zum Thema:

Sorge ums Saatgut - Umweltverbände und Hobbygärtner kritisieren geplante Änderungen der Zulassungsvorschriften

Biologen und Gärtner bemängeln Zulassungsverfahren für Saatgut

Umweltorganisation Arche Noah zur Saatgutpolitik

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Atelier neuer Musik

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 21:30 Uhr Die besondere Aufnahme

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

Friedhöfe in AfghanstanEntspannend und beklemmend zugleich

Auf diesen kahlen Berghängen am äußerten, südöstlichen Stadtrand von Kabul begräbt die afghanische Hauptstadt ihre Selbstmordattentäter. (Deutschlandradio - Sandra Petersmann)

Flanierende Pärchen, spielende Kinder, plaudernde Gruppen: Am Wochenende sind die Friedhöfe in Afghanistan voller Menschen. Für sie sind die Grabstätten Orte der Ruhe und der Entspannung. Mit einer Ausnahme: der Friedhof der Selbstmörder am Rande der Kabuls.

PsychologieAusgrenzung beginnt im Kopf

Wir alle haben Vorurteile. Dafür können wir nicht mal was. Unser Gehirn hat nämlich automatisierte Arbeitsroutinen, die zwar nützlich sind, aber eben auch Stereotype und Vorurteile fördern. Allerdings: Wir sind unseren Synapsen nicht hilflos ausgeliefert.

James McBride: "Kill 'Em and Leave"James-Brown-Biografie vom Fan

Der Soulsänger James Brown bei einem Auftritt am Mikrofon. (MICHAL CIZEK / AFP)

James Brown ist der Mann der Spitznamen: "Mr. Dynamite", "The Hardest Working Man in Show Business", "Soul Brother Number One", "Godfather of Soul". "Kill Em´or Leave" heißt eine neue Biografie von James McBride. Missverstanden und einsam sei Brown gewesen, so der Autor.

Claudia Roth zur Türkei"Eine unvorstellbare Entrechtung des Rechts"

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth (Grüne), äußert sich am 30.05.2016 in Berlin zum Thema Rassismus. (dpa)

In der Türkei sei "eine Art ziviler Putsch in Richtung eines autokratischen Präsidialsystems" in Gange. "Man könnte es auch als Diktatur bezeichnen", sagte die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) im DLF. In dieser Lage müssten die Bundesregierung, die Europäische Union und auch die Nato klare Worte finden.

Terror in DeutschlandNicht in Hysterie verfallen

Vor dem Olympia Einkaufszentrum liegen Blumen, es brennen Kerzen. (picture-alliance / dpa / Felix Hörhager)

Die Angst oder zumindest die Sorge vor weiteren Anschlägen ist allgegenwärtig. Aber wir dürfen jetzt nicht in Hysterie verfallen, meint Marie Sagenschneider, Wortchefin von Deutschlandradio Kultur. Die größte Gefahr bestehe in einer Überreaktion.

Ermittlungen im Darknet"Uns als Polizei sind da Grenzen gesetzt"

Symbolfoto zum Thema Internetkriminalität: eine Hand vor einem Computer-Monitor (imago / epd / Annette Zoepf)

Das Darknet sei ursprünglich geschaffen worden, damit Bürger von Unrechtsstaaten ihre Meinung frei äußern könnten, sagte der Cyberexperte Frank Scheulen vom nordrhein-westfälischen LKA im DLF. Zunehmend hielten sich in dem separaten Bereich des Internets aber auch Kriminelle auf. Für die Polizei sei es schwierig, gegen sie vorzugehen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Erdogan kündigt Schließung von Militärakademien an | mehr

Kulturnachrichten

Regisseur Erpulat: Türkei bald ohne Theater?  | mehr

Wissensnachrichten

Beziehungen  Beim Streiten an die Zukunft denken | mehr