Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ex-CIA-Techniker bekennt sich zu NSA-Datenenthüllungen

29-Jähriger hofft nun auf Asyl in Hongkong

Der frühere CIA-Techniker steckt hinter den Enthüllungen. (Praxis Films / Laura Poitras / Youtube)
Der frühere CIA-Techniker steckt hinter den Enthüllungen. (Praxis Films / Laura Poitras / Youtube)

Die Aufdeckung des Spionage-Programms des US-Geheimdienstes geht auf das Konto eines jungen US-Amerikaners. Der Techniker Edward Snowden hat sich inzwischen selbst enttarnt. Wer ist der Mann, der die mächtigsten Geheimdienste der Welt gegen sich aufbrachte?

Der 29-jährige Snowden gab sich auf der Internetseite der britischen Zeitung "The Guardian" zu erkennen. In einem Video-Interview sagte er, er habe nicht die Absicht, sich zu verstecken, denn er habe nichts Falsches gemacht. Die Spionage durch die US-Behörden bei Online-Diensten wie Facebook, Google und Co. hat Snowden nach eigenen Angaben offengelegt, da er nicht zulassen könne, dass die US-Regierung Privatleben, Internetfreiheit und grundlegende Freiheiten zerstöre. Er kritisierte, dass US-Präsident Barack Obama die Politik seines Vorgängers George W. Bush fortsetze.



Snowden: "Sie haben keine Ahnung, was alles möglich ist"

In den vergangenen vier Jahren hatte der 29-Jährige nach eigenen Angaben als Angestellter von Subunternehmen für den US-Geheimdienst NSA gearbeitet. Die Spionage-Möglichkeiten der NSA kommentierte er mit den Worten: "Sie haben keine Ahnung, was alles möglich ist." Aber er wolle nicht in einer Welt leben, in der alles, was er mache und sage, aufgenommen werde. Snowden hatte in Hongkong mit dem "Guardian" gesprochen. Er hofft nun darauf, dass er dort Asyl bekommt und nicht an die USA ausliefert wird. Denn über Konsequenzen, die ihm durch die brisanten Enthüllungen drohen könnten, ist er sich bewusst: "Ich glaube nicht, dass ich mein Zuhause jemals wiedersehen werde."

Vor der Selbstenttarnung des früheren NSA-Mitarbeiters hatte US-Geheimdienstkoordinator James Clapper strafrechtliche Ermittlungen gegen den Informanten des "Guardian" angekündigt. Das Blatt hatte gemeinsam mit der US-Zeitung "Washington Post" berichtet, die NSA und die Bundespolizei FBI hätten direkten Zugriff auf Server großer Internetfirmen – darunter Google, Facebook, Yahoo, Microsoft und Apple. Dadurch könnten die Behörden die Aktivitäten von Nutzern auf der ganzen Welt überwachen.

Beratungen zur Datenspionage in Parlamenten

Die Chefs von Google und Facebook bestritten, von einer Überwachung und Auswertung der Daten ihrer Nutzer gewusst zu haben. Laut US-Präsident Barack Obama war das Programm mit dem Namen "PRISM" vom Kongress gebilligt worden. Derzeitige und frühere US-Geheimdienstoffizielle rechnen laut einem Bericht der "Washington Post" damit, dass nun die Sicherheitsmaßnahmen bei CIA und NSA verschärft werden.

In Europa lösten die Enthüllungen Kritik aus: Die Regierungen in Berlin und London kündigten Beratungen in den Parlamenten an. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte im WDR-Interview, dass sich die Bundesregierung für einen Stopp solcher Programme einsetzen müsse.

Mehr auf dradio.de:

"Ich glaube, es gibt niemanden, der kein mulmiges Gefühl hat" - Bernhard Rohleder, der Geschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom, sieht weiteren Aufklärungsbedarf
Das Datensammeln "weckt Begehrlichkeiten" - Alexander Graf Lambsdorff über die Abhör-Affäre in den USA
Datenschützer: USA haben keine validen Datenschutzgesetze im Privatbereich - Weichert kritisiert Spionage bei Internetfirmen durch US-Behörden
Kommentar: Wehren gegen den Zugriff des Staates - US-Geheimdienst sammelt Daten der Internetkonzerne



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Wirtschaft und Gesellschaft

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Jesidin in Deutschland"Es ist Angst, Angst, Angst"

Teilnehmer des Kulturtages der Jesiden sitzen am 20.08.2016 in einem traditionellen Zelt in Celle (Niedersachsen). Die gr (dpa)

Die Jesidin Irina Badavi erlebte ihre Ehe als Leidensweg. Ihr Mann vergewaltigte und verprügelte sie, Solidarität von anderen Familienmitgliedern blieb aus. Badavi macht die Religion mitverantwortlich für die Gewalt. Seit sie ihre Erfahrungen öffentlich gemacht hat, gilt sie als Verräterin.

Die Rhetorik des Joachim GauckBetroffenheit durch Kunstpause

Gauck mit ernstem Blick vor einem Weihnachtsbaum und einer Bundesfahne. (Markus Schreiber / dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck geht - und mit ihm ein ganz spezieller Redestil: pastoral, menschelnd, bedeutungsschwanger. Wie macht er das? Wir haben den Kulturwissenschaftler Gernot Wolfram nach den rhetorischen Kniffen des Präsidenten gefragt.

"Der Geschmack von Laub und Erde"Das Leben aus der Perspektive eines Tieres

Ein Dachs im Tierpark Eeckholt in der Nähe des schleswig-holsteinischen Großenaspe. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

Skurrile Zivilisationsflucht: Tierarzt Charles Foster lebt versuchsweise wie ein Tier im Wald. Das gestattet ihm einen neuen Blick aufs eigene Menschsein. Seinen augenzwinkernden Bericht lesen auch Zivilisationsfreunde mit Gewinn.

WikileaksObama begnadigt Whistleblowerin Manning

ARCHIV - HANDOUT - Die ehemalige Wikileaks-Informantin Chelsea Manning (undatierte Aufnahme) mit Perücke. Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat die 35-jährige Haftstrafe für die Whistleblowerin Manning verkürzt. Die ehemalige Wikileaks-Informantin solle das Gefängnis am 17. Mai 2017 verlassen dürfen, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. (U.S. Army / dpa - Bildfunk+++)

Nur wenige Tage vor seinem Ausscheiden als US-Präsident hat Barack Obama die Haftstrafe für die Whistleblowerin Chelsea Manning deutlich verkürzt. Sie soll schon im Mai freikommen. Manning hatte vertrauliche Dokumente des US-Militärs an Wikileaks weitergeleitet.

Politische MoralIst Solidarität aus der Mode gekommen?

Königsallee in Düsseldorf (picture alliance / dpa / Foto: Martin Gerten)

Mehr Solidarität wagen! Dafür plädiert die Soziologin Sabine Hark. Sie sagt: Wir brauchen eine Sprache der universellen, politischen Moral - in Zeiten globaler Ungleichheiten mehr denn je.

125. Geburtstag Oliver HardyEin Schwergewicht der Komik

18. Januar 1951: Die legendären Komiker Stan Laurel (l) und Oliver Hardy (r) mit einer Geburtstagstorte im Billancourt Studio in Paris. (picture alliance / dpa / keystone)

Oliver Hardy, das war der Dick im legendären Duo "Stan und Ollie", in Deutschland vor allem bekannt als "Dick und Doof". Seine Lebensrolle als großspuriger Möchtegern-Mann-von-Welt, dem bei besten Absichten immer alles misslingt, spielt er fast 30 Jahre.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Terrorabwehr  Minister de Maizière (CDU) will alle Gefährder erneut überprüfen lassen | mehr

Kulturnachrichten

Dokumente des Kölner Stadtarchivs kehren zurück  | mehr

Wissensnachrichten

Hamster  Mütter fressen auf Mais-Diät ihre Kinder | mehr