Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Facebook-Aktie - gefällt mir nicht

Wer hat Schuld am miesen Börsengang?

Ein Smartphone auf dem das Logo des Online-Netzwerkes Facebook zu sehen ist. (picture alliance / dpa / Marc Tirl)
Ein Smartphone auf dem das Logo des Online-Netzwerkes Facebook zu sehen ist. (picture alliance / dpa / Marc Tirl)

900 Millionen Nutzer und kaum einer will Anteile: Der Wert der Facebook-Aktie sinkt und sinkt. Investoren werfen den Banken gravierende Fehler beim Börsenstart vor. Mehrere US-Aufsichtsbehörden wollen ebenfalls ermitteln. Haben Banken negative Bewertungen verschwiegen?

Nach einem wackeligen Start hat die Facebook-Aktie den zweiten Tag in Folge deutlich an Wert verloren. Am Tag des Börsengangs schoss sie kurzzeitig um mehr als zehn Prozent in die Höhe, schloss dann aber nur knapp über dem Ausgabekurs. Am zweiten Handelstag verlor sie elf Prozent, am dritten fast neun Prozent. Insgesamt lag sie damit rund 18 Prozent unter ihrem Ausgabewert. Der Internetkonzern ist also nicht mehr 104 Milliarden Dollar wert, sondern nur noch 85 Milliarden. Zum Vergleich: Google liegt momentan bei knapp 200 Milliarden. Am Mittwoch, dem vierten Handestag, erholte sich die Aktie ein wenig und stieg um rund drei Prozent.

So einen schlechten Börsenstart gab es für ein großes Unternehmen in den USA schon lange nicht mehr. Das "Wall Street Journal" veröffentlichte eine Liste der schlechtesten Börsengänge in den vergangenen fünf Jahren, erstellt aus Daten des Finanzdatenanbieters Dealogic. Facebook gehört demnach zu 24 Unternehmen, die an der Börse mehr als eine Milliarde Dollar einnahmen. In der Bilanz der ersten drei Handelstage einsam an der Spitze: Facebook mit den größten Verlusten von allen.

Haben sich Banken falsch verhalten?

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (picture alliance / dpa)Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (picture alliance / dpa)Inzwischen streiten sich enttäuschte Anleger und Banken darum, wer Schuld hat an der Blamage. Auch die US-Aufsichtsbehörden interessieren sich zunehmend für den Börsenstart. Die Regulierungsbehörde der Finanzindustrie (FINRA) untersucht, ob die Investmentbank Morgan Stanley negative Analystenberichte zurückgehalten hat. Noch während Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sein Unternehmen vor Investoren präsentierte, hat offenbar ein Analyst die Gewinnerwartung für Facebook gesenkt. Wie mehrere Medien berichten, bekamen diese Einschätzung nur handverlesene Kunden von Morgan Stanley in die Finger. Die Bank gab zu den Vorwürfen bekannt, man habe sich nicht anders verhalten als sonst und dabei keine Vorschriften verletzt. Auch die US-Börsenaufsicht (SEC) will sich nun "einige Probleme im Zusammenhang mit Facebook" näher anschauen.

Auch die Banken JP Morgan Chase und Goldman Sachs sollen ihre Prognosen kurzfristig reduziert haben. Zusammen mit Morgan Stanley waren sie sogenannte Underwriter - sie sollten vor dem Börsengang von Facebook Käufer anwerben. Beobachter finden es in diesem Zusammenhang sonderbar, dass die Banken trotz der negativen Einschätzungen mehr Aktien ausgaben als ursprünglich geplant - und die Preisspanne dafür erhöhten.

Investoren gehen vor Gericht

Erste Klagen ließen nicht lange auf sich warten. Ein Gericht in Los Angeles muss prüfen, ob Facebook sowie Morgan Stanley, JP Morgan Chase und Goldman Sachs Informationen verschwiegen haben. Vor dem Bundesbezirksgericht in Manhattan klagt ein Investor gegen die US-Technologiebörse NASDAQ, wegen Nachlässigkeit. Technische Pannen am ersten Börsentag hatten dazu geführt, dass Käufer stundenlang nicht wussten, ob ihre Aufträge erfüllt wurden. Investoren argumentieren jetzt, das hätte das allgemeine Interesse an der Aktie gebremst.

Luftschloss an der Börse

Dass die Facebook-Aktie den hohen Erwartungen nicht gerecht werden konnte, ist keine Überraschung, sagen nun Experten. Carsten Sommerfeld, Börsenhändler von Tradegate, zog im Deutschlandfunk sogar Parallelen zur geplatzten Internetblase zu Beginn des Jahrtausends. Das Platzen einer solchen Blase sei umso wahrscheinlicher, "je mehr solcher Luftschlösser an den Kapitalmärkten vorhanden sind, und je eher es dann so aussieht, als wenn die Erwartungen an dieser Front nicht erfüllt werden". Sommerfeld hält es in diesem Fall für denkbar, dass die Facebook-Aktie innerhalb eines halben Jahres auch bei 20 Dollar stehen könnte. Im Gegensatz zu Google oder Yahoo habe Facebook ein deutlich weniger fundiertes Geschäftsmodell - und weniger Einnahmen.

Mehr zu den Hintergründen in unserem Schwerpunkt "Mit Userdaten Geld verdienen"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Attentat von London"Es sieht schon verdammt nach Islamischem Staat aus"

Peter Neumann, Direktor des "International Centre for the Study of Radicalisation" am Londoner King‘s College. (imago / IPON)

Wenn Ermittler in Großbritannien von internationalem Terrorismus sprechen, sei das ein Codewort für Al-Kaida oder den Islamistischen Staat, sagt Peter Neumann, Sicherheitsexperte am Londoner King's College, im DLF. Die Briten seien zwar die Besten bei der Anti-Terror-Abwehr in Europa, aber Anschläge mit Messern und Autos könne man nicht verhindern.

Merkel-Kritikern sammeln sich "Freiheitlich Konservativer Aufbruch" innerhalb der CDU

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag in Essen. (AFP / Tobias Schwarz)

Konservative Merkel-Kritiker gründen am Wochenende innerhalb der Union die Plattform "Freiheitlich Konservativer Aufbruch". Der CDU-Politiker Christian Wagner will damit im Parteiprogramm zur Bundestagswahl den Wertkonservatismus wieder stärker verankern.

Wie umgehen mit Erdogan & Co.?Klarheit ist manchmal besser als Diplomatie

Bundeskanzlerin Angela Merkel traf am 04.09.2016 den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einem bilateralen Gespräch kurz vor dem offiziellen Beginn des G20-Treffens. (dpa / picture alliance)

Die AKP will nun doch keine Spitzenpolitiker mehr zu Wahlkampfauftritten nach Deutschland schicken. Ein Verdienst der konsequenten Haltung der Bundesregierung? Der Grüne Memet Kilic sieht eher eine völlig wirkungslose Diplomatie gegenüber Autokraten am Werk.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Anschlag in London  Täter war Brite und den Sicherheitsbehörden bekannt | mehr

Kulturnachrichten

Florian Ebner geht ins Centre Pompidou  | mehr

 

| mehr