Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

EZB-Rat entscheidet über Staatsanleihen

Streit zwischen EZB-Präsident Draghi und Bundesbank-Chef Weidmann

Blick in den Sitzungssaal der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt/Main (AP)
Blick in den Sitzungssaal der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt/Main (AP)

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) entscheidet heute, ob die Institution weitere Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten kaufen soll. Das Thema ist umstritten - die Sitzung gilt als eine der wichtigsten seit Gründung der Währungsunion.

Die 23 Notenbanker wollen über ein neues, an den Finanzmärkten mit Spannung erwartetes Kaufprogramm für Staatsanleihen entscheiden. Das Programm, von EZB-Präsident Mario Draghi auf den Weg gebracht, sieht vor, dass die EZB künftig in großem Stil Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten aufkauft, um den Druck der Finanzmärkte auf überschuldete Euro-Länder zu mildern. Dabei geht es vor allem um Spanien und Italien.

Draghi hatte vergangenen Monat angekündigt, dass er mit an strikte Konditionen geknüpften Anleihenkäufen sicherstellen will, dass die Geldpolitik der EZB nicht durch die Krise und ihre Auswirkungen an den Märkten konterkariert wird.

EZB: Finanzmärkte wetten auf Auseinanderbrechen der Euro-Zone

Nach Ansicht der EZB preisen die Finanzmärkte bei Problemländern wie Spanien und Italien nämlich nicht nur deren schlechtere Bonität im Vergleich zu Deutschland ein, sondern auch ein Wechselkursrisiko, das es in einer Währungsunion eigentlich nicht geben sollte. Somit werde an den Börsen auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone gewettet. Dem müsse sich die Zentralbank entgegen stellen, erklärte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen.

Bundesbank-Chef Jens Weidmann, der als einer Notenbanker im Rat der EZB sitzt, vertritt seit Wochen öffentlich eine andere Position. Er kritisiert, dass die EZB durch die Anleihekäufe den Druck von der Politik nehmen würde, echte Reformen umzusetzen und die Schuldenländer des Südens zu sanieren, indem sie Risiken ohne demokratische Legitimation umverteilen würde.

Außerdem verweist er auf die mittelfristigen Gefahren, die bei einer extrem laxen Geldpolitik drohen. Die Fraktion um Weidmann im EZB-Rat gilt allerdings als zu klein, um das Programm tatsächlich zu kippen. An dem Treffen in Berlin nimmt auch Euro-Gruppenchef Claude Juncker teil. Draghi wird die Gründe für den Beschluss und Details des neuen Anleiheprogramms um 14.30 Uhr in Frankfurt vor der Presse erläutern.

Merkel in Madrid, Leitzinssenkung erwartet

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßt zu Beginn der Kabinettssitzung im Bundeskanzleramt in Berlin den Präsidenten der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann. (picture alliance / dpa - Wolfgang Kumm)Auf einer Linie in Sachen Staatsanleihen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann (picture alliance / dpa - Wolfgang Kumm)Um das Thema wird es auch beim heutigen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Madrid gehen. Berlin lehnt den Anleihenkauf ab, der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy wirbt dafür. Er erklärte, dass die Zinsen derzeit so hoch seien, liege nicht an der spanischen Wirtschaft, sondern am Misstrauen gegenüber dem Euro.

Auf den Finanzmärkten wird auch die heutige Entscheidung des EZB-Rats über den Leitzins mit Spannung erwartet. Zahlreiche Volkswirte erwarteten eine Senkung von derzeit 0,75 auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent - dies ist nach Informationen von Notenbankinsidern aber nicht wahrscheinlich. Zuletzt hatte die EZB den Leitzins im Juli um 0,25 Prozentpunkte reduziert.


Dazu auch auf dradio.de:

Hintergrund: Das Ringen um den Euro <br> Der Disput zwischen EZB und Bundesbank (DLF)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Soziale AngststörungenTherapien besser als Medikamente

Eine Frau sitzt vor einem Laptop und schlägt angesichts von Hassbotschaften per Facebook die Hände vors Gesicht. (imago / Reporters)

Für Menschen mit einer sogenannten sozialen Phobie sind Situationen wie das Vortragen von Referaten extrem belastend. Sie kann erhebliche Folgen, wie etwa einen Schul- oder Studienabbruch, nach sich ziehen. Der Psychotherapieforscher Falk Leichsenring rät von einer medikamentösen Behandlung ab.

Neues vom E-ELTStartschuss für das Riesenauge

Eine Animation des European Extremely Large Telescope (E-ELT) (ESO/L. Calçada)

Das geplante Großteleskop der Europäischen Südsternwarte ESO nimmt zunehmend Gestalt an. So wurde vor einigen Wochen in Mainz der Rohling für den Sekundärspiegel mit einem Durchmesser von 4,20 Metern gegossen.

Neuer Trend: Der Öko-ThrillerDie Ökofrage ist im Mainstream angekommen

Angestellte der staatlichen Ölfirma Petroecuador versuchen ein ölverseuchtes Gebiet des Amazonas zu reinigen. (AFP / RODRIGO BUENDIA)

In aktuellen Thrillern zeichnet sich ein Trend ab: Öko-Themen spielen eine immer größere Rolle - immer häufiger geht es um Öko-Verbrecher oder um Mord an Öko-Helden. Eine kleine Genre-Analyse des Krimi-Experten Ulrich Noller - Empfehlungsliste inklusive.

Gamescom"Computerspiele auf allen Ebenen fördern"

Ein Bild aus dem Computerspiel "The Secret of Monkey Island". (picture alliance/ dpa / Lucas Arts)

Wer es ernst meint mit dem "Kulturgut" Computerspiel, dürfe nicht nur die Interessen der Spieleindustrie im Auge haben, meint der Kulturwissenschaftler Christoph Bareither. Sondern Forschung und seriöser Computerspieljournalismus müssten gefördert werden.

Kinder psychisch kranker Eltern Zu viel Verantwortung und große Einsamkeit

Mädchen sitzt in der Schule auf dem Boden (picture alliance / ZB/Britta Pedersen)

Rund 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen mit sucht- oder psychisch kranken Eltern auf. Oft müssen sie zu früh Verantwortung übernehmen und werden an ihrer freien Entwicklung gehindert. Beratungsstellen bieten Hilfe an - nützen aber vor allem unter einer Voraussetzung.

Zweite Chance für EuropaMehr Demokratie, mehr Rechtsstaat, mehr Gewaltenteilung

Zuschauer mit Europa-Flaggen stehen am 15. Mai 2017 in Berlin vor dem Bundeskanzleramt beim Antrittsbesuch des französischen Präsidenten Macron (picture alliance / Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB)

Die ausgestreckte Hand des europafreundlichen, französischen Präsidenten ergreifen: Das fordert der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Nach der Bundestagswahl im September gehe es darum, mit dem Nachbarn im Westen, das Projekt Europa aus der Krise zu führen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Afghanistan  Lob und Kritik für Trump-Entscheidung | mehr

Kulturnachrichten

Schauspiel-Legende Margot Hielscher gestorben | mehr

 

| mehr