Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

EZB senkt Leitzins auf Rekordtief

Leitzins sinkt um 0,25 Punkte auf 0,75 Prozent

Die Euro-Skulptur vor dem Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt
Die Euro-Skulptur vor dem Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt (AP)

Im Kampf gegen Wirtschafts- und Schuldenkrise öffnet die EZB die Geldschleusen noch weiter. Der Leitzins sinkt auf unter ein Prozent - der niedrigste Stand in der Geschichte der Währungsunion. Banken im Euroraum kommen nun so günstig an Geld wie nie.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins um 0,25 Punkte auf 0,75 Prozent gesenkt. Hinweise, dass dies geschieht, gab es bereits aus dem inneren Zirkel der Notenbank. "Es gibt keine Doktrin, dass der Leitzins nicht unter 1,0 Prozent liegen kann", sagte etwa EZB-Chefvolkswirt Peter Praet der "Financial Times Deutschland".

Absenkung auf bis zu 0,5 Prozent möglich

Gründe für eine Senkung des Zinssatzes, zu dem sich Banken Geld von der Europäischen Zentralbank leihen können, gibt es gleich mehrere: Die erwartete Inflation ist nicht übermäßig hoch, die Wirtschaft stagniert, und die Arbeitslosigkeit in der Eurozone liegt auf Rekordniveau.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hatte sich kurz vor der EZB-Ratssitzung allerdings gegen eine Zinssenkung und für eine Fortsetzung der Anleihenkäufe durch die Notenbank ausgesprochen. Damit könne die EZB einzelnen Ländern gezielt helfen, während Zinssenkungen auch Staaten wie Deutschland beträfen, die keine Lockerung der Geldpolitik bräuchten.

Keine Erfolgsgarantie bei Senkung

Ob die EZB mit dieser Maßnahme Erfolg hat, ist umstritten. "Die Geldpolitik funktioniert in der Krise nicht nach den gleichen Mustern wie in normalen Zeiten", sagte Henning Vöpel, Experte für Geldpolitik am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. Unsicherheit und unklare Zukunftsaussichten verhinderten viele Investitionen, besonders in kriselnden Euroländern wie Griechenland, Spanien oder Italien. Dort sitzen die Käufer, die deutsche Exporte ankurbeln.

Ein zu niedriger Leitzins birgt auch Gefahren. Je billiger Kredite sind, desto eher schlagen Unternehmen oder Häuslebauer zu. Firmen gehen dann Projekte an, die sie bei höheren Zinsen nie angepackt hätten - Fehlinvestitionen sind möglich. Wer nur drei Prozent Zinsen für seinen Hauskredit zahlt, kann sich einen höheren Kaufpreise leisten als bei sechs oder sieben Prozent. Die stark steigenden Immobilienpreise sind also auch eine Folge der niedrigen Zinsen.

Die historische Zinssenkung der EZB hat die Finanzmärkte nicht überzeugen können: Die Aktienbörsen gaben ihre Gewinne ab, der Euro rutschte um eineinhalb US-Cent unter die Marke von 1,24 Dollar.

Weitere Informationen zum Thema EZB, Finanzkrise und Leitzins finden Sie z.B. hier:

Sparen und die Zinsen senken - Hannes Swoboda unterstützt Entscheidung der EU-Regierungschefs (DLF-Interview)
Spanien beantragt Milliardenhilfe für Banken (Aktuell)
Schuldenkrise und Konjunktur in der Euro-Zone (Wirtschaft&Gesellschaft)
Erklärwerk: EZB-Tender



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:35 Uhr Presseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

MigrationNeudeutsche Protokolle

Menschen mit türkischen und deutschen Flaggen warten im Hauptbahnhof in München auf die Ankunft des Erinnerungszuges "50 Jahre Migration".

Es gibt eine lange Liste von Definitionen, auf welche Menschen der Begriff "Migrationshintergrund" zutrifft. Mit dem, was Identität tatsächlich ausmacht, befassen sich neuere Konzepte aus Kunst und Wissenschaft.

HI-VirusAngesteckt durch den Ehemann

Alexandra Frings war verheiratet und hatte einen fünfjährigen Sohn, als sie die Diagnose HIV-positiv bekam. Es stellte sich die große Frage: Wo hatte sie sich angesteckt?

NSA-Affäre Stolpernd durch die Spionageaffäre

Die ehemalige große Abhörbasis der NSA in Bad Aibling in Bayern.

Die NSA- und Spionage-Affäre ist noch lange nicht ausgestanden, kommentiert Falk Steiner. Auf viele drängende Fragen hat die Bundesregierung bislang keinerlei zufriedenstellende Antworten geliefert.

UmweltWie Elektroschrott in Afrika landet

Per GPS-Tracking haben Journalisten alte Fernseher auf ihrer Odyssee begleitet. Jetzt ist auch das letzte Gerät wieder aufgetaucht: in Lagos, Nigeria. Und das, obwohl es beim Recyclinghof abgegeben wurde.

Flugverbot in Israel"Ein weltweites Problem"

Ein Flugzeug der Fluglinie Romania hebt vor Gebäuden des Flughafens Ben Gurion in Tel Aviv ab.

Die Einstellung von Flugverbindungen nach Tel Aviv ist umstritten. Für den Leiter der der Konrad-Adenauer-Stiftung Jerusalem betrifft die Debatte nicht nur Israel: Terrorgruppen weltweit könnten dem Beispiel der Hamas folgen.

Schleswig-Holstein"Wanke nicht, mein Vaterland"

Blick auf die Eckernförder Bucht und die Schlei

Gehören Schleswig und Holstein wirklich zusammen? Darüber diskutieren die Bewohner auch 170 Jahre nach der Uraufführung ihrer Hymne "Wanke nicht, mein Vaterland". Ein Blick auf den Liedtext und mit ihm verbundene Befindlichkeiten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Göring-Eckhardt  für Waffenembargo gegen Russland | mehr

Kulturnachrichten

Fatih Akin  bei den Filmfestspielen von Venedig | mehr

Wissensnachrichten

Weltraum  Geckos im All außer Kontrolle | mehr