Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Europäische Banken auf der Kippe

Aufsicht legt heute Stresstest-Ergebnisse vor

Eine Zerreißprobe für die europäischen Geldinstitute. (picture alliance / dpa / Maximilian Schönherr)
Eine Zerreißprobe für die europäischen Geldinstitute. (picture alliance / dpa / Maximilian Schönherr)

Heute Abend werden die Ergebnisse des zweiten europäischen Bankenstresstests erwartet. Die 91 wichtigsten Geldinstitute in der EU, darunter 13 aus Deutschland, sollten darin ihre Widerstandsfähigkeit in einer Krise unter Beweis stellen. Nach ersten Erkenntnissen sind europaweit offenbar bis zu 15 Institute durchgefallen, vor allem aus den Schuldenstaaten Spanien, Griechenland und Irland.

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ist bereits aus dem Rennen. Sie stieg nach einem Streit mit der Aufsichtsbehörde vorzeitig aus dem Stresstest aus. Weiterhin gelten die österreichische Volksbanken-Holding ÖVAG, die HSH Nordbank und die NordLB als gefährdet.

Helaba scheitert an geringem Kernkapital

Bei dem Stresstest müssen die Banken darlegen, dass sie auch dann bestehen können, wenn sich die wirtschaftliche Lage drastisch verschlechtert. Sollten sie durchfallen, haben sie drei Monate Zeit, ihr Eigenkapital aufzustocken. Wenn sie das nicht können, bekommen sie staatliche Kapitalhilfen. Dadurch soll das Vertrauen von Anlegern und Politikern in die Institute gestärkt werden.

Im Mittelpunkt der verschiedenen Szenarien steht die Kernkapitalquote, die sich aus dem Eigenkapital der Bank und den gewährten Kundenkrediten ergibt. Sie muss in jedem Fall bei mindestens fünf Prozent liegen. Damit verlangt die neu geschaffene Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) mit Sitz in London einen Prozentpunkt weniger als beim ersten Stresstest im Jahr 2010. Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital sind zudem nicht mehr zulässig. Dazu zählen zum Beispiel sogenannte Stille Einlagen, bei denen die Geldgeber nach außen nicht in Erscheinung treten.

Bei der Helaba ist das Land Hessen mit einer Stillen Einlage von 1,92 Milliarden Euro beteiligt. Ohne sie kommt die Landesbank auf eine Kernkapitalquote von lediglich vier Prozent - und hat damit den Test nicht bestanden. Die deutsche Bankenbranche äußerte sich kritisch über die aus ihrer Sicht zu harten Kriterien.

Bankenverband: Stresstest verdeutlicht "Robustheit der Geldinstitute"

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Banken, Michael Kemmer, meint dagegen, dass der europäische Stresstest die Robustheit der Geldinstitute verdeutlicht. Die Ergebnisse würden "auf jeden Fall relevante Aussagen (…) über die Widerstandsfähigkeit der Gesamtmärkte" liefern, sagte er im Deutschlandfunk.

Er sei allerdings darüber besorgt, dass die EBA zu viele Details über die Investitionen der einzelnen Kreditinstitute bekannt geben wolle. Dies könne den Markt überfordern und Spekulationen anheizen.

Auch der Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick begrüßt die strengen Vorgaben der europäischen Finanzaufsicht. "Vertrauen schafft man nur, wenn man harte Kriterien anlegt", sagte er im Deutschlandradio Kultur. Im Gegensatz zu Michael Kemmer hält er die Veröffentlichung der Ergebnisse für notwendig, damit "die Marktteilnehmer auch wirklich wissen: bei den Banken wird nichts mehr anbrennen".

Wie der Stresstest funktioniert und was genau die EBA untersucht erklärt die DLF-"Hintergrund"-Redaktion.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Lange Nacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Sahra Wagenknecht"Europa ist wesentlich unsozialer und brutaler geworden"

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht. (Imago / Metodi Popow)

Nach dem britischen Votum für einen Brexit hat die Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Sahra Wagenknecht, ein sozialeres Europa angemahnt. Gerade Regionen mit einer hohen Arbeitslosigkeit hätten für den Austritt aus der EU gestimmt, sagte sie im DLF. Der Sozialstaat dürfe nicht weiter zerstört, sondern müsse wiederhergestellt werden.

Reaktionen in den USADie Beziehung zu den Briten kühlt ab

US-Präsident Obama wirbt in einer außenpolitischen Rede in Hannover für einstarkes und geeintes Europa. (AFP PHOTO/ Jim Watson)

Washington reagiert besorgt auf das Brexit-Votum. Nicht nur zu Großbritannien wird die Beziehung der USA komplizierter, sondern auch zur EU. Innenpolitisch könnte allerdings einer profitieren.

Referendum als perfekter Serien-TwistGame of Brexit

Leave! Bei Game of Thrones wäre die Brexit-Abstimmung der perfekte Cliffhanger gewesen. Und wie in der Serie verlieren die Guten viel zu oft. Unser Autor Stephan Beuting ist trotzdem gaaanz leicht optimistisch.

Multimedia-ReportageGrimme Online Award für Deutschlandradio Kultur

Tausende Sizilianer zogen in den 1960er-Jahren nach Solingen, um dort zu arbeiten. Was wurde aus ihrem Heimatgefühl, was aus ihren Träumen? Darum geht es in der ausgezeichneten Multimedia-Reportage.

Der Grimme Online Award geht unter anderem an eine Multimedia-Reportage vom Deutschlandradio Kultur. "Trappeto-Solingen-Trappeto" erzählt von Zuwanderern aus Sizilien, die nach Solingen kamen.

EU-Austritt Großbritanniens"Schotten könnten Unabhängigkeit vom Königreich verlangen"

Graham Watson, Vorsitzender der Liberalen-Fraktion im Europäischen Parlament (ALDE) (imago stock & people)

In Schottland hat es beim Referendum eine große Mehrheit für den Verbleib in der EU gegeben. Wenn die Engländer nun auf den EU-Austritt bestünden, dann könnte es dazu kommen, dass es kein Vereinigtes Königreich mehr geben werde, sagte Graham Watson, britischer Abgeordneter der Liberaldemokraten im EU-Parlament, im DLF.

BayernVom Freistaat zum freien Staat?

Sogenannte "Schellenrührer" ziehen am beim Faschingstreiben in Mittenwald durch den Ort. Mit dem Lärm der großen Kuhglocken sollen nach altem Brauch die bösen Wintergeister ausgetrieben werden. (dpa / picture alliance /  Angelika Warmuth)

Bayern ist zwar nicht Großbritannien - doch für mehr Unabhängigkeit vom Bund sprechen sich rund 40 Prozent der Bayern aus. Folgt nach dem Brexit bald der bayerische Ausstieg?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  Schulz fordert Austrittsantrag Großbritanniens für Dienstag | mehr

Kulturnachrichten

Homosexuelle wollen vor türkischer Botschaft protestieren  | mehr

Wissensnachrichten

Evolution  Haare, Federn und Schuppen haben ziemlich viel gemeinsam | mehr