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Facebook-Kursfeuerwerk blieb aus

Erster Handelstag begann mit Verzögerungen - US-Börsenaufsicht will technische Pannen prüfen

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (picture alliance / dpa / ©franck Castel/wostok Press)
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (picture alliance / dpa / ©franck Castel/wostok Press)

Die Erstnotiz der Facebook-Aktie am Freitag fiel nach Ansicht von Analysten eher enttäuschend aus. Nach einem Plus von zunächst zehn Prozent rutschte das Papier im Laufe des Tages wieder ab und schloss mit 38,23 Dollar nur knapp über dem Ausgabepreis. Mehrere Male kam der Handel ins Stocken.

Nur durch Stützungskäufe durch beteiligte Banken sei verhindert worden, dass die Aktie am ersten Handelstag an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq unter den Ausgabekurs von 38 Dollar gerutscht sei. Kurz nach dem Start waren die Papiere zunächst um mehr als zehn Prozent höher bewertet worden. Facebook und seine Alt-Eigentümer hatten durch die Ausgabe der Aktien rund 16 Milliarden Dollar eingenommen. Es handelt sich um den bisher größten Börsengang einer Internet-Firma.

Verzögerter Start

Das soziale Netzwerk starte zudem mit Pannen in die Börsenkarriere. Der Handel mit den Aktien hätte eigentlich um Punkt 11.00 Uhr an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq beginnen sollen (17.00 Uhr MESZ). Doch es dauerte eine halbe Stunde, bis der erste Kurs draußen war - für Börsianer eine Ewigkeit. Die Nasdaq-Systeme waren mit den Millionen Kauf- und Verkaufsaufträgen überfordert. Börsianer beschwerten sich, dass sie auch nach Stunden immer noch nicht wussten, ob ihre Order erfolgreich war oder nicht. Dabei verspricht die rein computergestützt arbeitende Nasdaq superschnelle Abläufe.

Den Gang an die Börse hatte Firmengründer und -Chef Mark Zuckerberg zuvor in der Zentrale im kalifornischen Silicon Valley mit der traditionellen Startglocke eingeläutet. Der schwache Beginn belastete auch die US-Börsen, wo die Kurse in Minus drehten. Mit einer Marktkapitalisierung von 104 Milliarden Dollar war Facebook mit dem Glockenschlag so viel Wert wie die deutschen Traditionskonzerne Daimler und BMW und Lufthansa zusammen.

Experten hatten der Aktie bei ihrem Debüt eigentlich einen kräftigen Kurssprung zugetraut: "Ich denke, alles über 50 Prozent wird als erfolgreiche Emission betrachtet - alles unter 50 Prozent als enttäuschend. Viele Privatanleger kümmern sich nicht um die Bewertung", sagte Jim Krampfel, Analyst bei Morningstar.

25 Prozent mehr Aktien ausgegeben

Wegen der starken Nachfrage erhöhte Facebook zuletzt sowohl das Volumen der angebotenen Aktien als auch die Preisspanne. Am Mittwoch gab Facebook bekannt, 25 Prozent mehr Aktien anzubieten als zuvor geplant. Am Dienstag hatte der Branchenprimus die Preisspanne für seine Aktien auf 34 bis 38 Dollar von zuvor 28 bis 35 Dollar je Papier angehoben.

Von den Einnahmen des Börsengangs fließen Facebook selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Netzwerks früh erkannt haben. Auch Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat einen Teil seiner Aktien verkauft, um fällige Steuern zu begleichen. Seine 30 Millionen Anteilsscheine brachten gut 1,1 Milliarden Dollar. Der 28-Jährige behält mit seinen verbleibenden Anteilsscheinen im Gegenwert von gut 19,1 Milliarden Dollar weiterhin die Kontrolle über das 900 Millionen Mitglieder starke Netzwerk.

Zweifel am Facebook-Konzept

Die hohe Nutzerzahl macht Facebook für die Werbeindustrie interessant und erklärt die hohe Nachfrage der Investoren. Facebook ist allerdings eine Wette auf die Zukunft, denn noch sehen die Geschäftszahlen im Vergleich zu anderen Konzernen mau aus: Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei vergleichsweise schmalen 3,7 Milliarden Dollar und der Gewinn bei 1 Milliarde Dollar.

Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, dass die Megamilliarden-Wette aufgeht. So will General Motors als einer der weltgrößten Werbetreibenden vorerst keine Anzeigen mehr auf Facebook schalten, weil die Nutzer dadurch kaum erreicht würden. Zudem nutzen immer mehr Menschen Facebook auf ihren Smartphones, wo kaum Werbung zu sehen ist und entsprechend die Einnahmen ausbleiben.

Experten sind skeptisch

Christian Schulze, Marketing-Professor an der Frankfurt School of Finance, zeigte sich im Gespräch mit dem Deutschlandfunk eher skeptisch: "Facebook ist sicherlich alles andere als eine sichere Investition." Das Unternehmen stehe vor großen Herausforderungen, deren Ausgang nicht klar seien.

Ähnlich äußerte sich auch der Princeton-Ökonom Markus Brunnermeier, der den Börsengang im Interview mit dem Deutschlandfunk skeptisch beurteilte. Das soziale Netzwerk Facebook erreiche an der Börse nur die Hälfte des Wertes von Google - und der Umsatz betrage sogar nur ein Zehntel des Suchmaschinengiganten, erklärte Brunnermeier.

Das Börsendebüt von Facebook ist auch Thema in der Presseschau des Deutschlandfunks.

Der Deutschlandfunk begleitet den Börsengang mit einem Themenschwerpunkt: Mit Userdaten Geld verdienen - Facebook geht an die Börse

Diskutiert wurde über dieses Thema auf der Facebook-Seite mit Deutschlandfunk-Redakteur Benjamin Hammer.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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