Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Euro-Staaten segnen Spanien-Hilfe ab

Massenproteste in Spanien gegen Sparpaket

Rückseite der spanischen 1-Euro-Münze (dpa / Jens Büttner)
Rückseite der spanischen 1-Euro-Münze (dpa / Jens Büttner)

Grünes Licht für das Rettungspaket: Die Finanzminister der Euroländer haben den Finanzhilfen für spanische Banken in einer Telefonkonferenz zugestimmt. Gestern protestierten Hunderttausende Spanier gegen die rigide Sparpolitik ihrer Regierung und die Bankenhilfe.

Spaniens angeschlagene Banken erhalten bis zu 100 Milliarden Euro. Am Mittag gaben die Finanzminister der Euroländer grünes Licht für die Hilfskredite. Eine erste Tranche von 30 Milliarden Euro soll bereits vor Monatsende für akute Notfälle bereitgestellt werden. Gestern Abend stimmte bereits der Bundestag für eine Freigabe des Milliarden-Hilfspakets mit Mitteln des Rettungsfonds EFSF. Die Mehrheit der Deutschen ist allerdings dagegen.

Mit dem auf 18 Monate ausgelegten Programm soll der angeschlagene spanische Bankensektor rekapitalisiert werden, der aufgrund einer geplatzten Immobilien- und Kreditblase in Schwierigkeiten geraten ist. Spanien ist das erste Euro-Land, das eine solche auf den Bankensektor begrenzte Unterstützung des Euro-Rettungsfonds in Anspruch nimmt.

Proteste in 80 spanischen Städten

Proteste gegen spanische Sparbeschlüsse bleiben nicht friedlich (picture alliance / dpa / Kote Rodrigo)Proteste gegen spanische Sparbeschlüsse blieben nicht friedlich (picture alliance / dpa / Kote Rodrigo)Das Hilfspaket stößt bei vielen Spaniern auf Ablehnung. Gestern Abend gingen Hundertausende Spanier auf die Straße. In 80 Städten protestierten sie gegen den harten Sparkurs der Mitte-Rechts-Koalition von Ministerpräsident Mariano Rajoy. Die Regierung plant das Arbeitslosengeld sowie Lohn und Weihnachtsgeld für Staatsbeamte zu kürzen und die Mehrwertsteuer von 18 auf 21 Prozent anzuhaben.

"Sie wollen das Land ruinieren, das müssen wir verhindern", schallte es daraufhin bei Massenprotesten auf den Madrider Boulevards. "Sie schützen die Banken und rauben das Volk aus", hieß es auf Plakaten. In der Hauptstadt setzte die Polizei Gummigeschosse gegen Teilnehmer des Protests ein. Kleinere Gruppen seien mit Schlagstöcken auseinandergetrieben worden, berichten Korrespondenten. Nach Polizeiangaben wurden sieben Demonstranten festgenommen und sechs Menschen verletzt.

Polizisten, Richter, Staatsanwälte unter den Demonstranten

Hunderttausende Spanier protestieren gegen Sparparket (picture alliance / dpa / Zipi)Hunderttausende Spanier protestierten gegen Sparparket (picture alliance / dpa / Zipi)Dabei beteiligten sich selbst Polizisten an dem Protest; auch Feuerwehrleute, Militärs, Richter und Staatsanwälte waren dabei und trugen Trauerflor. "Die Finanzierung öffentlicher Leistungen mit weiteren Schulden wird uns vernichten", hatte Finanzminister Cristóbal Montoro im Parlament das Sparpaket verteidigt. Gewerkschaften hatten zu der landesweiten Demonstration aufgerufen. Sie drohen mit einem Generalstreik im September.

Spanien steht wirtschaftlich gesehen mit dem Rücken zur Wand. Das Land befindet sich in einer Rezession. Die Arbeitslosenquote ist so hoch wie sonst in keinem anderen EU-Mitgliedsland. Vor allem die marode Finanzbranche hat das Land in die Krise geführt - und bekommt nun Milliardenhilfe von den Euroländern. Die Regierung will das Land aber nicht komplett unter den Euro-Rettungsschirm stellen.

Wirtschaftsweiser warnt vor überzogenem Sparen

Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Deutschlandradio - Bettina Straub)Wirtschaftsweiser Peter Bofinger (Deutschlandradio - Bettina Straub)Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnt dagegen vor solch massiven Sparmaßnahmen im Euroraum. "Die Politik hat das Problem nicht erkannt", kritisierte das Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung in der "Passauer Neuen Presse". Wenn das Sparen überzogen werde, schade dies der Konjunktur so stark, dass die finanzielle Situation eines Staates sich verschlechtere statt verbessere - dadurch gerieten "die Krisenländer nur noch tiefer in eine Rezession", warnte Bofinger. "Wenn man diese Abwärtsbewegung nicht stoppt, können die Hilfen von Staaten für Staaten und Banken auch nicht allzu viel bewegen."

Mehr zum Thema in der Presseschau.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:40 Uhr Hintergrund

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:30 Uhr Weltzeit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 18:15 Uhr Redaktionskonferenz

Aus unseren drei Programmen

Zum Tod von Walter Scheel"Er war schon ein toller Bursche!"

Der ehemalige Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Burkhard Hirsch (r, FDP) spricht am 30.05.2015 in Berlin bei der Demonstration gegen Massenüberwachung durch Geheimdienste mit einem Teilnehmer. (dpa)

Walter Scheel sei ein hervorragender und äußerst entschlossener Politiker gewesen, sagte sein langjähriger Weggefährte Burkhard Hirsch (FDP) im DLF. Gegen alle Widerstände der Konservativen habe er gemeinsam mit Willy Brandt die Grundlagen für die deutsche Wiedervereinigung gelegt. 

Theater des Jahres"Bühnen brauchen den Wechsel"

Das Maxim Gorki Theater, aufgenommen am 29.10.2012 in Berlin. (picture-alliance / dpa / Michael Kappeler)

Das Berliner Maxim-Gorki-Theater und die Volksbühne in Berlin sind gleichberechtigt zum "Theater des Jahres" gewählt worden. Beide leisteten, jedes auf seine Art, künstlerisch "Außergewöhnliches", sagt "Theater heute"-Redakteur Franz Wille.

Schweres ErdbebenItalien wird nicht zerreißen

Ganze Dörfer sind zerstört - Retter suchen weiterhin nach Überlebenden. Bis zu 247 Menschen sind in Zentralitalien durch das Erdbeben gestorben. Manche behaupten nun, das Land könnte zerreißen. Eine gewagte These, sagt Erdbeben-Seismologe Frederik Tilmann.

Syrien"Die Türkei ist wichtig für den Kampf gegen den IS"

Sie sehen Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages. (picture-alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, begrüßt das Engagement der Türkei im Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien. Wenn die Türkei aber auch kurdische Stellungen unter Beschuss nehme, dann sei das zu kritisieren, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

Chinesischer Dissident Liao YiwuErinnerungen an Willkür und Folter

Der Schriftsteller Liao Yiwu zu Gast im Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio - Andreas Buron)

Der chinesische Autor und Dissident Liao Yiwu wurde international bekannt mit seiner literarischen Dokumentation "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser". Nun ist sein erster Roman, "Die Wiedergeburt der Ameisen" erschienen - Unterdrückung ist wieder das Thema.

Tradition und BildungWarum Literatur-Klassiker uns längst fremd sind

Eine Frau mit Strohhut liest am Beckenrand eines Schwimmbeckens ein Buch. (imago / Westend61)

Lesen Sie die deutschen Klassiker, rät Michael Schikowski: Aber nur, wenn Sie sich mal so richtig fremd im eigenen Land fühlen wollen. Auf die Frage, was die Klassiker uns heute noch zu sagen haben, gibt der Literatur-Blogger eine ziemlich eindeutige Antwort: Nichts!

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Europas Sozialdemokraten  Forderung nach Investitionen in der EU | mehr

Kulturnachrichten

"Toni Erdmann" ist für die Jury modern und universell  | mehr

Wissensnachrichten

Erderwärmung  Es ging schon früher los | mehr