Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Eurogruppe gibt Hilfen für Griechenland frei

Finanzminister zufrieden mit erfolgreichem Schuldenrückkauf

Die EU-Flagge weht über dem Pantheon auf der Akropolis in Griechenland (AP / Thanassis Stavrakis)
Die EU-Flagge weht über dem Pantheon auf der Akropolis in Griechenland (AP / Thanassis Stavrakis)

Griechenland kann aufatmen: Nach dem erfolgreichen Schuldenrückkauf haben die Euro-Finanzminister die nächsten Milliardenhilfen frei. Das Geld soll schon nächste Woche fließen.

Die Euro-Finanzminister seien davon überzeugt, dass das Land wieder auf einem guten Weg sei, sagte Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker nach einem Treffen in Brüssel, bei dem die Minister 49,1 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds EFSF endgültig freigegeben haben. "Das Geld wird schon nächste Woche nach Griechenland fließen."

Die Kredite sollen Athen vor der Staatspleite retten. In Griechenland war die Erleichterung groß. Finanzminister Ioannis Stournaras sprach von einem "großen Tag für Griechenland". Ministerpräsident Antonis Samaras sagte: "Griechenland ist wieder aufgestanden, die Opfer des griechischen Volkes waren nicht umsonst." Auch die Geldgeber hoffen, dass das Euro-Sorgenkind nun wieder in ruhiges Fahrwasser kommt. "Die heutige Entscheidung macht den Weg frei, damit das Vertrauen der Märkte zurückkehrt", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Juncker erklärte, es sei eine "gute Zeit für Europa". Allerdings sei die Krise noch nicht vorbei.

Die Milliarden stammen aus dem laufenden Hilfsprogramm. Die Geldgeber - Euro-Länder und Internationaler Währungsfonds (IWF) - hatten die Überweisung der Kredite davon abhängig gemacht, dass Athen sein Programm zum Rückkauf griechischer Staatsanleihen erfolgreich abschließt. Vor wenigen Tagen war es dann so weit: Athen reduzierte dem Rückkauf seine Schuldenlast auf einen Schlag um rund 20 Milliarden Euro. Viele Anleger wollten ihre Papiere, deren Wert in den vergangenen Jahren rasant gesunken war, zu akzeptablen Preisen von 30 bis 40 Prozent des Nennwertes zurückgeben.

Griechenland erhält rund fünf Milliarden Euro mehr

Allerdings mussten die Euro-Länder nun nachbessern: Die Hilfssumme liegt etwas höher als die ursprünglich vorgesehenen knapp 44 Milliarden Euro. Grund dafür ist, dass Athen bei seinem Schuldenrückkauf den Investoren mehr Geld bieten musste und diese Lücke zu schließen ist. "Es ist gut gegangen im Wesentlichen, auch wenn wir kleine Abweichungen von den erwarteten Zahlen haben", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Die zusätzlichen gut fünf Milliarden seien aber keine Aufstockung, sondern diese Differenz werde "in der Laufzeit des Programms von 2014 wieder abgezogen", so Schäuble. Zu der Summe der Euro-Länder kommen nach Angaben des griechischen Finanzministeriums noch etwa 3,5 Milliarden des IWF.

Das hochverschuldete Zypern muss dagegen weiter auf ein Rettungspaket warten. Nach wie vor ist unklar, wieviel Geld der pleitebedrohte Inselstaat benötigt. Dies wird derzeit von Experten geprüft. "Endgültige Ergebnisse werden Mitte Januar erwartet", schrieb die Eurogruppe. Die Minister bescheinigten Zypern Fortschritte bei der Haushaltssanierung. Das pleitebedrohte Euro-Land Zypern hatte im Sommer einen Antrag auf Hilfen aus dem Rettungsfonds gestellt. Die Summe ist noch nicht bekannt, wird aber auf etwa 17,5 Milliarden Euro geschätzt. Die Banken in dem Inselstaat sind eng mit dem griechischen Bankensektor verbunden.


Mehr zum Thema:

Athen verscherbelt sein Tafelsilber - Wie Griechenland seinen Finanzen aufbessern will
Merkel denkt den Schuldenschnitt - Bundeskanzlerin bewegt sich in Griechenlandfrage
Nur scheinbar gerettet - Über Griechenland und andere Fliehkräfte in der EU
"Ich glaube, dass die Griechen durchaus Sozialkapital besitzen" - Soziologe Dill über das Zwischenmenschliche als Werkzeug zur Krisenüberwindung

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Medientag

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Malawi zwischen Dürre und FlutHunger im Land der Wetterextreme

Menschen erhalten am 15.3.2016 an einem Verteilungspunkt des UN World Food Programme nordwestlich von Lilongwe, Malawi, Lebensmittelhilfe. (picture alliance / dpa / Unicef / Chipiliro Khonje)

Im April hat die Regierung in Malawi wegen der Hungerkrise den Notstand ausgerufen: Derzeit sind mehr als acht Millionen Menschen in dem afrikanischen Land von Lebensmittelhilfe abhängig. Diszipliniert stehen sie in der brennenden Sonne Schlange.

RaumfahrtWeltraumbahnhof, teilmöbliert, in ruhiger Lage zu vermieten

Spaceport America. Das klingt nach Raumfahrt, Rakten, Weltall. Die Raumfahrtsache im ganz großen Stil. Tatsächlicher aber warten und hoffen sie dort auf irgend wen, der den Spaceport nutzen will. Für den Flug ins All, als Partylocation oder auch als Filmkulisse. Hauptsache Geld kommt rein.

Kriminalität im PflegesystemGut gepflegt - oder gepflegt betrogen?

Krankenhaus (imago/Gerhard Leber)

Rund 14.000 ambulante Pflegedienste gibt es in Deutschland, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zu alten oder kranken Menschen ins Haus und pflegen sie dort. Doch nicht immer wird geleistet, was bezahlt wird. Der Abrechnungsbetrug ist so lukrativ, dass sich schon die organisierte Kriminalität dafür interessiert. Eine Gesetzesänderung soll Abhilfe schaffen.

WirtschaftRussland spürt die Brexit-Folgen schon

Ein Skateboardfahrer fährt an der Anzeigetafel einer Wechselstube in Moskau vorbei. Im Hintergrund moderne Hochhäuser. (EPA/SERGEI ILNITSKY)

Angesichts der drohenden wirtschaftlichen Folgen hat Russlands Präsident Wladimir Putin zurückhaltend auf das britische Referendum reagiert. Doch russische Kommentatoren sind sich sicher, das britische Nein zur EU hat im Kreml für Hochstimmung gesorgt. Denn viele meinen: Erst zerfällt die EU, dann die NATO.

Niederländische Leseclubs in BerlinTanzen, trinken, diskutieren

Die niederländische Schriftstellerin Bregje Hofstede beim MAG-Festival am 24.6.2016 in Berlin (Deutschlandradio / Gesa Ufer)

Mit ihrer Kombination aus Party, Lesung und Gespräch sind die Lesefestivals des MAG-Verlags in den Niederlanden eine Legende. In der vergangenen Woche fand auch in Berlin ein solches Lesefestival statt.

Fußball-TaktikNationaltrainer denken vor allem defensiv

Joachim Löw (3. von rechts) spricht während des Trainings in Ascona mit den Spielern der deutschen Nationalmannschaft. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Tore sind Mangelware. Diese Europameisterschaft ist bisher alles andere als ein Offensivspektakel. Taktikexperte Tobias Escher erklärt, warum das so ist und wieso die DFB-Elf eine Ausnahme darstellt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  "Dieselgate" kostet VW 14,7 Milliarden Dollar | mehr

Kulturnachrichten

"Fluxus"-Künstler Patterson gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Watschelgang  Schwangere stürzen wie Omis | mehr