Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Familienunternehmen unter Druck

Nahaufnahmen aus Griechenland: Griechische Unternehmer ohne Kreditwürdigkeit

Von Andrea Mavroidis

Familienunternehmer Nikos Manessiotis in einer Lagerhalle (Andrea Mavroidis)
Familienunternehmer Nikos Manessiotis in einer Lagerhalle (Andrea Mavroidis)

Mit Misstrauen haben gerade griechischen Unternehmen zu kämpfen. Bislang genossen sie aufgrund langer Firmentradition großes Vertrauen bei ihren Handelspartnern im Ausland. Manessiotis & Sohn in Piräus ist so ein Unternehmen, das seine Firma in Gefahr sieht.

Ein neues Lagerhaus nicht weit vom Hafen Piräus entfernt, auf dem Firmenschild, das aus einer anderen Epoche zu sein scheint, ist zu lesen: Manessiotis & Sohn. Dort erwartet mich der Firmeninhaber Nikos Manessiotis, ein groß gewachsener, sehr freundlicher Mann, der mich gleich vorbei an jeder Menge Tierfutter, mit dem Aufzug in die wohlriechende zweite Etage bringt.

Analog mit der Etage und den Waren die wir dort lagern, verändern sich die Gerüche, scherzt Nikos Manessiotis.

Es riecht nach Kardamom, Curry, Pfeffer und vielen was meine Nase nicht eindeutig zu ordnen kann. Gelagert auf Paletten in großen Säcken verpackt. Neben Gewürzen handelt das kleine Unternehmen mit Tierfutter und Metall.

Die Firma Manessiotis hat eine fast hundertjährige Geschichte, darauf ist der Nachfahre ersichtlich stolz. Die von seinem Großvater gleichen Vornamens gegründete Firma, hat schon so manche griechische Krise überstanden. Umso mehr schmerzt es den Enkel Nikos Manessiotis, das das Erbe seines Großvaters nun in Gefahr ist.

"Als die Krise die 2009 ihren Anfang nahm, hat uns das sehr hart getroffen. Obwohl mein Vater und mein Großvater sich einen großen Namen auch im Ausland gemacht hatten; vertrauten unsere langjährigen Partner uns Griechen von heute auf Morgen nicht mehr. Bis dahin bekamen wir unsere Ware immer auf Kommission und auf einmal sollten wir alles im Voraus zahlen."

Manessiotis trifft das hart. Denn seine Rechnungen an seine internationalen Handelspartner in Holland, Deutschland oder Indien hat er immer pünktlich, wie vertraglich vereinbart, beglichen.

"Bei Tierfutter mag das ja noch gehen sagt mir Manissiotis, aber bei unserem Hauptprodukt dem Pfeffer ist das sehr schwierig. Ein Container voller Pfeffer kostet 120.000 EURO. Den muss ich vorher bezahlen. Und es vergehen noch mal 40 Tage bis er hier im Hafen von Piräus ankommt und die Qualität kann ich nicht mehr prüfen, bevor ich zahle. Das widerspricht unserer Handelspraxis. Und eine so große Summe vorzulegen, das ist schwierig."

In der Tat ist das in Griechenland kein leichtes Unterfangen. Denn schon lange vor der Krise war es üblich mit vordatierten Wechseln zu zahlen.

"Das heißt für mich als Händler, ich gehe immer in Vorkasse, wenn ich an die Läden weiterverkaufe. Nur zehn bis 15 Prozent meiner über 300 Kunden zahlt sofort, der Rest zahlt mit Wechseln zwei Monate später und die großen Supermärkte reizen das noch weiter bis auf über sechs Monate aus. Wenn ich also als Händler vorher alles meinen ausländischen Partnern zahlen muss und ich auch noch die Lagezeit dazu rechne, fungiere ich quasi als Bank für meine Kunden. Das kann sich keine Firma auf Dauer leisten."

In seinem Büro zeigt mir Manessotis einen dieser dicken Packen voller unbezahlter Wechsel, auf denen auch die Namen, namhafter großer Unternehmen stehen. Aber auch die vielen kleinen Firmen, seine treuen Kunden, stehen oftmals vor dem Bankrott. Manessiotis selbst konnte den eigenen Untergang seiner Firma bislang abwenden, weil er durch seine veränderte Produkt- und Preispolitik sogar neue Kunden gewinnen konnte. Und dafür stehe auch sein guter Name: Er hat keinen seiner 5 Angestellten entlassen, aber er fordert Höchstleistungen. Was ihn als Sekretär der Handelskammer sehr beschäftigt, sind die zu hohen Steuern, die erdrückten die Firmen. Denn griechische Betriebe sind in ihrer Mehrzahl Klein- und Kleinstbetriebe mit unter zehn Beschäftigen.

"'Durch die zu hohen Steuern wird Wachstum von vorneherein zu Nichte gemacht. Wir haben eine erhebliche Senkung des Bruttoinlandsprodukts hinnehmen müssen. Konsum ist da ausgeschlossen, dass heißt der Staat nimmt eigentlich trotz Steuererhöhungen weniger ein. Und auf der anderen Seite welches internatonale Unternehmen will da noch investieren, bei unseren hohen Steuern, da sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels.""

Wie lange Nikos Manessiotis seine Firma so weiter halten kann, weiß er nicht. Und ob er sie, um die Familientradition weiterzuführen, jemals an seinen Sohn übergeben kann, dazu müsste er Prophet sein, sagt er mit einem Lächeln.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:35 Uhr Campus & Karriere

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Müllers "Marshall-Plan mit Afrika""Die Entwicklungskräfte der Länder stärken"

Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller, CSU (picture-alliance / dpa / Rainer Jensen)

Entwicklungsminister Gerd Müller will den ärmsten Ländern in Afrika helfen. Es gehe aber nicht darum, den Staaten Milliarden zu geben, sondern sie gezielt und stärker zu fördern, sagte der CSU-Politiker im Deutschlandfunk. Als Beispiel nannte er eine Stärkung der Wertschöpfungsketten.

Oscars und Politik"Hollywood hat die Künstler mobilisiert"

Die Gewinner in den Kategorien beste Haupt- und Nebendarsteller: Mahershala Ali, Emma Stone, Viola Davis und Casey Affleck (v.l.n.r.) (AFP / FREDERIC J. BROWN)

Die Oscar-Nacht sei "extrem politisch" verlaufen, beschreibt Kirsten Niehuus vom Medienboard Berlin Brandenburg die Stimmung in Hollywood. Die Academy habe die Künstler zu politischem Engagement aufgerufen - Kunst und Film komme eine wichtige Bedeutung zu.

Reformation"Luther war ein heiliger Krieger"

Der deutsche Reformator Martin Luther nach einem Gemälde von Lucas Cranach. (dpa/picture-alliance/Backhaus)

Michael Lösch ist DJ, Schriftsteller und Pfarrerssohn. Er kann nicht verstehen, warum der Thesenanschlag gefeiert wird. Luther war aggressiv und mittelalterlich, sagt er. In seinem neuen Buch träumt er von einer Welt ohne den Reformator.

Vor dem Raser-Urteil in Berlin "Wir brauchen eine deutliche Abschreckung"

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann  (imago / Metodi Popow )

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD im Bundestag, Kirsten Lühmann, hofft auf ein Gesetz gegen illegale Straßenrennen noch in dieser Legislaturperiode. Sie sagte im Deutschlandfunk, Differenzen gebe es lediglich darüber, ob die Regelungen im Strafgesetzbuch oder im Straßenverkehrsgesetz verankert werden sollen.

Mit Gruß von Orwell & HavelBig Brother still watching you!

Wandbild von "Big Brother": Szene aus der britischen Verfilmung von George Orwells "1984" in den 1950er-Jahren.  (imago / United Archives )

In den Zeiten von Trump und Putin können Bücher mehr als nur Trost spenden: George Orwells "1984" oder Václav Havels "Versuch in der Wahrheit zu leben" haben nichts von ihrer subversiven Aktualität eingebüßt, meint der Schriftsteller Marko Martin.

Staatsschutz und PressefreiheitDas "Cicero"-Urteil und seine Folgen

Im Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe wird bei der Urteilsverkündung in Sachen "Cicero" eine Ausgabe des Magazins in die Kamera des Fotografen gehalten. Das Bundesverfassungsgericht hat den Schutz der Presse gegen polizeiliche Durchsuchungen gestärkt.  (dpa / Uli Deck)

In letzter Instanz musste das Bundesverfassungsgericht entscheiden: War die Durchsuchung bei der Zeitschrift "Cicero" wegen möglichen Verrats von Dienstgeheimnissen rechtmäßig? Heute vor zehn Jahren fiel das Urteil - zugunsten der Pressefreiheit.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Krieg und Hunger  Zehntausende Südsudanesen auf der Flucht | mehr

Kulturnachrichten

Görlitz bleibt begehrter Drehort  | mehr

Wissensnachrichten

Cat content  Hauskatzen stecken voller Chemikalien | mehr