Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Explosion vor UN-Konvoi in Syrien

Annans Friedensplan droht das endgültige Scheitern

UN-Konvoi mit Blauhelm-Beobachtern auf dem Weg durch Damaskus (picture alliance / dpa / Sana Handout)
UN-Konvoi mit Blauhelm-Beobachtern auf dem Weg durch Damaskus (picture alliance / dpa / Sana Handout)

Kofi Annan hält eine Waffenruhe für die "letzte Chance für Syrien". Doch die Gewalt eskaliert: Ein UN-Konvoi wurde angegriffen, Regierungstruppen und Regimegegner liefern sich tödliche Gefechte, Aufständische drohen mit Angriffen.

Gestern noch hatte der UN-Sonderbeauftragte Kofi Annan gewarnt: Sollte sein Sechs-Punkte-Plan nicht umgehend umgesetzt werden, dann drohe Syrien endgültig der Bürgerkrieg. Heute wurden die UN-Beobachter, die die in Annans Plan festgelegt Waffenruhe vor Ort überprüfen sollen, selbst zu Opfern des Konfliktes.

In der Provinz Daraa im Süden des Landes kam es in unmittelbarer Nähe eines UN-Konvois zu Explosionen. Mehrere syrische Soldaten wurden verletzt. Der Chef der UNO-Beobachtergruppe in Syrien, General Robert Mood befand sich an Bord des Konvois, blieb aber nach Agenturangaben unverletzt.

Rebellen töten sieben Milizen

Syrische Rebellen töteten nach eigenen Angaben am Vormittag sieben regierungstreue Milizen, die in einem Bus in einem Vorort von Damaskus zu einem Kampfeinsatz unterwegs gewesen seien. Der Chef der Freien Syrischen Armee, Riad al-Assad, drohte laut einem Medienbericht mit neuen Angriffen. Mit Blick auf den anhaltenden Bruch der Waffenruhe sagte er: "Unsere Leute verlangen, dass wir sie verteidigen", sagte er der in London ansässigen Zeitung "Asharq al-Awsat".

Aktivisten zufolge soll die syrische Armee erneut die Rebellenhochburg Duma nordwestlich von Damaskus unter Beschuss genommen haben. Auch im Damaskus' Stadtteil al-Maissat soll geschossen werden. Von einem Toten und Explosionen in der grenznahen Provinz Idlib im Norden Syriens ist die Rede.

Annan: Waffenruhe "letzte Chance"

Der Sonderbeauftragte der UNO und der Arabischen Liga für Syrien, Kofi Annan, trifft in Damaskus ein (picture alliance / dpa / str)Der Sonderbeauftragte der UNO und der Arabischen Liga für Syrien, Kofi Annan (picture alliance / dpa / str)In New York hatte Kofi Annan gestern seinen Sechs-Punkte-Plan als möglicherweise "letzte Chance zur Vermeidung eines Bürgerkriegs" bezeichnet. "Wenn er ohne Erfolg bleibt und ein Bürgerkrieg ausbricht, beträfe es nicht nur Syrien, sondern hätte enorme Auswirkungen auf die gesamte Region", sagte der gemeinsame Gesandte von UNO und Arabischer Liga für Syrien.

Der Plan sieht unter anderem die Entsendung von 300 Blauhelm-Soldaten nach Syrien vor, die die Einhaltung der Waffenruhe überprüfen sollen. Etwa 65 Blauhelm-Soldaten sind bereits vor Ort, die weitere Entsendung läuft schleppend, vor allem weil die syrischen Behörden nach UN-Angaben die Einreise erschweren. Laut "Spiegel Online" sollen auch bis zu zehn Bundeswehrsoldaten an dem Beobachtungseinsatz teilnehmen. Das Kabinett wolle darüber in Kürze entscheiden.

Zwischen 9000 und 12.000 Tote

UN-Beobachter im Gespräch mit Bürgern in Damakus, Syrien, Mai 2012 (picture alliance / dpa / Sana / Handout)UN-Beobachter im Gespräch mit Bürgern in Damakus, Syrien, Mai 2012 (picture alliance / dpa / Sana / Handout)In etlichen Teilen des Landes gehen die militärischen Auseinandersetzungen ungeachtet des Blauhelm-Einsatzes weiter. Die Zahl der Menschen, die seit Beginn des Aufstandes gegen das Regime von Baschar al-Assad getötet wurden, schwankt je nach Quelle zwischen 9000 und 12.000. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch sprechen auch von Gräueltaten.

Rotes Kreuz: Syrien ist teilweise Bürgerkriegsland

Nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuze (IKRK) herrscht in einigen Teilen des Landes bereits Bürgerkrieg. IKRK-Chef Jakob Kellenberger erklärte, die Gewalt in Homs und Idlib erfülle die drei Kriterien seiner Organisation für einen derartigen Konflikt: Intensität, Dauer und Organisierungsgrad der Rebellen. Das Rote Kreuz versorgt gemeinsam mit dem Syrischen Roten Halbmond derzeit rund 100.000 Hilfsbedürftige in Syrien mit Lebensmitteln.

USA wollen Rebellen weiter unterstützen

Dr. Susan E. Rice , UN-Botschafterin der USA (picture alliance / dpa / epa Michael Reynolds)Dr. Susan E. Rice, UN-Botschafterin der USA (picture alliance / dpa / epa Michael Reynolds)Die USA haben derweil weitere Unterstützung für die Rebellen zum Sturz des Assad-Regimes zugesagt. Die UN-Botschafterin der Vereinigten Staaten, Susan Rice, kündigte an, es werde jedoch keine Beihilfen zur Tötung von Gegnern geben.

Vergangene Woche hatte das Assad-Regime mit der Durchführung von Parlamentswahlen scharfe internationale Kritik auf sich gezogen. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums erklärte, die Abstimmung grenze "ans Groteske" angesichts der derzeitigen Lage in Syrien. Die Opposition hatte die Wahl boykottiert.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:15 Uhr Andruck - Das Magazin für Politische Literatur

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:15 Uhr Redaktionskonferenz

Aus unseren drei Programmen

Konföderation von Israel und Palästina"Eine Zukunft kann es nur gemeinsam geben"

Ein Grenzzaun in der Nähe der palästinensischen Stadt Beit Jala (Sabine Adler )

"Zwei Staaten - ein Heimatland" heißt eine Initiative von Israelis, die für eine Konföderation von Israel und Palästina kämpft. In echten Begegnungen lernen beide Seiten, das Recht auf Heimat des anderen anzuerkennen.

Dobrindt zur Regierungsbildung"Ich will diese Große Koalition mit der SPD"

Alexander Dobrindt telefoniert, im Hintergrund der Schriftzug CSU auf blauem Hintergrund. (dpa / Sven Hoppe)

Alexander Dobrindt begrüßt die Bereitschaft der SPD zu Sondierungsgesprächen für eine Große Koalition. Nun gehe es darum, ein Zukunftsprojekt für Deutschland zu beschreiben, sagte der CSU-Politiker im Dlf. Allerdings sei er sich nicht sicher, ob die SPD wirklich die Kraft dazu habe.

Philosophischer WochenkommentarEin Lob der Weltflucht

Ein Mann steht auf einem Steg am Gardasee in Italien, in Lazise. (imago/Westend 61)

Für Realitätsverweigerer hat Arnd Pollmann Verständnis: Sie zeichneten sich aus durch ihren Willen zur Abwesenheit. Auch wenn sie oft passiv und weltabgewandt erschienen, ihre utopischen Tagträume hätten das Potenzial ganze Welten zum Einsturz zu bringen.

InformationsgewinnungWozu noch Bibliotheken?

Blick in die Bibliothek mit Büchern auf Borden, stuckverzierten Wänden, Durchgängen und einer Empore (imago / Jürgen Ritter)

Als Informationsquelle ist das Internet schnell, vernetzt und für jeden zugänglich. Bibliotheken stehen hingegen für Dauer, Ordnung und Konzentration. Doch welchen Wert haben diese Eigenschaften im 21. Jahrhundert? Eine Spurensuche im Netz und in altehrwürdigen Gemäuern.

Schriftsteller und ihre PseudonymeDie Lizenz zur Lüge

Tippen auf einer alten Schreibmaschine (imago / Busse )

Pseudonyme sind wie kleine Menschen. Es ist gefährlich, Namen zu erfinden – ein Name lebt", schrieb Kurt Tucholsky, der unter anderem als Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel Texte veröffentlichte. Wozu dieses Versteckspiel vieler Autoren hinter Pseudonymen?

Vor 25 Jahren gestorbenGünther Anders - ein konservativer Revolutionär

Günther Anders (links) erhält bekommt 13. September 1983 den Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt überreicht  (picture-alliance / dpa / UPI)

Er war überzeugter Pazifist, Philosoph und Schriftsteller: Günther Anders. Von den Nazis vertrieben, protestierte er aus dem US-Exil gegen den Einsatz der Atombombe. Zurück in Europa kämpfte Anders gegen den Vietnamkrieg, initiierte die Anti-Atom-Bewegung und kritisierte die Folgen der Technologie.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Verwirrung um Mesale Tolu | mehr

Kulturnachrichten

Mammutskelett zurück in Halle  | mehr

 

| mehr