Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Europa soll syrische Flüchtlinge aufnehmen

Türkei bittet Europäische Union um mehr Hilfe

Syrische Flüchtlingskinder im jordanischen Lager Zaatari (picture alliance / dpa / Jamal Nasrallah)
Syrische Flüchtlingskinder im jordanischen Lager Zaatari (picture alliance / dpa / Jamal Nasrallah)

Mehr als 350.000 Syrer sind laut UN vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat geflohen, vor allem in die Türkei. Der dortige EU-Minister Bagis fordert nun Europa zu mehr Hilfe auf. Bisher sei aus der EU sehr wenig gekommen. Die EU-Außenminister berieten sich über den Kurs gegen Syrien in Luxemburg.

Der Bürgerkrieg in Syrien hat eine Flüchtlingswelle in Gang gesetzt, die die Türkei nach eigenen Worten bald nicht mehr kontrollieren kann. Täglich fliehen Hunderte Syrer in das Nachbarland, immer wieder sind Generäle und Offiziere der Armee dabei, die sich von Machthaber Baschar al-Assad absetzen. Das fünfte Flüchtlingslager wurde an der Grenze kürzlich eröffnet; mehr als 93.000 Menschen sollen sich auf türkischem Boden mittlerweile aufhalten. Ankara hatte mehrfach betont, mehr als 100.000 Menschen seien nicht zu versorgen.

"Es wird Zeit, dass Europa endlich hilft", sagte der türkische EU-Minister Egemen Bagis der Zeitung "Die Welt". "Europa sollte über die Menschen nachzudenken beginnen, die aus Syrien in die Türkei geflohen sind." Bisher sei aus der EU sehr wenig gekommen: Zelte, Decken, mehr nicht. Die EU müsse auch mehr finanzielle Hilfe leisten, sagte Bagis. "Europa sollte den Menschen helfen, die einen sicheren Hafen suchen und Flüchtlinge bei sich aufnehmen."

Schärfere Sanktionen gegen Syrien

Die EU-Außenminister haben bei ihrem Treffen in Luxemburg neue Sanktionen gegen Syrien verhängt - es ist bereits die 19. Sanktionsrunde. Neben 28 Unterstützern und Vertrauten der Regierung in Damaskus sind auch zwei Firmen neu auf die "Schwarze Liste" gesetzt worden. Wer darauf steht, darf weder in die EU einreisen noch auf Konten zugreifen oder Geschäfte machen. Außerdem wurde ein generelles Landeverbot für syrische Frachtflüge und die nationale Fluggesellschaft Syrian Arab Airlines erlassen.

Franziska Brantner, Abgeordnete der Grünen im EU-Parlament (Bernhard Kreutzer)Franziska Brantner, Abgeordnete der Grünen im EU-Parlament (Bernhard Kreutzer)Bereits 16 Mal hat die EU Sanktionen gegen Syrien verhängt. Die Maßnahmen würden zu spät ergriffen, sagte Franziska Brantner, außenpolitische Sprecherin der grünen Fraktion im EU-Parlament, im Deutschlandradio Kultur. "Ob jetzt die 20 weiteren Leute den großen kriegerischen Konflikt beenden können, halte ich erstmal für fraglich." Zu lange habe die Fehleinschätzung Bestand gehabt, Europas Politiker könnten Assad zur Räson bringen.

Die türkische Luftwaffe hatte am Montag erneut ein ausländisches Flugzeug zur Landung gezwungen. Wie das Büro des türkischen Ministerpräsidenten mitteilte, handelt es sich um eine armenische Passagiermaschine, die auf dem Weg nach Syrien war. Auf dem Flughafen der östlichen Provinzhauptstadt Erzurum wurde am Nachmittag die Fracht überprüft. An Bord waren jedoch nur Frachtgüter, daher konnte das Flugzeug seine Reise fortsetzen. Bereits am Vortag hatten die Regierungen von Syrien und der Türkei gegenseitig Überflugverbote verhängt. Zunächst reagierte Damaskus auf diese Weise auf die erzwungene Landung eines syrischen Passagierflugzeuges in Ankara und wiederholten Grenzscharmützeln.

Union: Russland droht Glaubwürdigkeitsverlust

Andreas Schockenhoff (CDU) (schockenhoff.de)Unionsfraktionsvize Andreas Schockenhoff (schockenhoff.de)Um den Syrienkonflikt zu lösen, müsse Russland den Weg für eine Lösung ohne Machthaber Assad freimachen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Andreas Schockenhoff, im Deutschlandfunk. "Russland droht seine Rolle in der arabischen Welt für eine Zeit nach Assad zu verspielen." Europa und Deutschland müssten "immer wieder Russland drängen, in den Vereinten Nationen endlich eine Resolution passieren zu lassen". Schockenhoff verwies auf das ehemalige Jugoslawien in den 1990er Jahren: "Wir dürfen nicht wieder zu lange warten und dann hinterher eine vergleichbare Situation haben".

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte nun auch vor einem Flächenbrand im Nahen Osten und ermahnte Russland, die wachsende Gefahr eines Stellvertreterkrieges nicht länger zu ignorieren. "Es ist erforderlich, dass wir diejenigen, die bisher noch ihre schützende Hand über das Regime von Assad halten, überzeugen: Die Gefahr eines Flächenbrandes - sie wächst, die Gefahr eines Stellvertreterkrieges - sie wächst." Die Menschen müssten möglichst nahe ihrer Heimat versorgt werden, sagte Westerwelle.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Italien vor dem VerfassungsreferendumRenzis Kampf um die Reformen

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi geht über eine Bühne, im Hintergrund stehen die Wand projeziert die Wörter "Si". (imago/Pacific Press Agency)

Über 50 Millionen Italiener werden am 4. Dezember über die größte Reform ihrer Verfassung entscheiden. Sie soll den Gesetzgebungsprozess vereinfachen und das Land reformierbarer machen. Doch das ist umstritten. Für Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, Befürworter der Reform, hängt viel von dem Ausgang des Referendums ab.

USA"Polizisten sind nicht immun gegen Angst"

Skid Row ist ein Viertel von L.A. - etwa 50 Häuserblöcke im Schatten der glitzernden Wolkenkratzer von Downtown. Hier leben rund 10.000 Obdachlose. Viele von ihnen sind drogenabhängig. Die meisten haben einen afro- oder lateinamerikanischen Hintergrund. Skid Row ist das Revier von Officer Deon Joseph. 

Anne Franks Schicksal als TanzstückHineinversetzen in den Schrecken

Ein Foto von Anne Frank, entstanden um das Jahr 1941. Anne Frank war damals ungefähr 11 Jahre alt. (picture-alliance / dpa / Anne Frank Fonds Basel)

Das Nordharzer Städtebundtheater hat die Schicksale der Mädchen Anne Frank und Lilly Cohn in dem Tanztheaterstück "Ich schweige nicht" szenisch umgesetzt - unter anderem in der Klaussynagoge Halberstadt. Die jungen Tänzer haben das Stück selbst entwickelt.

Nachruf auf Gisela MayVon Mutter Courage zu "Muddi"

Gisela May 1973 im Frankfurter Schauspielhaus (dpa / picture alliance / Manfred Rehm)

Sie spielte Brecht am Berliner Ensemble und sang Brecht in aller Welt: Gisela May war eine der renommiertesten Bühnenkünstlerinnen der DDR. Nach der Wiedervereinigung trat sie in der erfolgreichen Fernsehserie "Adelheid und ihre Mörder" auf. Heute ist Gisela May im Alter von 92 Jahren gestorben.

Neues Nachrichten-Angebot "Niemanden von Informationen ausschließen"

Die Nachrichten-Redaktion des DLF erhält die Auszeichnung "Land der Ideen" für "nachrichtenleicht" (Land der Ideen)

Von heute an sendet der Deutschlandfunk freitags nach den regulären Nachrichten um 20 Uhr in einem Wochenrückblick die wichtigsten Nachrichten in "Einfacher Sprache". Das Angebot richtet sich an Menschen, die den üblichen Sendungen nicht ohne Weiteres folgen können - aus den verschiedensten Gründen.

US-WahlBitte nachzählen

In drei Bundesstaaten der USA muss nach der Präsidentschaftswahl noch einmal ausgezählt werden. Doch das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Weil sich die Wahlverfahren unterscheiden und vom Retro-Wahlcomputer aus den Achtzigern bis zum Feld, das ausgemalt und nicht angekreuzt werden darf, alles dabei ist.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien  Rebellen räumen weiteren Vorort von Damaskus | mehr

Kulturnachrichten

Schauspielerin und Sängerin Gisela May gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Genetik  Nach der Befruchtung regiert die Eizelle | mehr