Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Fahnder wollen gegen 50 mutmaßliche NS-Verbrecher vorgehen

Zeitungen: Vorermittlungen gegen mutmaßliche KZ-Aufseher geplant

Das Konzentrationslager Auschwitz (1945) (AP Archiv)
Das Konzentrationslager Auschwitz (1945) (AP Archiv)

Seit fast 70 Jahren leben sie unbehelligt in Deutschland: 50 mutmaßliche Aufseher des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Nun aber will laut Zeitungsberichten die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen die Männer vor Gericht bringen.

Die Zeitungen der WAZ-Gruppe berichten, der Ludwigsburger Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen lägen die Namen und die Wohnorte der Verdächtigen vor. Die Männer seien heute um die 90 Jahre alt. In den kommenden Wochen wolle die Behörde Vorermittlungen gegen sie aufnehmen – wegen Beihilfe zum Mord. Sollte sich der Verdacht erhärten, könnte die Zentralstelle ihre Materialien an die zuständigen Staatsanwaltschaften weitergeben.

Demjanjuk-Prozess als Vorbild

Behördenleiter Kurt Schrimm sagte den Zeitungen, er halte Gerichtsprozesse gegen die Verdächtigen für aussichtsreich – auch wenn Zeugen fehlten, die bestätigen könnten, dass die Männer direkt an den Massenmorden beteiligt waren. Der Grund für Schrimms optimistische Haltung ist die Verurteilung des Wachmanns John Demjanjuk, der wegen seiner Tätigkeit im Lager Sobibor 2011 zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord verurteilt worden war. Anders als früher reiche seit diesem Schuldspruch "jede Tätigkeit in einem Konzentrationslager aus, um wegen der Beihilfe zum Mord zu verurteilen".

Das Internationale Auschwitz-Komitee hat die bevorstehenden Vorermittlungen begrüßt. "Es ist spät, aber noch nicht zu spät", schrieb die Organisation ehemaliger Auschwitz-Häftlinge in einer Erklärung in Reaktion auf die Aussagen der Ludwigsburger Zentralstelle.

Jahrzehntelang kaum Interesse in Deutschland an Verfolgung

Die Zentrale Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen wurde 1958 in Ludwigsburg eingerichtet und ist eine Einrichtung aller 16 Bundesländer. Sie kann selbst keine Anklage erheben, führt aber Vorermittlungen gegen Verdächtige durch. Erhärtet sich ein Verdacht, leitet sie die gesammelten Materialien an die Staatsanwaltschaften weiter. Diese müssen dann entscheiden, ob sie Anklage erheben oder nicht. Im Deutschlandfunk machte der emeritierte Politikwissenschaftler Joachim Perels dieses in seinen Augen komplizierte Verfahren dafür mitverantwortlich, dass so viele mutmaßliche NS-Verbrecher jahrzehntelang unbehelligt bleiben konnten. Dies sei von der Bevölkerung durchaus gutgeheißen worden; jahrzehntelang sei die Verfolgung von Nazi-Tätern in der Bundesrepublik nicht mehrheitsfähig gewesen.

Mehr Informationen auf dradio.de:
NS-Verbrecher Demjanjuk ist tot Aktuell vom 17.03.2012

"Mord verjährt nicht" Historiker Norbert Frei über die letzten NS-Prozesse gegen "vergleichsweise kleine Einzeltäter"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:15 Uhr Andruck - Das Magazin für Politische Literatur

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:15 Uhr Redaktionskonferenz

Aus unseren drei Programmen

Verhältnis zwischen AfD und Christen"Das Christentum in Geiselhaft genommen"

Ein Mann mit einem AfD Poloshirt und einer Kette mit Kreuz um den Hals. (imago  /Jens Jeske)

Für manche konservative Christen ist die AfD attraktiv – etwa in der Abtreibungsfrage. Wiederum helfen die Kirchen Flüchtlingen, suspekt für die AfD. Ein Gespräch mit dem Publizisten Wolfgang Thielmann über sein Buch "Alternative für Christen?" und wie die Kirchen mit der Partei umgehen sollten.

Sommerreihe: Die Qual der Wahl"Heute ist es ohne Weiteres möglich, nicht gläubig zu sein"

Ein steinernes Kreuz an der Kreuzung der Calle de Toledo und der Calle de los Cuchilleros im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid. (imago / Mangold)

Wer heute gläubig sei, sei sich dessen voll bewusst, dass er oder sie genauso gut auch nicht gläubig sein könnte, meint der Sozialphilosoph Hans Joas. In die Attraktivität von Religionsgemeinschaften fließe auch immer ein, wie sie sich zu zentralen politischen Fragen wie sozialer Ungleichheit stellten.

Flüchtlinge aus Gambia in Oberschwaben"Die werden behandelt wie alle anderen auch"

Oberschwaben (Deutschlandradio / Ellen Häring)

Als Ende 2014 Flüchtlinge in ganz Deutschland verteilt wurden, kamen 24 Gambier ins schwäbische Oberzell. Heute arbeiten 19 von ihnen in Vollbeschäftigung und sozialversicherungspflichtig. Damit ist Oberzell Spitzenreiter bei der beruflichen Integration von Zuwanderern.

Der Fall Doğan Akhanlı Ein Missbrauch internationaler Verträge

Auftritt des türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Tempodrom in Berlin. Der Premier sprach 2014 vor tausenden Anhängern auf der von den European Turkish Democrats (UETD) organisierten Veranstaltung. (imago - Christian Mang)

Der eigentliche Grund für die Festnahme des türkischstämmigen Schriftstellers Doğan Akhanlı in Spanien dürfte dessen Beschäftigung mit dem türkischen Völkermord an den Armeniern sein, meint Kemal Hür. Dass der türkische Präsident Erdoğan aber inzwischen so weit gehe, Kritiker auch im europäischen Ausland zu verfolgen, sei ein Skandal.

Religion in ComputerspielenDaddeln und trauern

Logo von World of Warcraft. (imago / Ina Fassbender)

In World of Warcraft gibt es auf einer Insel einen Gedenk-Hain für den verstorbenen Schauspieler Robin Williams. Und auch in anderen virtuellen Welten wird immer öfter an real existierende Weggefährten erinnert oder religiöse Symbole tauchen auf.

Publizist Michael Naumann über Rassismus"Amerika hat sich seit Martin Luther King sehr langsam verbessert"

Michael Naumann (dpa / Robert Schlesinger)

In den USA gebe es noch immer einen "kulturellen Rassismus", sagt der Publizist und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das Hauptproblem des Landes aber sei, dass auch dem US-Präsidenten Donald Trump "rassistische Attitüden" nachgewiesen werden können.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Spanien  Hauptverdächtiger des Terroranschlags von Barcelona wurde getötet | mehr

Kulturnachrichten

Keine Konföderierten-Denkmäler an Uni Texas | mehr

 

| mehr