Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Eurokrise überschattet G20-Treffen in Cannes

Die größten Industrie- und Schwellenländer beraten heute über die wirtschaftliche Entwicklung

Barack Obama und Nicolas Sarkozy in Cannes (picture alliance / dpa /Lionel Bonaventure)
Barack Obama und Nicolas Sarkozy in Cannes (picture alliance / dpa /Lionel Bonaventure)

"Die Welt wartet ungeduldig auf eine Lösung der Eurokrise." Eindringlich hat US-Präsident Obama auf dem G20-Gipfel gewarnt. Auch China und Russland sind besorgt. Die Reform des internationalen Währungssystems - das sollte eigentlich auf der Tagesordnung in Cannes stehen. Doch die schweren Turbulenzen in der Eurozone überlagern praktisch alles andere.

Als erster offizieller Punkt stand bei dem Treffen der führenden Industrie- und Schwellenländern heute der "Aktionsplan für Wirtschaft und Beschäftigung" auf der Tagesordnung. Er soll die Entwicklung der Weltwirtschaft fördern.

Heftig wurde am Nachmittag über das globale Währungssystem diskutiert, sowie über schärfere Kontrollen von Großbanken. Auf dem Gipfeltreffen soll eine Liste mit systemrelevanten Geldinstituten erarbeitet werden, deren Zusammenbruch möglicherweise die ganze Weltwirtschaft bedrohen könnte. Sie sollen dazu verpflichtet werden, ihr Eigenkapital aufzustocken.

Zudem soll in weiteren Besprechungen des G20-Gipfels auch dem wachsenden Einfluss der Schwellenländer in der Weltwirtschaft stärker Rechnung getragen werden. Unter anderem solle ihre Rolle innerhalb des Internationalen Währungsfonds mittelfristig an die veränderte Bedeutung angepasst werden. Auch die Dominanz des Dollar soll verringert werden, die Staats- und Regierungschefs sprechen deshalb über flexiblere Wechselkurse und eine Reform des internationalen Währungssystems.

Mahnende Worte Richtung Athen


Inoffiziell werden jedoch die Ereignisse in Athen die großen und kleinen Gesprächsrunden dominieren. Am Nachmittag hatte Ministerpräsident Papandreou eine geplante Volksabstimmung abgesagt. Zudem gibt es eine Annäherung mit der konservativen Opposition Nea Dimokratia zur Bildung einer Übergangsregierung.

Frankreich und Deutschland hatten zuvor gestern Gespräche mit Giorgis Papandreou in Cannes geführt. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der derzeit auch die Präsidentschaft der G20 innehat, schickte noch einmal warnende Worte Richtung Athen, der Euro dürfe nicht zerstört werden.

Die Euro-Staaten hatten die nächste Tranche der Hilfszahlungen gestoppt und unmissverständlich Druck auf Athen ausgeübt. Der französische Europaminister Jean Leonetti brachte es auf die Formel: «Der Euro und Europa können den Austritt Griechenlands überstehen.»

Diskussion über die Finanztransaktionssteuer


Auf dem Tisch liegt in Cannes zudem erneut der Vorschlag für die weltweite Einführung der umstrittenen Finanztransaktionssteuer. Die weltweite Einführung dieser Steuer zeichnet sich bislang noch nicht ab. Da die USA dem Vorhaben skeptisch gegenüber stehen.
Die Bundesregierung setzt sich weiterhin für eine Finanztransaktionssteuer ein, auch wenn sich zunächst nur die 17 Euro-Staaten beteiligen.

In Cannes tagen die Staats- und Regierungschefs der führenden Volkswirtschaften der Erde, die sogenannte Gruppe der 20. Zu ihr gehören neben den USA und Frankreich beispielsweise auch Deutschland und Italien, sowie aufstrebende Nationen wie China, Indien, Brasilien und Mexiko. Die "Gruppe der 20" besteht seit 1999, um die Zusammenarbeit in Fragen des internationalen Finanzsystems zu verbessern.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Historische Aufnahmen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Chormusik

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Bedrohte Religionspädagogin KaddorIhr Weckruf darf nicht ungehört verhallen

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. (pa/dpa/Schindler)

Lamya Kaddor wird nach Veröffentlichung ihres Buch, in dem sie eine Bringschuld der deutschen Gesellschaft hinsichtlich Integration fordert, mit Morddrohungen konfrontiert. Die muslimische Religionspädagogin zeige Mut, mit deutlichen Worten ihre Betroffenheit zu schildern und formuliere einen längst überfälligen Weckruf, meint Rainer Burchardt.

UNO-GeneralsekretärDer unmöglichste Job der Welt

Ban Ki Moon redet am Pult im Weltsaal des UNO-Hauptquartiers in New York (picture alliance / dpa / Jason Szenes)

Im Dezember endet die Amtszeit von Ban Ki Moon. Viele wünschen sich endlich eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen, aber trotz mehrerer qualifizierter Kandidatinnen stehen die Chancen dafür wieder schlecht.

Chaos und Korruption in SüdafrikaRegierungspartei ANC in der Krise

Präsident  Jacob Zuma spricht mit einem Helfer in einem Wahllokal in Nkandla.  (dpa picture alliance / EPA/ELMOND JIYANE)

Bei den Kommunalwahlen in Südafrika Anfang August hat die Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) das schlechteste Wahlergebnis seit 20 Jahren eingefahren. Es war ein Denkzettel für die Regierung von Präsident Jacob Zuma und dessen korruptes Machtsystem. Die Dominanz der ehemaligen Befreiungsbewegung aber ist im Land gebrochen.

Der Nazi-WestwallWildkatzen und Militärmuseen

Eine Panzersperre aus Beton des ehemaligen Westwalls (picture alliance/dpa/Foto: Horst Ossinger)

Hitlers "Westwall" war eine 630 Kilometer lange, kilometertiefe Bunker-Landschaft mit unterirdischen Stollen und Panzerhöckern. Vier Bundesländer teilen sich heute die Relikte − allenthalben wird über das sperrige Erbe und Geschichtsklitterung gestritten.

Herbstlaub richtig entsorgenBiotonne oder Kompost

Frau fegt Laub in Richtung der Kamera. (dpa/picture alliance/Sebastian Kahnert)

Jedes Jahr im Herbst heißt es aufs Neue: Wohin mit dem Laub, das auf Wegen und Wiesen liegt? Kann es da bleiben oder muss es entsorgt werden? Praktisch ist die Kompostierung im eigenen Garten. Ansonsten gehören die alten Blätter in die Biotonne.

HomöopathieDer Streit um die Globuli

Globuli auf einem grünen Blatt. (picture alliance / perschfoto)

Seit Jahren tobt eine Auseinandersetzung über den Nutzen von Homöopathie. Was fasziniert Ärzte an der Homöopathie, dass sie diese in ihr Programm aufnehmen? Haben die Methoden, die sich Samuel Hahnemann vor 200 Jahren ausdachte, eine Berechtigung in Arztpraxen?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundestag  Parlamentarier stimmen für neue Anti-Terror-Mission | mehr

Kulturnachrichten

Philipp Demandt übernimmt Frankfurter Museen  | mehr

Wissensnachrichten

Thailand  Kein Handel mehr mit Seepferdchen | mehr