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Ex-Kammerdiener des Papstes kommt vor Gericht

Weiterer Beschuldigter in der "Vatileaks"-Affäre

Gegen Paolo Gabriele, Ex-Kammerdiener des Papstes, wird Anklage erhoben.
Gegen Paolo Gabriele, Ex-Kammerdiener des Papstes, wird Anklage erhoben.

In der Enthüllungsaffäre "Vatileaks" muss sich der beschuldigte ehemalige Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. wegen schweren Diebstahls vor Gericht verantworten. Außerdem wird Anklage gegen einen weiteren Beschuldigten erhoben, teilte der Vatikan in Rom mit.

Es handelt sich laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa um Claudio Sciarpelletti, einen Informatiker aus dem päpstlichen Staatssekretariat. Ihm wird Beihilfe zum Diebstahl zur Last gelegt. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi betonte aber, dass dieser nicht als Komplize zu sehen sei, da seine Vergehen weitaus weniger gravierend seien als die des früheren Kammerdieners. Der Informatiker war nach einer Nacht wieder aus der Haft entlassen worden.

Es hatte immer mal wieder Mutmaßungen gegeben, dass mehr Personen in die Enthüllungsaffäre verwickelt sein könnten. Bislang hatte der Vatikan aber immer betont, es werde allein gegen den ehemaligen Diener ermittelt.

Interne Papiere weitergegeben

Die Affäre hatte zu Beginn des Jahres für Schlagzeilen gesorgt und unter anderem die Machtkämpfe im Umfeld von Papst Benedikt XVI. beleuchtet. Dem Hauptangeklagten, Ex-Kammerdiener Paolo Gabriele, wird vorgeworfen, vertrauliche Dokumente vom päpstlichen Schreibtisch entwendet zu haben, von denen einige brisante in die Medien gelangten. Darunter waren Unterlagen zu einem angeblichen Mordkomplott gegen den Papst und zu umstrittenen Geschäften der Vatikan-Bank IOR.

In Gabrieles Wohnung seien außerdem ein auf Benedikt XVI. ausgestellter Scheck über 100.000 Euro, ein Goldstück und ein Buch aus dem 16. Jahrhundert - ein Gastgeschenk für den Papst - gefunden worden, berichtet der ARD-Korrespondent Stefan Troendle im Deutschlandfunk. Gabrieles Anwalt sagte der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge, sein Mandant habe nichts von dem Scheck gewusst und auch nie vorgehabt, diesen einzulösen.

Gabriele war im Mai festgenommen worden. Er selbst hatte gestanden, Unterlagen an Medien weitergegeben zu haben. Der 46-Jährige saß zunächst 53 Tage lang in Haft, bevor er im Juli unter Hausarrest gestellt wurde. Er hatte seit dem Jahr 2006 für den Papst gearbeitet. Gabriele war einer der wenigen Vertrauten des Oberhaupts der katholischen Kirche, die Zugang zu dessen Privaträumen hatten.

Bei einer Verurteilung drohen Gabriele nach vatikanischem Recht sechs bis acht Jahre Haft. Die Ermittlungen zu den Hintergründen von "Vatileaks" sind laut Lombardi aber mit der Anklageerhebung immer noch nicht beendet. So könnte es möglicherweise weitere Ermittlungen zu Hintermännern geben. Nach Informationen von Radio Vatikan wird der Prozess gegen die beiden Angeklagten voraussichtlich im Oktober beginnen. Psychatrische Gutachten Gabrieles seien zu dem Schluss gekommen, der Familienvater habe seelische Probleme.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

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