Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ex-RAF-Terroristin Becker will aussagen

Wende im Prozess um Mord an Generalbundesanwalt

Der Tatort mit den zugedeckten Leichen von Siegfried Buback (vorne links) und seines Fahrers Wolfgang Göbel (dpa / Heinz Wieseler)
Der Tatort mit den zugedeckten Leichen von Siegfried Buback (vorne links) und seines Fahrers Wolfgang Göbel (dpa / Heinz Wieseler)

Nur wenige Mordfälle beschäftigen die Nation so lange wie der Anschlag auf den früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback vor mehr als 30 Jahren. Wer ihn erschossen hat, ist bis heute ungeklärt. Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker kündigte nun überraschend an, im Prozess gegen sie ihr Schweigen zu brechen.

Als Mitglied der früheren Terrorvereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) wird ihr Mittäterschaft an dem Mordanschlag auf Buback und zwei seiner Begleiter am 7. April 1977 vorgeworfen. Die Tat gilt als Auftakt des Terrorjahres 1977.

Zum Tatvorwurf hat Becker im Prozess gegen sie seit September 2010 kein Wort gesagt. Nun kam der Paukenschlag in diesem schleppenden Prozess: Becker werde sich am 14. Mai "umfassend zur Sache äußern", kündigten ihre Verteidiger vor dem Oberlandesgericht Stuttgart an. "Sie kann einige Sachen so nicht stehen lassen", sagte ihr Anwalt. "Sie wird sich nicht verstecken." Nach ihrer 15 bis 20 Minuten langen Erklärung wolle sie aber keine Fragen beantworten.

"Sie wird sagen: Ja oder Nein"

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker vor Gericht (AP)Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker vor Gericht (AP)Was die heute 59-Jährige konkret aussagen will, ließen ihre Verteidiger offen. "Sie wird sagen: Ja oder Nein". Die frühere Terroristin soll laut Anklage "maßgeblich an der Entscheidung für den Mordanschlag, an dessen Planung und Vorbereitung sowie der Verbreitung der Selbstbezichtigungsschreiben mitgewirkt haben".

Der Sohn des RAF-Opfers, Michael Buback, ist überzeugt, Becker selbst hatte seinen Vater ermordet. Hierfür ergab der Prozess keine belastbaren. Der Sohn tritt als Nebenkläger auf. Er hatte 2008 das Buch "Der zweite Tod meines Vaters" veröffentlicht, was als einer der Anlässe für den neuen Prozess gilt. "Das Kritische ist ja, dass Verena Becker einerseits eine dringend tatverdächtige Person ist und gleichzeitig eine Informantin des Bundesamtes für Verfassungsschutz", hatte Buback nach der Veröffentlichung des Buches im Deutschlandfunk gesagt.

"Natürlich ist das sehr wichtig, dass Frau Becker sich äußert", sagte Michael Buback nun. "Ich gehe davon aus, dass sie auf jeden Fall weiß, wer die Täter auf dem Motorrad waren." Das Motorrad mit zwei vermummten Personen hatte neben dem Dienstwagen des früheren Generalbundesanwalts an einer Ampel gestoppt. Dass sie dieses Wissen über die Täter preisgeben wird, damit rechnet Buback allerdings nicht. "Ich habe keine Hoffnung, dass sie etwas Erhellendes zu den Umständen sagen wird."

Urteil im Juni erwartet

Ein 1975 von der Polizei herausgegebenes Foto zeigt die frühere RAF-Terroristin Verena Becker. (AP)Ein 1975 von der Polizei herausgegebenes Foto zeigt die frühere RAF-Terroristin Verena Becker. (AP)Mit einem Urteil ist nicht mehr vor Pfingsten zu rechnen. Das Gericht hatte erkennen lassen, dass auch eine Verurteilung wegen Beihilfe in Betracht komme - sofern es überhaupt zu einer Verurteilung kommt.

Die Bundesanwaltschaft stützt ihren Verdacht der Mittäterschaft unter anderem auf DNA-Spuren Beckers an Bekennerbriefen zum Anschlag. "Ich schaue ihrer Aussage mit Interesse entgegen", sagte Bundesanwalt Walter Hemberger. "Warten wir ab, was sie sagen wird, dann sehen wir weiter."

Der RAF-Aussteiger Peter-Jürgen Boock hatte in dem Prozess ausgesagt, Becker habe den Mord damals für richtig gehalten und "vehement unterstützt". Sie sei aber keine Wortführerin gewesen und habe in der Gruppe auch "keine herausragende Rolle gespielt".

Becker wurde 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt, weil sie und ein weiterer RAF-Terrorist bei einer Personenkontrolle auf zwei Polizisten schossen und schwer verletzten. Bei der Festnahme wurde bei Becker auch die Tatwaffe gefunden, mit der Buback ermordet wurde. Bei den Ermittlungen zum Buback-Mord hatte es einige Ungereimtheiten gegeben. Bundespräsident Richard von Weizsäcker hatte Becker 1989 begnadigt. Wegen des neuen Prozesses wurde sie im August 2009 festgenommen; drei Monate später kam sie aufgrund ihrer Beschwerde aus der Untersuchungshaft frei.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Literatur

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

SprachforschungDu bist, was du sprichst

Sprache ist mehr als ein bloßes Kommunikationsmittel. Unsere Sprache spielt für unsere Identität eine sehr große Rolle, glauben Sprachforscher. Sie steht in engem Zusammenhang mit unserer Wahrnehmung und unseren Denkstrukturen. 

Eine Lange Nacht über das BierDa braut sich was zusammen

Ein naturtrübes Pils wird am 16.02.2016 in Mannheim im Technoseum in der Ausstellung "Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot" von einer Bierflasche in ein Bierglas geschüttet.  (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)

Bier gilt - neben Wasser und Tee - als das am weitesten verbreitete Getränk der Welt. Noch immer ist es das beliebteste Getränk der Deutschen, obwohl sein Absatz zuletzt schwächelte.

AfghanistanErzwungene Rückkehr in den Krieg

In langen Reihen stehen die Lastwagen mit dem Hab und Gut der Rückkehrer aus Pakistan auf einem freien Gelände vor dem UN-Registrierungszentrum. Rund 7.000 Menschen kommen derzeit laut UNHCR täglich in Afghanistan an. (Jürgen Webermann / ARD New Delhi)

Nach dem Einmarsch der Sowjetunion 1979 flohen viele Afghanen ins Nachbarland Pakistan. Nachdem sich die politischen Beziehungen beider Länder aber immer mehr verschlechtern, will Pakistan nun die afghanischen Flüchtlinge loswerden. Sie müssen in ein Land, in dem noch immer Krieg herrscht.

Kekse & Co.Wahlkampf an der Backröhre

Frisch gebackene Kekse (Deutschlandradio Kultur / Sonja Beeker)

Man mag es nicht glauben, aber die politische Weltlage hat die Echtzeit-Redaktion veranlasst, sich mit Keksen und Kuchen zu beschäftigen. Denn: Der Wahlkampf in den USA wird auch in der Backröhre ausgetragen, beim "Presidential Cookie Poll".

Deutsche Einheit"Alle sind das Volk"

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich steht zur Eröffnung des Bürgerfestes in Dresden auf einer Bühne. Im Publikum davor befinden sich auch zwei Polizei-Beamte. (Sebastian Kahnert, dpa-picture alliance)

Die Bundeskanzlerin fordert zum Auftakt der Einheitsfeierlichkeiten, sich den Rechten entgegenzustellen, die "Wir sind das Volk" rufen. Und sie lobt ausdrücklich den Umgang der sächsischen Regierung und der sächsischen Gesellschaft mit solchen Strömungen.

PartnerwahlGeist ist geil

Ein Trend in immer mehr Dating-Apps ist die Kategorie "sapiosexuell". So bezeichnen sich Menschen, denen Wissen und Intellekt bei der Partnersuche offenbar wichtiger ist, als das Aussehen. Eine Stunde Liebe beschäftigt sich mit dieser geistreichen Vorliebe.
      
      

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kolumbien  Farc will Opfer entschädigen - Referendum über Friedensvertrag | mehr

Kulturnachrichten

Jugendangebot von ARD und ZDF geht online  | mehr

Wissensnachrichten

Raumsonde  Rosettas letztes Bild | mehr