Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Euro-Länder planen Erleichterungen für Krisenstaaten

Entwurf für Brüsseler Schlusserklärung gestattet niedrigere Zinsen und längere Laufzeiten für Schulden

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bei Sondergipfel in Brüssel (AP)
Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker bei Sondergipfel in Brüssel (AP)

Der Euro-Gipfel entlastet die größten Schuldner bei der Tilgung ihrer Hilfszahlungen. Laut Euro-Gruppenchef Juncker soll es eine freiwillige Beteiligung privater Gläubiger geben - eine Umschuldung Griechenlands ist nicht mehr tabu.

<p>Die 17 Euro-Staaten berieten in Brüssel über einen Plan, der Griechenland und anderen hochverschuldeten Mitgliedern der Währungsunion die Rückzahlung von Krediten erleichtern würde. Wie mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichten, liegt dem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs ein Beschlussentwurf vor, mit dem die Zinsbelastung für Portugal, Irland und Griechenland auf 3,5 Prozent gesenkt werden soll. Außerdem könnten die Rückzahlfristen von siebeneinhalb auf bis zu 15 Jahre verlängert werden.<br /><br />Der Euro-Rettungsschirm EFSF soll dem Plan zufolge Staatsanleihen von Krisenstaaten auf dem Markt zurückkaufen können. Mit diesem Instrument könnte der Fonds Griechenland einen Teil seiner Schulden abnehmen. Private Gläubiger könnten Schuldscheine des südeuropäischen Landes gegen Anleihen mit hoher Sicherheit tauschen, für die zusätzliche Garantien der Euro-Länder vonnöten wären. Kritiker sehen diese Maßnahme als Einstieg in eine Transferunion. <br /><br />Das bedeutet einen Kurswechsel in der Politik der Länder der Eurozone. Der Euro-Rettungsfonds werde wohl nicht über die bisherigen 440 Milliarden Euro hinaus ausgeweitet - dafür sollten aber private Gläubiger an den Maßnahmen zur Rettung Griechenlands beteiligt werden, <papaya:link href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/07/21/drk_20110721_1711_8f7128d4.mp3" text="berichtet Doris Simon aus Brüssel in Deutschlandradio Kultur. (MP3-Audio)" title="berichtet Doris Simon aus Brüssel in Deutschlandradio Kultur. (MP3-Audio)" target="_blank" /> Der Rettungsfonds solle künftig auch vorbeugend für gefährdete Länder tätig werden können.<br /><br /></p><p><strong>Privatsektor soll 17 Milliarden Euro beitragen</strong></p><p>Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker deutete an, dass eine Beteiligung privater Gläubiger mittlerweile als Teil der Lösung ins Auge gefasst ist. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert aus einem Vorschlag des Internationalen Bankenverbands IFF, wonach Schuldpapiere mit kürzerer Laufzeit gegen neue Anleihen mit längerer Laufzeit umgetauscht werden sollen. Daraus ergäbe sich eine Beteiligung von Banken, Versicherern und Investmentfonds in Höhe von 17 Milliarden Euro bis 2014.<br /><br />Deutschland und Frankreich haben sich offenbar im Vorfeld des Sondergipfels darauf verständigt, dass es keine Bankenabgabe geben soll. Auch Spekulationen um die Ausgabe von Eurobonds sind allem Anschein nach unbegründet. Die angestrebte Lösung für Griechenland werde sich in einem engen Rahmen bewegen, <papaya:link href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/07/21/dlf_20110721_1310_9f86fa1a.mp3" text="berichtet Volker Finthammer aus Brüssel im Deutschlandfunk. (MP3-Audio)" title="berichtet Volker Finthammer aus Brüssel im Deutschlandfunk. (MP3-Audio)" target="_blank" /><br /><br /><papaya:media src="768871464e665a03b3affffdde2e0ff2" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Die Euro-Skulptur vor dem Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt" popup="yes" /></p><p><strong>"Die großen Schuldenbeträge liegen bei der EZB"</strong></p><p>Ein Befreiungsschlag sei der Brüsseler Plan zwar nicht, aber <papaya:link href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/07/21/drk_20110721_1718_5f71f4e9.mp3" text="die Politik nähere sich endlich den wahren Verhältnissen (MP3-Audio)" title="die Politik nähere sich endlich den wahren Verhältnissen" target="_blank" />, meinte der Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums, Wolfgang Gerke, im Deutschlandradio Kultur. Die Beteiligung privater Gläubiger wie Banken und Versicherungen über entsprechende Zahlungsausfälle sei für diese zu verkraften, denn die großen Schuldenbeträge lägen inzwischen bei der Europäischen Zentralbank, die einen Teil der griechischen Staatsanleihen aufgekauft habe. <br /><br />Nach Meinung des Chefvolkswirts der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, hat Deutschland vom Euro nur profitiert und "bisher nichts bezahlt" . Die stärkste Wirttschaftsmacht Europas sei in der Finanzkrise nicht nur Zahler, sondern auch Begünstigter, <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="70327" text="sagte Hellmeyer im Gespräch mit dem Deutschlandfunk." alternative_text="sagte Hellmeyer im Gespräch mit dem Deutschlandfunk." />Denn durch das gegenwärtig niedrige Kapitalmarkt-Zinsniveau sei das Wachstum noch einmal befördert worden. <br /><br /></p><p><strong>"Deutschland hat gebremst"</strong></p><p>Thomas Klau, Wirtschaftsexperte beim European Council on Foreign Relations in Paris, <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="70322" text="kritisiert die bisherige Haltung der Bundesrepublik" alternative_text="kritisiert die bisherige Haltung der Bundesrepublik" /> in der Schuldenkrise. Im Deutschlandfunk sagte er, dass Deutschland sich am längsten gegen Schritte gesperrt habe, die sich im Nachhinein als richtig erwiesen hätten. <br /><br /></IM_23637>CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt forderte im Deutschlandfunk <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="70324" text="eine bessere Koordinierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik in Europa" alternative_text="eine bessere Koordinierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik in Europa" />. Schließlich wirkten sich Probleme eines Eurolandes auf die anderen Länder aus, so Hasselfeldt. Das bedeute aber nicht, dass man einen EU-Finanzminister brauche. <br /><br /><br /><strong>Weitere Beiträge zum Thema im Deutschlandradio:</strong><br /><br />"Grauenhafte Figuren" - <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="164141" text="Geschäftsführer der Herrhausen-Gesellschaft übt harte Kritik an EU-Politikern" alternative_text="Geschäftsführer der Herrhausen-Gesellschaft übt harte Kritik an EU-Politikern" /> - Wolfgang Nowak im Interview mit Deutschlandradio Kultur<br /><br />Hintergrund: <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="100258" text="Die Konstruktionsfehler der Währungsunion" alternative_text="Die Konstruktionsfehler der Währungsunion" /><br /><br />Themenschwerpunkt: <papaya:addon addon="13ce92bc07c8e837729a6ac5022b9a1b" portal="55" text="Euro in der Krise" alternative_text="Euro in der Krise" /></p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Lange Nacht

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Italien vor dem VerfassungsreferendumRenzis Kampf um die Reformen

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi geht über eine Bühne, im Hintergrund stehen die Wand projeziert die Wörter "Si". (imago/Pacific Press Agency)

Über 50 Millionen Italiener werden am 4. Dezember über die größte Reform ihrer Verfassung entscheiden. Sie soll den Gesetzgebungsprozess vereinfachen und das Land reformierbarer machen. Doch das ist umstritten. Für Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, Befürworter der Reform, hängt viel von dem Ausgang des Referendums ab.

USA"Polizisten sind nicht immun gegen Angst"

Skid Row ist ein Viertel von L.A. - etwa 50 Häuserblöcke im Schatten der glitzernden Wolkenkratzer von Downtown. Hier leben rund 10.000 Obdachlose. Viele von ihnen sind drogenabhängig. Die meisten haben einen afro- oder lateinamerikanischen Hintergrund. Skid Row ist das Revier von Officer Deon Joseph. 

Anne Franks Schicksal als TanzstückHineinversetzen in den Schrecken

Ein Foto von Anne Frank, entstanden um das Jahr 1941. Anne Frank war damals ungefähr 11 Jahre alt. (picture-alliance / dpa / Anne Frank Fonds Basel)

Das Nordharzer Städtebundtheater hat die Schicksale der Mädchen Anne Frank und Lilly Cohn in dem Tanztheaterstück "Ich schweige nicht" szenisch umgesetzt - unter anderem in der Klaussynagoge Halberstadt. Die jungen Tänzer haben das Stück selbst entwickelt.

Nachruf auf Gisela MayVon Mutter Courage zu "Muddi"

Gisela May 1973 im Frankfurter Schauspielhaus (dpa / picture alliance / Manfred Rehm)

Sie spielte Brecht am Berliner Ensemble und sang Brecht in aller Welt: Gisela May war eine der renommiertesten Bühnenkünstlerinnen der DDR. Nach der Wiedervereinigung trat sie in der erfolgreichen Fernsehserie "Adelheid und ihre Mörder" auf. Heute ist Gisela May im Alter von 92 Jahren gestorben.

Neues Nachrichten-Angebot "Niemanden von Informationen ausschließen"

Die Nachrichten-Redaktion des DLF erhält die Auszeichnung "Land der Ideen" für "nachrichtenleicht" (Land der Ideen)

Von heute an sendet der Deutschlandfunk freitags nach den regulären Nachrichten um 20 Uhr in einem Wochenrückblick die wichtigsten Nachrichten in "Einfacher Sprache". Das Angebot richtet sich an Menschen, die den üblichen Sendungen nicht ohne Weiteres folgen können - aus den verschiedensten Gründen.

US-WahlBitte nachzählen

In drei Bundesstaaten der USA muss nach der Präsidentschaftswahl noch einmal ausgezählt werden. Doch das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Weil sich die Wahlverfahren unterscheiden und vom Retro-Wahlcomputer aus den Achtzigern bis zum Feld, das ausgemalt und nicht angekreuzt werden darf, alles dabei ist.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  Obama blockiert chinesische Übernahme von deutschem Chiphersteller Aixtron | mehr

Kulturnachrichten

Schauspielerin und Sängerin Gisela May gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Genetik  Nach der Befruchtung regiert die Eizelle | mehr