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Euro-Einführung in Estland

Optimismus überwiegt

Von Katrin Zöfel

Trotz Krise konnte Estland alle Maastricht-Kriterien für die Euro-Einführung erfüllen (AP)
Trotz Krise konnte Estland alle Maastricht-Kriterien für die Euro-Einführung erfüllen (AP)

Estland, das östlichste der drei baltischen Länder, wird zum Jahreswechsel den Euro einführen. Nicht eben ein günstiger Zeitpunkt, mag man denken, doch für die Esten überwiegt nach wie vor der Optimismus.

"Now Estonia will join the Euro-Zone from the first of January 2011.”"

Estlands Premier Andrus Ansip klingt zufrieden. Sein Land wird zum ersten Januar 2011 den Euro einführen. Für Ansip ist das klar ein Erfolg seiner Politik. Seine Regierung hat einen strengen Sparhaushalt durchgesetzt, Steuern und Rentenalter angehoben, Gehälter von Lehrern und Beamten kräftig gekürzt.

Außerdem: Weil seine Regierung in den Boomjahren, als Estland als baltischer Tiger der Wirtschaft galt, Geld zurückgelegt hatte, musste der Staat 2009 nur 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an neuen Schulden aufnehmen, für 2010 gehen Schätzungen von 2,4 Prozent Neuschulden aus. Dank seiner Reserven könnte Estland sämtliche Staatsschulden auf einen Schlag zurückzahlen. Trotz Krise konnte das Land alle Maastricht-Kriterien für die Euro-Einführung erfüllen.

""Ich glaub schon dass Estland fit für den Euro ist, wenn man sich manche Eurostaaten anguckt, die sind weniger fit."

sagt Maren Diale-Schellschmidt. Sie ist Vorsitzende der deutsch-baltischen Handelskammer. Der Optimismus ist trotz Euro-Krise groß: Sämtliche estnischen und deutsch-estnischen Unternehmen befürworten den Euro, so das Ergebnis einer Umfrage der Handelskammer. Warum aber hat gerade Estland den Sprung in die Euro-Zone geschafft, die anderen baltischen Republiken, Lettland und Litauen, nicht?

"Estland hat seit 1992 eine sehr stabile Politik trotz ständiger Regierungswechsel, Wechsel der Premierminister usw. betrieben, weil alle führenden Parteien sich über gewisse Grundlinien einig waren, also möglichst schnell der Aufbau einer Marktwirtschaft, Demokratie, bestimmte Reformkonzepte wurden nicht hinterfragt, möglichst schnell zu privatisieren, möglichst viel Direktinvestitionen aus dem Ausland herbeizuführen, während in Lettland oder auch in Litauen, die Regierungen dann sehr viel stärker geschwankt haben in ihrer aktiven Politik und mitunter manche radikale Kehrtwendung eingelegt haben."

erklärt Olaf Mertelsmann, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Tartu. Die konsequenten Reformen brachten Estland schnell den Ruf eines wirtschaftlichen Musterlands ein. Dazu kam: Sprachlich, kulturell und geografisch sind die Esten Skandinavien - und damit West-Europa - näher als Lettland und Litauen. 70 Prozent aller ausländischen Investitionen in Estland stammen dementsprechend von den nördlichen Nachbarn. Doch in der Finanzkrise wurde die boomende Wirtschaft Estlands genauso hart getroffen wie das restliche Baltikum. Die Wirtschaftsleistung schrumpfte 2009 um mehr als 14 Prozent. Die Arbeitslosigkeit verdreifachte sich innerhalb von Monaten auf 15 Prozent.

Nicht zuletzt geriet auch das bisher große Vertrauen ausländischer Investoren ins Wanken. Sie fürchteten, dass Estland die Krone im Verhältnis Euro abwerten würde, um das Wachstum wieder anzukurbeln. Seit 2004 ist Estlands Währung über einen festen Wechselkurs an den Euro gebunden, eine Abwertung per Gesetz ist also theoretisch möglich. Doch für Premier Andrus Ansip war das nie eine Option, auch wenn die Wirtschaft derzeit nur schwach wächst. Im Gegenteil:

Der einzige Weg, diese Gerüchte über eine mögliche Abwertung ein für allemal aus der Welt zu schaffen, ist, so schnell wie möglich der Euro-Zone beizutreten.
Sorgen, die Einführung des Euros könnte schädlich sein, hört man in Estland selten. Einige wünschen sich, die Integration in die EU wäre langsamer abgelaufen, sodass Estland mehr Zeit gehabt hätte für die Anpassung. Doch die Mehrheit denkt wie Andres Mäe, Professor für Europawissenschaften an der Universität Tartu:

"Es ist doch nur eine andere Währung, mehr nicht. Die Krone ist ohnehin schon fest an den Euro gebunden, so wie sie früher fest an die Deutsche Mark gebunden war. Es macht keinen Unterschied für uns."

Selbst durch die aktuelle Schuldenkrise will sich Estland nicht abschrecken lassen. Wenn ein Euro-Land Hilfe bräuchte, stünde man bereit, versichert Estlands Premier:

"Ja natürlich, wenn nötig, sind wir bereit andere zu unterstützen, Solidarität ist eben ein echter Wert in der Europäischen Union. Das ist kein Grund für hitzige Debatten hier in Estland."



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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