Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Expo 2017" geht nach Kasachstan

Trotz Missachtung der Menschenrechte

Von Gesine Dornblüth

Die kasachische Hauptstadt Astana ist der nächste Ort für die Expo 2017. (picture alliance / dpa / Ekaterina Chesnokova)
Die kasachische Hauptstadt Astana ist der nächste Ort für die Expo 2017. (picture alliance / dpa / Ekaterina Chesnokova)

Das internationale Büro der Weltausstellung hat bekannt gegeben, dass die Expo 2017 nach Astana, in die Hauptstadt von Kasachstan, geht. Das wird die erste Expo in einer zentralasiatischen Stadt. Zentralasien erfährt derzeit einen wirtschaftlichen Aufschwung. Medien und Opposition sind in der Region aber stark in ihren Rechten eingeschränkt.

Nursultan Nazarbajew, Präsident Kasachstans, gratulierte seinen Mitbürgern gestern zu dem, wie er sagte, "großen Sieg" seines Landes. Mehr als 100 Länder sollen an der Expo 2017 teilnehmen. Kasachstan versucht seit Jahren, sich international zu profilieren. Mit wachsendem Erfolg. 2010 hatte das Land den Vorsitz der OSZE. In Astana fand auch der OSZE-Gipfel statt. Astana ist erst seit 15 Jahren Hauptstadt, mitten in der Steppe ist dort eine Glitzermetropole mit hochmodernen Wolkenkratzern entstanden. Nun also die Weltausstellung. Das Motto: Energien der Zukunft.

Kasachstan verdankt den wachsenden Einfluss vor allem seinen enormen Gas- und Ölvorkommen. Das zentralasiatische Land beliefert unter anderem die EU. Und die Führung des Landes gibt sich zunehmend selbstbewusst. Präsident Nazarbajew in einem Fernsehinterview:

"Die westliche Ideologie, die westliche Kultur, und die ganze Art, wie sie ihren Leuten im Westen beigebracht haben, ihr System sei das Beste. Das hat funktioniert, als es die Sowjetunion noch gab und unter den Kommunisten alles schlecht war. Jetzt funktioniert es nicht mehr. In Kasachstan gibt es alle Bedingungen für ausländische Investitionen. Die Wirtschaft ist frei."

Die Menschen in Kasachstan sind dagegen weniger frei. Nazarbajew regiert das Land bereits seit dem Ende der Sowjetunion, und zwar mit harter Hand. In diesen Tagen geht die Justiz gegen eine Reihe oppositioneller Zeitungen vor. Tamara Kalejewa von der internationalen Stiftung Das Offene Wort in Kasachstan sagte dem Deutschlandradio:

"Das ist eine regelrechte Kampagne. Alle oppositionellen Publikationen sollen geschlossen werden: 10 Zeitungen und 23 Internetseiten. Die Staatsanwaltschaft missachtet dabei das Gesetz. Sogar der Zugang über Google, Twitter und Facebook soll blockiert werden."

Kalejewa meint, der Druck auf die Presse sei seit Jahren immer stärker geworden.

"Etwa zehn Journalisten sitzen wegen ihres Berufes im Gefängnis. Gegen viele Zeitungen werden Geldstrafen verhängt. Unabhängige Ausgaben zu registrieren, wird immer schwieriger. Alle unabhängigen Fernseh- und Radiosender wurden geschlossen."

Nazarbajew selbst sagt offen, dass er mit der Demokratie so seine Schwierigkeiten hat.

"Wir haben vielleicht noch nicht das Demokratieniveau der entwickelten Staaten erreicht; aber unsere Bevölkerung ist auch nicht zu scharfen Veränderungen bereit. Die Löhne sind niedrig, und wir fürchten, dass die Menschen die Demokratisierung mit der Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen verbinden könnten – so wie das in Russland in den 90er-Jahren passiert ist. In unserem Nachbarland Kirgistan hat die volle Freiheit zu Unruhen geführt. Wir sagen: Erst kommt die Wirtschaft, dann die Politik. Da muss man Schritt für Schritt vorgehen."

Nazarbajew gab sich gestern zuversichtlich, dass die Expo 2017 in Astana einen Impuls für den globalen Energiemarkt geben werde. Tamara Kalejewa von der Stiftung Offenes Wort hält die Weltausstellung dagegen für rausgeworfenes Geld.

"Da werden riesige Summen ausgegeben, um den Ausländern Sand in die Augen zu streuen. Die Expo ist nicht im Interesse des Landes. Das ist nichts als verlogene PR. Da werden Milliarden hinausgeworfen, um Astana noch weiter herauszuputzen, während andere Städte verkommen – ganz zu schweigen von den ländlichen Regionen."



Mehr bei deutschlandradio.de

 

Links bei dradio.de:

Architektur der Sowjetmoderne
Zukuntsmarkt Osteuropa

 

Externe Links:


 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 08:10 Uhr Interview

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

Reaktionen auf die SaarlandwahlEs gibt nur einen Sieger

Kramp-Karrenbauer schüttelt lachend die Hände von Parteifreunden. (Boris Roessler / dpa)

Richtig Grund zum Jubeln hatte nach der Wahl im Saarland nur einer: Die CDU, die die SPD überraschend deutlich auf Distanz halten konnte. Alle anderen Parteien versuchten danach mit Blick auf die nächsten Wahlen, die Bedeutung nicht allzu hoch zu hängen. Das gilt auch die AfD, die erstmals ins saarländische Parlament einziehen konnte.

Die Linke nach der Saarlandwahl"Ein rot-rot-grünes Bündnis gewinnt an Attraktivität"

Klaus Ernst (Die Linke) spricht am 28.01.2016 im Plenarsaal im Bundestag in Berlin. (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

Die Wahl im Saarland sei keine Absage an ein rot-rotes Bündnis gewesen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, im DLF. Zusammen hätten beide Parteien schließlich mehr Stimmen bekommen als die CDU. Zudem stünden auf Bundesebene ganz andere Themen an, etwa in der Sozialpolitik.

AntiislamismusDer Orient ist Europas Schicksal

Europa auf einem geografischen Globus (picture-alliance / dpa / Felix Hörhager)

Europa und der Orient bilden seit Urzeiten eine geistige und kulturelle Einheit. Wenn Europa nicht ein entsprechendes geopolitisches Narrativ entwickelt und in praktische Politik umsetzt, wird es untergehen.

Vor 110 Jahren öffnete das KaDeWeDas Schaufenster des Westens

Besucher und Kunden am Eingang zum KaDeWe (picture alliance / dpa / Manfred Krause)

1905 beschloss der Unternehmer Adolf Jandorf, im Berliner Westen ein Kaufhaus im Stil des berühmten Harrods in London zu bauen. Auf fünf Etagen lockte er ein begütertes Publikum mit Luxus-Artikeln in die weitläufigen Hallen des KaDeWE. Am 27. März 1907, vor 110 Jahren, öffnete das berühmteste Kaufhaus Deutschlands seine Tore.

Predigten in deutschen MoscheenImmer entlang der roten Linie

Das Bild zeigt das weiße Gebäude vor blauem Himmel.  (Thomas Frey / dpa)

Acht Monate lang hat der Journalist Constantin Schreiber Freitagspredigten in deutschen Moscheen besucht. Was dort gepredigt wird, ist offenbar oft antidemokratisch und auch sonst problematisch. Schreibers Fazit ist ernüchternd.

Verein "Gefangene helfen Jugendlichen"So geht Knast!

Ein Mann schaut aus einer Zelle der Strafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel.  (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Knapp 65.000 Menschen sitzen in Deutschland im Gefängnis, viele von ihnen sind schon als Jugendliche kriminell geworden - so wie Volkert Ruhe. Heute nimmt er junge Menschen für einen Tag mit in den Knast. Jugendliche sollen so davor abgeschreckt werden, auf die schiefe Bahn zu geraten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Amnesty-Bericht  Belege für Hunderte zivile Opfer in Mossul | mehr

Kulturnachrichten

Jelinek-Stück über Donald Trump in New York vorgestellt  | mehr

 

| mehr